Landratsamt stellt erste Unternehmensumfrage in Pandemie-Zeiten vor

Wie die Corona-Pandemie die Wirtschaft im Landkreis belastet

Vorstellung des Unternehmensmonitorings im Landratsamt
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Stellten die erste Momentaufnahme vor (von links): Maximilian Gigl (Referent für Wirtschaftsförderung und Arbeit), Josef Rother (GEFAK mbH), Barbara Magg (Leiterin Wirtschaftsförderung) und Landrat Thomas Karmasin.

Fürstenfeldbruck – Die Corona-Pandemie belastet zunehmend nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch die Wirtschaft. Aus diesem Grund hat die Wirtschaftsförderung des Landkreises im Juni diesen Jahres rund 1.500 Unternehmen angeschrieben und sie zu den konkreten Auswirkungen der Pandemie befragt. Die Auswertung der ersten Befragungswelle liegt nun vor und wurde im Landratsamt vorgestellt.

Der Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung mbH (GEFAK mbH) mit Sitz in Marburg ist die Situation im Landkreis bekannt. Bereits seit Jahren führte sie regelmäßig Unternehmensbefragungen im Auftrag des Landratsamtes durch und dennoch sollte sich das Ergebnis diesmal von den anderen unterscheiden. Grund dafür: Die CoronaPandemie. „Ein Teil der Ergebnisse vom letzten Mal, wurden von einem Tag auf den anderen in Frage gestellt“, erklärte DiplomGeograf und Geschäftsführer des Gesellschaft Josef Rother.

Vor Landrat Thomas Karmasin, Kreisrat und Referent für Wirtschaftsförderung und Arbeit Maximilian Gigl sowie der Leiterin der Wirtschaftsförderung Barbara Magg von der Wirtschaftsförderung stellte er die 41-seitige Auswertung vor. Bereits im März wurde beschlossen aufgrund der CoronaPandemie im Landkreis eine Umfrage durchzuführen. Dazu wurden 1.450 Unternehmen von Landrat Thomas Karmasin per Brief angeschrieben und eingeladen an dieser dreiteiligen Online-Umfrage teilzunehmen. Das Ergebnis: 28 Prozent (410 Fragebogen) der angeschriebenen Betriebe nahmen an der Umfrage teil – ein gutes Ergebnis, wie Rother erklärt, noch dazu, weil die Umfrage nicht anonymisiert ablief.

Unternehmensbefragung „mindestens sehr aussagekräftig“

„Dieses Ergebnis ist mindestens sehr aussagekräftig“, sagt Rother. Der größte Rücklauf kam von den „sonstigen Dienstleistungen“ mit 139 Teilnehmern, gefolgt vom Handwerk mit 105 sowie dem Handel mit 77 Betrieben. Weiter nahmen aus der Industrie 47 Firmen an der Umfrage teil, wobei aus dem Gastgewerbe 25 und Verkehr 17 mitmachten. Insgesamt soll es drei Momentaufnahmen geben – eine im Juni, eine im Oktober und eine im nächsten Frühjahr, wobei bei letzterer noch kein Zeitpunkt fest steht. Bei der ersten Momentaufnahme ging es unter anderem darum, herauszufinden, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Betriebe hat, wer Kurzarbeit beantragen wird oder bereits hat oder welche Unterstützungsmöglichkeiten die Wirtschaftsförderung im Landratsamt bieten kann. „Wir wollten wissen, was tun die Unternehmen, um krisenfest zu werden“, sagt Rother. Die Auswertung zeigte laut ihm, dass sich bei 70 Prozent der Unternehmen die Pandemie „negativ“ oder „sehr negativ“ auf den Betrieb auswirken. Besonders auffällig sei das im Gastgewerbe zu beobachten, sagt Rother. Bei über ein Drittel der Handwerksbetriebe sei nicht absehbar wie das weitere Jahr läuft. Weiter rechneten im Juni zwei Drittel der Befragen mit einem Umsatzrückgang, allerdings nur ein Fünftel mit einem Beschäftigungsabbau.

Ganz kleine und große Betriebe von Kurzarbeit am häufigsten betroffen

Auch das Thema Kurzarbeit wurde thematisiert. „Jeder fünfte Beschäftigte im Landkreis ist von Kurzarbeit betroffen“, erklärt Rother. Dabei hätten zu diesem Zeitpunkt rund 44,7 Prozent Kurzarbeit beantragt, während die Mehrheit von 53,3 Prozent diese abgelehnt hatten. Weiter hatten zwei Prozent geplant, diese zu beantragen. Schlussendlich ließe sich sagen, dass die am stärksten Betroffenen auch Kurzarbeitergeld beantragt hätten. Dabei könne man laut Rother sagen, dass die ganz kleinen und die ganz großen Betriebe seltener von dieser Entwicklung betroffen seien.

Mit Überraschung wurde das Ergebnis aufgefasst, dass fast alle (90 Prozent) der Teilnehmer mit der Abwicklung der Soforthilfe zufrieden waren. Jedoch hätten nur die Hälfte aller Betriebe eine Strategie für die Zukunft. Das Landratsamt interessierte vor allem, wie die Behörde den Gewerbetreibenden zur Seite stehen könne. Hier setzte jedoch schnell Ernüchterung ein, da bis auf Vernetzung mit anderen Betrieben, viele Maßnahmen – zum Beispiel Steuersenkungen – vom Bund oder Freistaat getroffen werden müssen.

Felix Hamann

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