Unterschriften-Listen liegen aus

Bürgerinitiative Geothermie Puchheim braucht 1.300 Unterschriften

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Schon beim ersten Treffen der Bürgerinitiative ist klar, dass sie Unterschriften gegen die Geothermieanlage sammeln will - nun liegen die Listen aus.

In Puchheim läuft seit Anfang des Monats ein Bürgerbegehren. Ziel ist es, die von der Stadt geplante Geothermieanlange am Laurenzer Weg zwischen Puchheim-Bahnhof und Puchheim Ort zu verhindern.

Puchheim – Die Stadt plant am Lauzenzer Weg zwischen Puchheim-Bahnhof und Puchheim-Ort eine Geothermieanlage zu installieren, um Fernwärme zu erzeugen und zu Nutzen. Das Projekt wird von vielen Bürgern mit Skepsis betrachtet. Denn obwohl vom Stadtrat in den höchsten Tönen beworben, entgegnen Kritiker, dass beim Betrieb der Anlage für Mensch und Natur nachteilige Folgen entstehen können.

Angst vor Hochwasser und Schadstoffen

Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels in Puchheim wurden und werden Häuser in wasserdichten Wannen errichtet. „Bei eventuell auftretenden Erdbeben können in den Wannenwänden Risse entstehen, durch die ein Grundwassereintritt unter anderem in einen Gebäudekeller möglich wird“, so die Angst der Gegner. Der Einwirkungsbereich des 2009 in Poing aufgetretenen Erdbebens, bei dem ein starker Zusammenhang mit der dortigen Geothermieanlage gesehen wird, zeige zudem auf, dass auch die Nachbargemeinden Eichenau, Gröbenzell und Olching betroffen sein können, argumentiert die Bürgerinitiative Geothermie Puchheim. Weiterhin sind Teile Puchheims auf einer ehemaligen Mülldeponie errichtet, so dass große Abschnitte des Stadtzentrums auf relativ instabilem Untergrund stehen, was ebenfalls bei Erdbewegungen zu Schäden und zum Austritt von Schadstoffen aus den Müllschichten führen könne. Das nahe gelegene Trinkwasserschutzgebiet sie in den Augen der Initiative zudem ein Grund, den Eingriff des Menschen in dieses Gebiet mit Sorge zu betrachten.

Zweifel an ökologischem Nutzen

Auch spielte der Aspekt, dass vor Puchheim ein regionaler Grünzug liegt, der als Biotop und Frischluft-Korridor dienen sollte, nur noch eine untergeordnete Rolle, als der Bebauungsplan für das Grundstück zugunsten der Errichtung der Anlage geändert wurde. Kritiker zweifeln auch den ökologischen Nutzen einer solchen Anlage an, die rein zur Erzeugung von Fernwärme genutzt werden soll. „Hier könnte man nach alternativen Wegen suchen, die weniger Risiko für Mensch und Natur beinhalten, zum Beispiel die Nutzung von Sonnenenergie oder Biomasse“, schreiben die Verantwortlichen.

Deckungssumme zu niedrig?

Die Stadt habe zwar eine Versicherung für auftretende Schäden angeboten, aber der Umfang dieser Absicherung ist in den Augen der Bürgerinitiative, die sich gegen das Projekt ausspricht, bei weitem nicht ausreichend. „Die Deckungssumme von 20 Millionen Euro steht hinter jeder üblichen Kfz-Versicherung mit Deckungssummen von 100 Millionen Euro weit zurück.“

Unterschriftenlisten für das Bürgerbegehren gegen den Bau der Geothermieanlage liegen in folgenden Geschäften aus: 

Edelbauer Schreibwaren, Alois-Harbeck-Platz 4, 

die brille – Augenoptik: Lochhauser Str. 4,

 Schreibwaren Papeterie: Lochhauser Str. 57 und 

HAARMACHA – Friseur in Puchheim-Ort, Mitterlängstr. 28.

Weiter können Listen auf der Homepage der Bürgerinitiative herunter geladen werden (www.geothermie-puchheim.de).

Die Versicherungsfrage ist hier besonders relevant, da bei bekannten anderen Geothermie-Projekten in Deutschland die Geschädigten jahrelang um Entschädigung kämpfen müssten. Grund hierfür: das Bergrecht steht auf der Seite der Betreiber, die Geschädigten müssen am Ende doch selbst den Nachweis führen, dass die Vorfälle in direktem Zusammenhang mit der Industrieanlage stehen, was nahezu unmöglich ist, sagen die Unterstützer des Bürgerbegehrens.

Betreiber von Geothermieanlagen in ganz Deutschland streiten den Zusammenhang der Geothermie mit Erdbeben ab, so dass eine Haftung der Stadt hier eventuell nicht zum Tragen komme. Auch eine Elementarschadenversicherung greife hier nicht, da es sich um künstlich erzeugte Erdbeben handeln würde, heißt es weiter.

1.300 Unterschriften benötigt

Für das von der Bürgerinitiative gestartete Bürgerbegehren sind etwa 1.300 gültige Unterschriften nötig. Es wird dann einen Bürgerentscheid nach sich ziehen, in dem die Stadt seine Bewohner an der Entscheidung zu beteiligen hat, ob eine Geothermieanlage an diesem Standort sinnvoll ist.

red

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