Polizei Fürstenfeldbruck stellt Zahlen vor

Nur wenige Alltagsprobleme im Westen

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Die Referenten des Info-Abends (von links): Stephan Dodenhoff, Dirk Kraaß und Reiner Dunkel.

Mammendorf – „Der westliche Landkreis ist sicher“, sagte Polizeihauptkommissar Dirk Kraaß von der Brucker Polizeiinspektion am 4. Juli bei einer Veranstaltung der SPD-Ortsvereine VG Mammendorf/Maisach/Obere Amper im Bürgerhaussaal in Mammendorf zum Thema „Wie sicher sind wir im westlichen Landkreis?“. Bis auf wenige Alltags-Probleme sei die Welt im ländlich strukturierten Westen des dichtest besiedelten Landkreises in Oberbayern noch in Ordnung.

Sicherheit verknüpfen viele Menschen zugleich mit der Forderung nach schärferen Gesetzen, meinte der SPD-Ortschef Jürgen Cullmann bei der Begrüßung. Doch Sicherheit habe nichts mit mehr Druckerschwärze im Bundesgesetzblatt zu tun, sondern vor allem mit Prävention, erteilte er das Wort den drei Referenten. Neben Kraaß waren dies Polizeioberkommissar Stephan Dodenhoff und Polizeihauptkommissar a. D. Reiner Dunkel, Altbürgermeister von Althegnenberg.

3.163 Straftaten im letzten Jahr

Im Jahr 2016 gab es im Bereich der Polizeiinspektion 3.163 Straftaten. Darunter fielen 556 sogenannte Hoheitsdelikte wie Raub und schwere Körperverletzung, 50 Wohnungseinbruchdiebstähle, 320 Betrugsfälle und 299 Rauschgiftdelikte. Im Bereich der Rauschgiftkriminalität haben sich die Zahlen nicht auffallend nach oben entwickelt, ergänzte Dodenhoff. Zum „Betreuungsbereich“ der Dienstelle der Kreisstadt zählen knapp 74.000 Einwohner (Stand: 31.12.2015). Eine stattliche Zahl, meinte Kraaß, die man bewältige, auch weil man sporadisch Unterstützung durch die jungen Kollegen der Bereitschaftspolizei erhalte. 

Großer Zulauf bei der Polizei, aber hohe Hürden

Eingangs der Diskussion interessierte die Besucher zunächst die Personalsituation bei der Brucker Inspektion, und ob Beruf des Polizisten überhaupt attraktiv sei. „Wir sind gut aufgestellt“, meinte Kraaß zur personellen Ausstattung bei der Inspektion. SPD-Bundestagskandidat Michael Schrodi bezweifelte die Aussage, denn er hat vor einigen Monaten gelesen, dass die Polizei am Limit arbeite, da acht bis neun Stellen unbesetzt seien. Wie sieht es mit dem Nachwuchs bei der Polizei aus, fragte eine Besucherin. Ist der Beruf überhaupt noch attraktiv? Man habe einen großen Zulauf, erwiderte Dunkel, aber für den Beruf seien aufgrund der Herausforderungen die Hürden sehr hoch geschraubt. Dennoch steht der Polizeiberuf hoch im Kurs, gleich hinter der Piloten. Ein Zuhörer vermisste die Präsenz der Polizei im öffentlichen Bereich, die dem Bürger doch eine gewisse Sicherheit vermittle. Konkrete Zahlen könne er nicht nennen, aber man versuche, 60 Prozent der Beamten im Außendienst, 40 Prozent im Innendienst einzusetzen. Ob denn immer mehr originäre Aufgaben der Polizei an die privaten Sicherheitsdienste abgegeben werden, wollte der SPD-Ortschef wissen. Das sei nicht zugelassen und auch nicht Ziel der Polizei, ebenso wenig der Politik, erwiderte Kraaß dazu. Dodenhoff wies daraufhin, dass Schulen bei Veranstaltungen für die Sicherheit verantwortlich sind. Bei einer Feier mit 400 Teilnehmern müssen beispielsweise vier Sicherheitsleute anwesend sein. Sie stellen aber keine Konkurrenz dar, sondern sie unterstützen die Polizei, betonte Dodenhoff.

Eine gute Nachbarschaft ist eine der hilfreichsten Mittel gegen Einbrüche

„Wachsam zu sein“, sagte Kraaß, „und eine gute Nachbarschaft pflegen“, sei eines der hilfreichsten Mittel, um Einbrüchen in Wohnungen vorzubeugen, rieten die Beamten den Zuhörern. „Die ganzen technischen Überwachungseinrichtungen sind ganz schön, aber wichtiger ist eine gute Nachbarschaft“, ergänzte Dodenhoff. Im ersten halben Jahr gab es 15 Wohnungseinbruchsdiebstähle, informierte Kraaß. „Dabei handelt es sich um keine ansässigen Täter, sondern durchreisende Banden. „Wir sind da auf ihre Mithilfe angewiesen“, appellierte Kraaß, sich ruhig zu trauen, die Polizei zu verständigen, wenn man etwas Auffälliges wie einen „Sprinter“ mit osteuropäischem Kennzeichen wiederholt sieht. Hingegen seien die Einbrüche in Sportlerheimen typisch für jugendliche Einbrecher, keine professionelle Einbrecher. Da sei man guter Dinge, diejenigen zu erwischen. Die Aufklärungsquote bei den Straftaten liegt bei 64 Prozent, bei Einbruch und Diebstählen allerdings unter 20 Prozent. 

Kritik an den neuen Uniformen

Egenhofens Bürgermeister Josef Nefele gefallen die neuen Polizeiuniformen nicht. „Die sehen aus wie Securitys. Man kann die Polizeibeamten nicht mehr von Securitys unterscheiden “ Man sei froh, dass man sie bekommen habe, meinte Kraaß dazu. Sie seien blau und nicht schwarz wie die Security- Bekleidung und vor allem sehr funktionell. Dunkel gab Nefele Recht, der Erkennungswert gehe verloren. 

Checklist und Broschüre für Senioren

Margit Quell aus Mammendorf regte an, alten Menschen eine Checkliste an die Hand zu geben, die ihnen eine Hilfestellung bei Betrugsanrufen bietet. „Es schenkt Ihnen niemand etwas, das sollte sie stutzig machen“, meinte Dodenhoff dazu. Im Übrigen gebe es eine entsprechende Broschüre. Auch gebe es entsprechende Vorträge für Senioren. Ein Besucher forderte ein einfaches Flugblatt mit Schlagwörtern. Schrodi wollte Auskunft über die Entwicklung politischer Extremisten und Reichsbürger im Landkreis. „Dazu könne die Inspektion keine Angaben machen. Hier geht es um den Staatsschutz, da ist die Inspektion nicht involviert.“ Dodenhoff präzisierte aber: „Einen Ort, wo sich Salafisten oder Extremisten im Landkreis treffen, gibt es bei uns nicht.“ 

Dieter Metzler

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