Unbehagen über Straßen-Namen, die mit der NS-Zeit verknüpft sind auch in FFB

Grüne Jugend will aufrütteln und Wernher-von-Braun-Str. ändern 

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Dieser Straßenname soll geändert werden, fordert die Stadtratsfraktion der GUL/Grünen aus FFB

Fürstenfeldbruck -  Bis zur Eingemeindung der Gemeinde Puch in die Kreisstadt im Rahmen der Gemeindegebietsreform im Jahre 1978 hieß die Straße in der Großen Kreisstadt „Kaiser-Ludwig-Straße“, dann wurde sie in „Wernher-von-Braun-Straße“ umbenannt, weil es in Ortsteil Puch eine zweite Kaiser-Ludwig-Straße gibt. Wenn es nach dem Willen der Grünen in der Kreisstadt geht, soll die Straße in der Kreisstadt nun bald „Anne-Frank-Straße“ heißen

 Aufgerüttelt durch die Diskussion in Nachbarlandkreis Friedberg, wo ein Gymnasium nach dem Raumfahrtpionier und SS-Sturmbandführer Wernher von Braun benannt ist, fordert die Grüne Jugend Fürstenfeldbruck: „Der Name der Straße muss geändert werden. Eine Ehrung Wernher von Brauns im staatlichen Raum verbiete sich.“ Auch in Friedberg rät inzwischen das bayerische Kultusministerium, nachdem Unbehagen über den Namen quer durch die Gesellschaft und die politischen Parteien ging, das Wernher-von-Braun-Gymnasium solle seinen Namen ablegen, weil der Patron in Nazi-Verbrechen verstrickt war. 

Die beiden Sprecher der Grünen Jugend Fürstenfeldbruck, Doris Breitenreuter und Jonas Pauli, begründen auf ihrer Homepage die Forderung wie folgt: Wernher von Braun war im Dritten Reich verantwortlich für die Produktion der V2-Raketen. Bei der Herstellung dieser Waffen wurden zehntausende KZ-Häftlinge getötet. Von Braun hat das billigend in Kauf genommen. Er hat selbst Häftlinge ausgesucht. Und er hat nichts getan, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern“, so Pauli.

 Etwa 20.000 KZ-Häftlinge wurden beim Raketenbau nach dem nationalsozialistischen Konzept „Vernichtung durch Arbeit“ umgebracht. Er war Mitglied der NSDAP und der Waffen-SS und hatte „niemals moralische Bedenken“, denn ihm ging es darum die „goldene Kuh zu melken“ (Zitate Wernher von Braun). Breitenreuter sieht das ähnlich: „Wernher von Braun war ein gnadenloser Opportunist, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit genutzt hat, um aufzusteigen und die Karriereleiter zu erklimmen. Aus diesem Gründen verbiete sich im staatlichen Raum seine öffentliche Ehrung.“ 

Die Stadt Fürstenfeldbruck habe eine historische Verantwortung den Opfern des NS-Regimes und sich selbst gegenüber, so die Grüne Jugend. Deshalb fordert sie den Stadtrat auf, sich umgehend für eine Namensänderung der Straße einzusetzen. Jetzt hat auch die Stadtratsfraktion der GUL/Grünen in Bruck reagiert und den Antrag gestellt, einen Arbeitskreis zu gründen, der alle Straßennamen in der Kreisstadt überprüft. Insbesondere soll der Arbeitskreis die Straßennamen ermitteln und zur Umbenennung dem Stadtrat vorschlagen, die an Personen mit Nazi-Vergangenheit erinnern und an Menschen, deren Meinungen gegen die freiheitlich demokratischen Grundordnung verstoßen haben. Die Leitung des Arbeitskreises sollen die beiden Kulturreferenten des Stadtrates, Klaus Wollenberg (FDP) und Brigitta Clemens (CSU) übernehmen, Die Fraktionsvorsitzende der GUL/Grünen, Karin Geißler, meint, die Aufarbeitung des Nationalsozialismus sei in Deutschland häufig nicht konsequent geführt worden. „Wir leben heute in einer Demokratie, aber nicht zuletzt die Morde der NSU und die Aktivitäten rechtsgerichteter Parteien wie der NPD zeigen, dass jede Demokratie immer verteidigt werden muss. Dazu gehört es auch, dass undemokratische Ideologien nicht dadurch befördert werden, indem Personen durch die Benennung von Straßen geehrt werden, die ihnen eng verbunden waren.“

Dieter Metzler 

 

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