Verein fordert weniger Verbrennung und mehr Vergärung von Bioabfällen

Wie schädlich ist unser Müll für das Klima?

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Fordern ein zurückfahren der Müllverbrennung und den Aufbau der Müllvergärung: Die Vertreter von „Das besser Müllkonzept“ mit Josef Metzger (Zweiter von links), Josef Seemüller (Mitte) und Waltraud Galaske (rechts) sowie (von links) Egenie Scherb (BN), Gottfried Obermair (Ziel 21) und Kreisrat Jakob Drexler (UBV).

Die Müllverbrennung ist einer der größten Klimakiller im Landkreis. Das behauptet der Verein „Das bessere Müllkonzept“ und fordert weniger Verbrennung und mehr Vergärung von Bioabfällen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Fürstenfeldbruck - Den Klimaschaden, den die Müllverbrennung in Geiselbullach anrichtet, ist größer als eine Brandrodung sämtlicher Wälder im Landkreis Fürstenfeldbruck“, sagt Josef Seemüller. Der Oberschweinbacher vertritt den Dachverband der bayerischen Initiative „Das bessere Müllkonzept“ im Landkreis. Wie Seemüller bei einer Pressekonferenz in Gernlinden erläuterte, würden 80 Prozent des Müllgewichts als klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft geblasen. Der nutzlose Kohlendioxidausstoß beträgt laut Seemüller 65.000 Tonnen und verursache jährlich einen Klimaschaden von 11,7 Millionen Euro. 

Antrag für Biotonne im Landkreis

Mit einem Wirkungsgrad von 28 Prozent sei die GfA schlechter als ein Braunkohlekraftwerk. „Und die werden in den nächsten Jahren aus Klimaschutzgründen abgeschaltet.“ Durch die Vergärung von Bioabfällen könne man dagegen speicherbares Biomethan produzieren. Mit 45.000 Tonnen Bioabfällen könnten demnach 45.000 Einwohner mit kohlendioxidfreier Wärme beliefert werden. Seemüller fordert deshalb, die klimaschädliche Müllverbrennung zurückzufahren und die klimanützliche Bioabfallverwertung aufzubauen. „Dazu ist die flächendeckende Einführung der Biomülltonne dringend notwendig“, sagt der Oberschweinbacher. Seit die Freien Wähler vor sieben Jahren einen Antrag zur Einführung der Biotonne und zum Bau einer Biogasanlage gestellt hätten werde diese Technik von bestimmten Leuten verhindert. „Was hier im Landkreis läuft, ist in der Tat ein Boykott gegen die Energiewende und den Klimaschutz“, sagt Seemüller. 

Das sagt der Abfallwirtschaftsbetrieb

Diesem Vorwurf tritt der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) aber entschieden entgegen. Demnach verwerte der AWB die gesammelten Bioabfälle – insbesondere Küchen- und Speisenreste – seit vielen Jahren in Vergärungsanlagen, derzeit im niederbayerischen Volkenschwand. Gartenabfälle würden im Landkreis in Egg kompostiert und dann insbesondere in der Landwirtschaft eingesetzt. Ein Gutachter habe die Effektivität des Vorgehens in ökobilianzieller Hinsicht bestätigt. Ein Vergleich mit Braunkohlekraftwerken sei indessen nicht geeignet, da lediglich elektrische Wirkungsgrade verglichen würden. 

Energiewendeverein unterstützt Forderung nach Biotonne

Dieser sei bei einem Abfallheizkraftwerk geringer, da die ungleich bessere Abgasreinigung im Vergleich zu einem Braunkohlekraftwerk einen höheren Eigenstromverbrauch zur Folge hätte. Ziel des AWB sei es, den Anteil organischer Abfälle aus dem Restmüll weiter zu senken. Deshalb werden ab kommenden Jahr allen Haushalten Bioabfallsäcke zur Verfügung gestellt – auch solchen, die ihre Abfälle selbst kompostieren. Der Bonus für Eigenkompostierer entfällt dann, die Gebühren bleiben für sie aber gleich. Für Teilnehmer an der Biomüllsammlung würden sie entsprechend geringer. Der Energiewendeverein Ziel 21 unterstützt indessen die Forderung der Initiative. „Das Potenzial ist unbestritten“, sagt der Vorsitzende Gottfried Obermair. „Man muss es nur angehen.“ Im Landkreis werde viel geredet, „man sieht aber keine Bewegung“. Ähnlich sieht das auch Eugenie Scherb vom Bund Naturschutz: „Andere Landkreise wie Aichach-Friedberg, Augsburg, Landsberg oder die Stadt München haben die Müllvergärung realisiert, aber in Fürstenfeldbruck bewegt sich nichts.“ Obermair kündigte an, in seiner Funktion als Kreisrat politisch mehr Druck ausüben. 

Andreas Daschner

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