Eine Anlaufstelle für Frauen schaffen

Weltfrauentag am 8. März: Der Verein Frauen helfen Frauen Fürstenfeldbruck geht neue Wege beim Schutz von Frauen und Kindern gegen häusliche Gewalt

Vier Damen stehen vor der Baustelle des neuen Frauenhauses in Germering.
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Das Max-und-Gabriele-Strobl-Haus wird ab 2022 sowohl ein Hospiz, als auch das neue Frauenhaus und Sozialwohnungen beheimaten.
  • vonMaximilian Geiger
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Germering – In Germering entsteht ein neues Frauenhaus, das ab 2022 das seit 30 Jahren bestehende Frauenhaus ersetzen wird. Schon viele Jahrzehnte ist der Verein Frauen helfen Frauen Fürstenfeldbruck der Trägerverein für Frauenunterstützungseinrichtungen im Landkreis – dazu gehören das Frauenhaus, der Frauennotruf, die Frauenberatungsstelle und die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt.

Die in Germering für Jedermann und -frau sichtbare Baustelle des Max-und-Gabriele-Strobl-Hauses wird sowohl ein Hospiz, als auch das neue Frauenhaus, als auch Sozialwohnungen beheimaten. Bauträger ist die Germeringer Sozialstiftung, die auch Eigentümer des gesamten Gebäudekomplexes bleiben wird, berichtet Martina Nitsch, Projektkoordinatorin des neuen Frauenhauses. „Allerdings hat die Sozialstiftung nichts mit der Trägerschaft der Einrichtungen im Gebäude zu tun. Das Frauenhaus wird weiterhin vom Verein Frauen helfen Frauen betrieben“, erklärt Nitsch weiter.

Integration anstatt Anonymität

„Nachdem viel Öffentlichkeit hergestellt wurde bezüglich des Standortes des neuen Frauenhauses, ist klar, dass in Germering etwas wirklich Neues entsteht“, so die Diplom Sozialpädagogin. Ein Fakt sei Nitsch dabei besonders wichtig, nämlich dass das Frauenhaus ein Haus mit offener Adresse sei, dass nicht Anonymität zum Schutz der Frauen nutzt, sondern es den Frauen ermöglichen soll, ihren Platz inmitten der Gesellschaft einzunehmen. Im Vordergrund stehe dabei, dass das Verstecken ein Ende haben soll. Der Schutz der Frauen und Kinder werde gewährleistet über bauliche Sicherheitsmaßnahmen wie Videoüberwachung, Eingangsschleuse, Transpondersystem für die Türen, speziell gesicherte Fenster, aber auch über eine direkte Verbindung zu einem privaten Sicherheitsdienst und die enge Kooperation mit der Polizei. Intern werde es im Frauenhaus ein Sicherheitskonzept geben, bei dem über ein Risikoscreening die Bedrohungslage erfasst wird und je nach Erfordernis gesetzlich vorgesehene Maßnahmen wie Kontakt- und Näherungsverbot oder Gefährderansprache durch die Polizei umgesetzt werden. Ein wesentlicher Bestandteil des Sicherheitskonzepts wird es auch sein, dass die Menschen in der Nachbarschaft wissen werden, dass hier Frauen leben, die des Schutzes der Gesellschaft bedürfen und die das Frauenhaus offen und aufmerksam dabei unterstützen werden, den Frauen einen sicheren Ort anzubieten.

Erarbeitung eines selbstbestimmten Lebens

Ein Frauenhaus als bekannter Ort wirkt sich, auch laut Berichten aus anderen Frauenhäusern, die schon mit offener Adresse arbeiten, positiv auf Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung der Frauen aus, erklärt Nitsch. Die Frauen erhalten Hilfe dabei ihre Ressourcen zu entdecken und zu nutzen und es wird eine neue selbstbestimmte Lebensweise erarbeitet. Auch hier ermöglicht die offene Adresse die Erschließung zahlreicher Unterstützungsmöglichkeiten.

Eine genaue Umfeldanalyse wird neuer Bestandteil des Hilfekonzepts sein. „Es gilt herauszufinden, wer aus der Familie oder dem Bekanntenkreis noch helfen kann, die Frau und die Kinder zu unterstützen auf ihrem neuen selbstbestimmten Lebensweg. Aus der Isolation heraus ist Veränderung oft nur schwer möglich und als zusätzliche Erschwernis ergibt sich häufig, dass die Frau sich schämt, offen mit der erlebten Gewalt umzugehen, unter vertrauten Menschen darüber zu sprechen und Hilfe anzunehmen“, sagt die Sozialpädagogin.

Weiterhin sei geplant, dass wenn die Frau es wünscht, Kontakt mit dem gewalttätigen Partner aufgenommen werden kann, damit etwa darüber gesprochen wird, wie die Gewalt dauerhaft überwunden werden kann, wenn die Frau sich nicht trennen möchte. „Viele Frauen möchten die Gewalt beenden, aber nicht die Beziehung“, erklärt Nitsch die oftmals prekäre Lage. Oftmals seien Kinder mit im Frauenhaus und es sei daher sinnvoll, dass die Eltern darüber sprechen, was die Kinder von ihnen brauchen und wie der Umgang gestaltet werden soll.

Besondere Unterstützung für Kinder

Der Stärkungsaspekt des Frauenhaus-Konzepts bezieht sich auch auf die Kinder der Bewohnerinnen. Kinder aus Gewaltbeziehungen brauchen besondere Unterstützung um das Erlebte verarbeiten zu können. „Auch sie brauchen neue Perspektiven und Hilfe dabei, ihre Ressourcen nutzen zu können“, so Nitsch. Sie sollen erleben, dass sie im Frauenhaus als eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Wünschen angenommen werden. Sie sollen neue Erfahrungen machen können und auch ihnen hilft die offene Adresse, denn so haben sie keinen Geheimhaltungsdruck mehr, können offen sagen, dass sie in einem Frauenhaus sind und aus welchem Grund, können Freunde einladen und auch wichtige Bezugspersonen aus der Familie weiterhin sehen.

„Alle Mitarbeiterinnen des Frauenhauses freuen sich darüber, dass sich die Sozialstiftung Germering, das Landratsamt Fürstenfeldbruck, das bayerische Sozialministerium und der Verein Frauen helfen Frauen entschlossen haben, dieses wichtige und wegweisende Projekt zu unterstützen und zu fördern. Ein Frauenhaus kann keine abgeschottete Blackbox sein, es muss mit den anderen Institutionen kooperieren und gemeinsam mit sozialen Einrichtungen, Justiz und Gesundheitswesen neue Wege aus der Gewalt entwickeln und verfestigen“, sagt die Projektkoordinatorin.

Frauenhaus und Hospiz werden in Germering allein durch die zentrale Lage ihren Platz inmitten der Gesellschaft einnehmen und damit zur einer stärkeren Bewusstwerdung der Themen Gewalt, Tod und vor allem Menschenwürde beitragen. In diesem Sinne wollen die Verantwortlichen auch darauf hinweisen, dass der Verein Frauen helfen Frauen einen Eigenanteil von zehn Prozent für alle finanziellen Aufwendung zu leisten hat, weshalb der gemeinnützige Verein auf Spenden angewiesen ist. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite www.fhf-ffb.de/spenden/.

red

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