Es soll nicht weitere 20 Jahre verstauben

Verein "Die Gröbenhüter" setzt sich weiter für altes Wandrelief ein

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Johann Böhmer, Kunsthistorikerin Claudia Kapsner, Lydia Schubert, Werner Urban und Rudi Ulrich streben gemeinsam die Wiederverwendung des Reliefs an.

Das Bildnis eines Schafhirten, der inmitten seiner Herde verweilt und von seinem wachsamen Hund beobachtet wird, ist nur eine der zwölf Szenen, die sich auf einem über drei Meter hohen Holzrelief verteilen. Alle detailliert ausgearbeiteten Einzelmotive gehen ineinander über und zeigen die Entstehung und Entwicklung von Gröbenzell. Die Bilderreihen, genannt „Die Siedler“, ist das kreative Werk des Holzbildhauermeisters Arno Visino und schmückte bis 1988 das Sparkassengebäude.

Für den Neubau wurde das Relief allerdings nicht eingeplant, deshalb verschenkte die Sparkasse Fürstenfeldbruck die zusammengeleimten Tafeln an die Gemeinde Gröbenzell. Seitdem befindet sich das Werk des 2016 verstorbenen Künstlers im Bauhof. Nach 20 Jahren Einlagerung könnte die Abbildung der Siedlungsgeschichte Gröbenzells nun eigentlich genutzt werden, um in den Räumlichkeiten des neu geplanten Rathauses platziert zu werden. Das hoffte jedenfalls sowohl der historische Verein „Die Gröbenhüter“ als auch die Witwe Lise-Lotte Visino. „Die Ortsgeschichte, die das Kunstwerk zeigt, muss man der Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt Rudi Ulrich, Erster Vorsitzender des Vereins „Die Gröbenhüter“. Deshalb versuchen die Mitglieder seit Jahren den Gemeinderat davon zu überzeugen, dass 1965 entstandene Relief endlich aus dem Bauhof herauszuholen und wiederzuverwenden. 

Gröbenhüter suchen Platz im Rathaus für Kunstwerk

Zum ersten Mal gescheitert ist das Vorhaben im Juli 2017. Der historische Verein hatte damals gehofft, dass die Bilderreihe ihren Platz im Sitzungssaal des neuen Rathauses finden würde. Zuerst wurde die Absage damit begründet, dass aufgrund einer Wandheizung der Platz für das etwa 3,50 Meter hohe und 5,30 Meter breite Kunstwerk nicht ausreichen würde. „Später wurde uns mitgeteilt, dass es technisch gelöst werden könnte, es würde aber stilistisch nicht gehen“, erzählt Vereinsmitglied Johann Böhmer. Trotz des „vergeblichen Anlaufs“, wie Böhmer den ersten Versuch umschreibt, versucht der Verein nun erneut, einen geeigneten Platz für das Holzrelief zu finden. 

 Gröbenzell älter als die Gemeindegründung

„Es musst nicht unbedingt der Sitzungssaal sein, es gäbe auch die Möglichkeit es im Foyer oder im Landschaftspark vor dem Rathaus in einer Vitrine zu platzieren“, schlägt Kunsthistorikerin Claudia Kapsner vor, die den Verein dazu anstieß, einen wiederholten Versuch zu wagen. Die Gröbenzellerin gab nicht nur den Anstoß, sie verfasste auch eine Stellungnahme zu Visinos Wandrelief, in der sie die einzelnen Bildnisse beschreibt. Neben dem Wunsch des Vereins, dass die Gröbenzeller wieder an der Bilderreihe teilhaben können, führen die Mitglieder vor allem das Argument an, dass Gröbenzell im nächsten Jahr 450 Jahre alt wird. Diese Zeitspanne wird ebenfalls auf dem Wandrelief thematisiert, denn das erste Bildnis zeigt einen Fuhrmann an einer Zollschranke, während er gerade einem Zöllner den Wegzoll überreicht. Im Hintergrund ist ein Hinweisschild mit dem Vermerk „Gröbenzoll“ zu erkennen. Diese Zollstation wurde um 1570 errichtet. Somit beginnt die Geschichte Gröbenzells wesentlich früher und nicht erst mit der Gemeindegründung 1952. 

Vereinsmitglieder wollen nicht locker lassen

Den Antrag hat der Verein bereits am 23. April gestellt, seitdem gab es allerdings keine Rückmeldung. Dennoch bleiben sowohl die Vereinsmitglieder, aber auch Kunsthistorikerin Kapsner weiterhin optimistisch. „Wir lassen nicht locker, das Kunstwerk soll nicht noch einmal 20 Jahre verstauben“, betont Ulrich.

Julia Huß

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