Verein widmet sich dem Mittelalter - Die Ruggensteiner kommen

Barbara Bihler-Popp, Steuerfachgehilfin und nebenbei auch in der Olchinger Bäckerei ihres Bruders Josef Bihler in der Daxer Straße tätig, hat ein zweites Leben: Als Gesindemagd oder Burgfräulein in weit zurückliegenden Jahrhunderten. Das Mittelalter hat es allen in der großen „Ruggensteiner“-Mitmachfamilie angetan, Eltern, Kindern und auch Älteren.

Auf ihren ganz modernen Webseiten heißen „Die Ruggensteiner“ - in datenbedingter Abänderung zum noch heute bestehenden Staatsgut Roggenstein - alle Interessenten herzlich willkommen und liefern dazu noch freundliche Ansichten ihrer überwiegend jungen Gefolgschaft. In einem geschichtlichen Rückblick nehmen sie Bezug auf ihre Namensgeber mit Burg, die hier ab 1317 als Besitzer der Veste urkundlich wurden: Küchenmeister Engelmar und seine Frau Agnes von Gegenpoint, die mit der Burg wohl ihr Heiratsgut in die Ehe einbrachte. Danach gab es einigen Besitzerwechsel, an dem u.a. auch das Kloster Fürstenfeld beteiligt war. 1803 mit der Säkularisation wanderte der tiefergelegene, aber erhaltengebliebene alte Meierhof in den wittelsbachischen Staatsbesitz, wurde umgehend für 130.000 Gulden an den böhmischen Tuchfabrikanten Leitenberger verhökert und 1816 für 240.000 Gulden von staatswegen zurückerworben. Ein Verlustgeschäft. Heute ist Roggenstein ein staatliches Versuchtsgut von Weihenstephan. Die „Ruggensteiner“ von heute sind seit 2004 auf Burgfesten und historischen Märkten zuhause und bieten Mittelalterlichen Tanz, Historisches Handwerk und Kinderunterhaltung, erleben selbst ‚Lagerleben in allen Facetten“. 2007 und 2008 war man beim Poinger Markt und Turnier „Poingerum“, 2007 in Amerang am Chiemsee beim Schloß-Ritterfest und Eichenauer Weihnachtsmarkt; 2008 beim „Kaiserfest“ zu Füssen sowie beim Mittelaltermarkt zur 1250-Jahrfeier in Mammendorf. Noch größere Anlässe erlebte man 2006 beim Münchner Stadtgründungsfest, 2005 auf Österreichs größten Mittelaltermarkt in Bad Ischl und beim berühmten „Köhlerfest“ im thüringischen Altmeusebach mit geschlossenem Mittelalterdorf , ebenfalls 2005. Barbara Bihler-Popp sieht die Auftritte und das durch den Verein gepflegte Zusammenleben weniger durch die romantische Brille. Es gilt für sie und alle anderen, den Alltag zu erfassen … Wie haben die einfachen Leute und Handwerker unter den damaligen Bedingungen gelebt? Wie haben sie es überhaupt geschafft, unter all den Beschwernissen und Einschränkungen noch ein gutes Leben zu führen? In dem von den „Ruggensteinern“ heute nachgelebten Versuch einer Annäherung, sieht sie für sich lebenswerte Freuden, wenn auch mit Aufwand verbunden. Der besondere Erfolg dabei: Die beteiligten Kinder können sich ausleben. „Marktkinder erkennen untereinander sofort andere Marktkinder. Da entstehen dauerhafte Freundschaften. Und man will sich im nächsten Jahr wiedersehen …“ Es scheint so, als wäre das „Mittelalter heute“ als Erfüllungsraum ganz besonders gut für junge Familien geeignet, denn „die Kinder bewegen sich völlig frei und normal dabei, brauchen den Bach, aber keinen Computer und Playstationen.“ Das soziale Gefüge geht dabei soweit, dass die Kinder viele Eltern haben, denn alle passen irgendwie untereinander auf alle auf. „Die Ruggensteiner“: http://www.ruggensteiner.de oder barbara@bihler-popp.de

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