Vergrämung der Krähen: Ein Gespräch mit Falkner Leo Mandlsperger

Wenn die Plage Überhand nimmt

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Falkner Leo Mandlsperger auf dem Puchheimer Friedhof mit Greifvogeldame Arya
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Falkner Leo Mandlsperger auf dem Puchheimer Friedhof mit Greifvogeldame Arya
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Falkner Leo Mandlsperger auf dem Puchheimer Friedhof mit Greifvogeldame Arya
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Falkner Leo Mandlsperger auf dem Puchheimer Friedhof mit Greifvogeldame Arya
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Falkner Leo Mandlsperger auf dem Puchheimer Friedhof mit Greifvogeldame Arya

Germering / Puchheim – Da vor allem die Bewohner aus Puchheim und Germering von Krähen geplagt werden, wurde nun ein Falkner engagiert. Der Germeringer Anzeiger traf sich nun mit Falkner Leo Mandlsperger um hautnah vor Ort mehr über die Arbeit zur Vergrämung der Krähen mit einem Greifvogel zu erfahren.

Die angenehmen milden Sonnenstrahlen erhellen den Friedhof Schopflach in Puchheim an diesem Januarnachmittag. Dennoch weht auch ein leichter Wind und lässt die kahlen Äste der hohen Bäume inmitten des Friedhofes sanft von rechts nach links schaukeln. Auf einem dieser Äste thront Arya. Aufmerksam beobachten ihre braunen Augen das Geschehen unter ihr. Dabei lässt sich die Bussarddame weder von den Sonnenstrahlen blenden, noch von dem Wind stören. Plötzlich steigt der anmutige Greifvogel mit lautlosen Flügelschlägen in die Luft und folgt einem über den Friedhof schreitenden Mann. Mit schnellen Schritten verlässt dieser den Friedhof, überquert die befahrene Straße und marschiert den Gehweg gegenüber des Friedhofgeländes entlang, den Kopf stets nach oben gerichtet, um den Vogel, der sich auf den Baumwipfeln immer wieder niederlässt, im Blick zu haben. Plötzlich hebt er seinen Arm, seine Hand steckt in einem schweren, braunen Lederhandschuh, und nur Sekunden später landet Arya auf Leo Mandlspergers Arm. „Gut gemacht,“ lobt Leo die einjährige Greifvogeldame. 

Im Landkreis seit 2019 im Einsatz

Leo ist Falkner und seit Oktober 2019 für den Landkreis im Einsatz. Vor allem Puchheim und Germering werden von Saatkrähenkolonien geplagt. In Germering sind der Rathauspark und der Erikapark betroffen. In Puchheim hat es den Krähen besonders der Friedhof angetan. Der Lärm der schwarzen Vögel, der meist schon vor Sonnenaufgang beginnt und erst spät abends wieder endet und die Verunreinigung der Grabsteine und Gehwege durch den herabfallenden Kot macht den Bewohnern zu schaffen. Deshalb wurde bei der Regierung von Oberbayern bereits 2019 für den Brutzeitraum 2020 ein Antrag auf Vergrämungsmaßnahmen gestellt. Der Antrag wurde genehmigt und Leo Mandlsperger kam ins Spiel. Der Falkner, der seit seinem zehnten Lebensjahr mit Greifvögeln arbeitet und sein sechsköpfiges Team versuchen nun, die Krähen zu vergrä- men. Hierfür werden verschiedene Greifvögel, allesamt Wüstenbussarde, eingesetzt. Jeder Vogel hat dabei eine andere Aufgabe, denn manche sollen das Gebiet nur umkreisen, andere beachten die Krähen gar nicht erst und sind einfach nur anwesend und wieder andere haben die Aufgabe die schwarzen Vögel zu verfolgen. „Wir wollen die Krähen verunsichern. Dabei ist wichtig, dass sie unsere Greifvögel nicht einschätzen können,“ erklärt Mandlsperger. Die Krähen sollen lernen, dass der jetzige Platz kein Lebensraum für sie ist, da sie ständig von Greifvö- geln, ihren Feinden, umgeben sind. Doch werden die Krähen schlichtweg verscheucht? „Nein, wir wollen die Krähen nicht ganz vertreiben oder unnötig herumscheuchen. Ziel ist es, sie in ihre angestammten Gebiete auszusiedeln,“ erläutert der Falkner. Denn ursprünglich sind die Krähen im Feldgehölz zu Hause, in den letzten Jahren verschlug es eine Vielzahl jedoch in die Ortschaften, dort fanden sie mehr und leichter Futter. 

Mehrmals täglich Präsenz durch Greifvögel zeigen

Um die Krähen dauerhaft zu verunsichern, müssen die Greifvögel mehrmals täglich Präsenz zeigen. Deshalb setzt Leo nun seinen Weg weiter fort. Plötzlich stoppt ein Radfahrer neben Leo. „Sind Sie der Falkner,“ fragt der Herr neugierig. Lächelnd bejaht Leo diese Frage. „Vielen Dank für Ihre Arbeit, hoffentlich hilft es,“ bedankt sich der Fremde herzlich. Solche Reaktionen kennt der 69-Jährige. Es freut ihn, wenn seine Arbeit gewürdigt wird und er den Menschen helfen kann. „Ich schätze an meiner Arbeit, dass wir nach Lösungen suchen, damit die Krähen einen neuen Platz finden und ich den Menschen dadurch helfen kann. Wichtig ist mir aber auch, dass es meinen Greifvögeln am Ende des Tages gut geht,“ betont der Falkner, während er sanft das braune Federkleid Aryas streichelt. Bis März sind Leo und seine Vögel noch im Einsatz. Danach wird kontrolliert, ob die Krähen sich bereits umorientieren. Eine dauerhafte Vergrämung ist dabei durchaus möglich, kann jedoch drei bis vier Jahre dauern, denn die Tiere brauchen Zeit, um sich umzuorientieren und lassen sich nicht so leicht vergrämen. „Am Ende wollen wir eigentlich nur den schlecht gewählten Platz der Krähen ein wenig korrigieren, damit sie in ihrer neuen Heimat ihre Ruhe finden,“ erklärt Leo, während er im Augenwinkel seine Arya stets im Blick hat. 

Julia Huß

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