Altbürgermeister Erich Pürkner bemängelt, dass das aus den Achtziger Jahren stammende Verkehrskonzept nicht weiterentwickelt wurde 

Wohin mit dem Verkehr in Puchheim? Diskussion mit 60 Bürgern/innen

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Rund 60 Bürgerinnen und Bürger waren zum Vortrag über die Verkehrsplanung in Puchheim gekommen.

Puchheim – Gut 60 interessierte Bürgerinnen und Bürger füllten den Saal zum Thema Verkehrsplanung, zu dem die CSU Puchheim eingeladen hatte. Der als Referent gewonnene Altbürgermeister Erich Pürkner berichtete rund eine Stunde über das zwar schon alte, aus den achtziger Jahren stammende Verkehrskonzept, das aber nach wie vor Gültigkeit hat und bislang nicht weiterentwickelt wurde.

Dieses Thema wurde exemplarisch aus dem Wahlprogramm ausgewählt, weil es das Thema ist, das die Puchheimerinnen und Puchheimer am meisten bewegt. Während die anderen Bewerber-Parteien und -Gruppierungen um das Thema „Verkehr“ herum eiern und sich keine Aussagen machen trauen oder mit Unwahrheiten hantieren – oder ihre Zustimmung zum ersten aufgegriffenen Thema, der einer innerörtlichen Unterführung, einfach nur vergessen haben.

 Erich Pürkner wies zunächst auf den (etwa 30 Jahre alten und noch immer gültigen) Flächennutzungsplan hin. Die Anwesenden zeigten sich überwiegend sehr erstaunt ob der Tatsache, dass die Unterführung Josefstraße-Lußstraße für den innerörtlichen Verkehr seit Anfang der Planungen der Umgehungsstraße eingeplant war und noch immer ist. Eine Abfrage von Dr. Kränzlein (SPD) in der aktuellen Periode, ob für diese Trasse noch der nötige Platz freigehalten werden soll, wurde in vor einigen Jahren übrigens von allen Fraktionen ohne Gegenstimme befürwortet. Pürkner wies zurecht darauf hin, dass Personen zu einem nicht einmal 100 Meter Luftlinie entfernten Ort auf der anderen Bahnseite mit einem Auto einen Umweg von etwa drei bis vier Kilometer zurücklegen müssen. Lediglich auf einem Kilometer ist kein dicht besiedeltes Wohngebiet betroffen. Wohngebiete wie (Obere) Lagerstraße, Nordendstraße, Adenauerstraße und Aubinger Weg werden infolge der fehlenden Trasse unnötig mit Lärm und Abgasen belastet und die Sicherheit und Wohnqualität leide  massiv hierunter. Etwas drastisch, aber nicht ganz zu Unrecht sagte Pürkner, „Die Puchheimer, die das wollen, müssen verrückt sein!“ 

 Die CSU Puchheim wolle  die Bürgerinnen und Bürger und den Verein „Lebensraum Puchheim“, dessen Vorstandschaft ebenfalls zugegen war, von Anfang an in die langwierigen Planungen unmittelbar mit einbinden. Für die Aufnahme von Planungen bedürfe es in einem ersten Schritt einer detaillierter Verkehrszählung, bei der nicht nur die Fahrzeugzahlen gemessen werden, sondern auch der Verlauf der Verkehrsströme mit konkreten Anhaltspunkten überörtlicher Verkehr und Ziel- und Quellverkehr.

 Als zweiten Punkt erläuterte Pürkner die Historie der FFB 11 neu und verwies auf die Bedeutung der Kreisstraße FFB 11 als Bindeglied der Staatsstraßen 2069 (Olching-Eichenau-Puchheim-Ort/B2) und 2345 (Olching-Gröbenzell-Lochhausen). Wie Pürkner berichtete, gab es in den achtziger Jahren Einvernehmen zwischen den Bürgermeistern aus Gröbenzell und Puchheim, dem Münchner Oberbürgermeister und auch dem Landrat. Nach dem Gröbenzell aus dem Abkommen 1986 ausgestiegen ist, sahen auch die Stadt München und der Landkreis Fürstenfeldbruck die Möglichkeit der Realisierung nicht mehr. Dennoch hielt der Landkreis noch viel Jahre Gelder für den Weiterbau im Haushalt bereit. Der Verkehrsfluss der FFB 11 sollte dem Straßenverlauf entsprechend über die Lochhauser und Gröbenzeller Straße eigentlich ins Gröbenzeller Ortszentrum führen. Pürkner  verglich es  mit einem "Einschlag mindestens des Kalibers einer Granate oder einer Bombe", wenn plötzlich über zehntausend Fahrzeuge täglich zusätzlich die Ortsmitte der Nachbargemeinde belasten. Möglich wäre dies, in dem mit Änderung des Bebauungsplans die Lagerstraße zwischen Lochhauser Straße und Lena-Christ-Straße in Gröbenzell vom Verkehr drastisch entlastet werden würde. „Dazu benötige es Mut, Entschlossenheit und eine Portion Gerissenheit“ betonte Pürkner.

 

Im letzten Teil seines Vortrags kritisierte Erich Pürkner den Straßenverlauf der Augsburger Straße in Puchheim-Ort. Hier wurde versäumt, die als Ortsstraße herabgestufte ehemalige B2 mit baulichen Maßnahmen so zu gestalten, dass sie als Schleichweg für den überörtlichen Verkehr unattraktiv wird. Wie auch seitens der CSU-Fraktion schon gefordert wurde, kann mit einfachen gestalterischen Maßnahmen die Unattraktivität der Abkürzung gefördert werden. In der anschließenden Diskussion konnten einerseits Nachfragen aus dem Publikum zum Thema Verkehr durch Erich Pürkner direkt beantwortet werden. Zu weiteren Fragen und Wünschen anderer Themen, wie z.B. den behindertengerechten Zugang zur S-Bahn, Nutzung des stadteigenen Schwimmbads nahm für die CSU Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat Thomas Hofschuster Stellung und berichtete über vom Stadtrat behandelte Maßnahmen. 

Bereits eingangs sprach Landrat Thomas Karmasin als erster Redner über verschiedene Themen, so auch über den Weiterbau der FFB 11. Auch für Karmasin ist die nun fast schon dreißig Jahre bestehende Trasse mit ihrer fehlenden Fortsetzung unbefriedigend. Auch ist er sich im Klaren, dass es so kein Dauerzustand sein solle und äußerte Verständnis für die Unzufriedenheit der Anwohner entlang der jetzigen Straßenführung. Den Traum einer Realisierung ließ er zwar nicht ganz platzen, stellte aber unmissverständlich klar, dass die Bildung absolute Priorität habe  und deshalb zumindest in den nächsten zehn Jahren vom Landkreis kein Geld zur Verfügung stehe, selbst wenn der Weiterbau der Umgehungsstraße auch für ihn folgerichtig  sei. Außerdem müssten sich zuvor alle Beteiligten verlässlich auf ein gemeinsames Ergebnis verständigen und die Weiterführung sinnvoll erfolgen. Angesprochen auf die möglichen Auswirkungen der Süd-West-Umfahrung von Olching erwartet Karmasin nicht die im Raum stehende Zunahme von 5.000 Autos täglich für Puchheim. Allein schon die nicht ausreichende Durchflussmöglichkeit durch die (Puchheimer) Roggensteiner Straße mit Fortführung in die Obere Lagerstraße Richtung Autobahnanschluss Lochhausen oder entlang der Bahnlinie nach Aubing würde zu einem Dauerstau führen. Auch hier könne mit baulichen Maßnahmen und verkehrsrechtlichen Regelungen die Attraktivität deutlich reduziert werden. Ein erster Schritt war die Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 und 40 km/h in den hauptsächlich betroffenen Straßenabschnitten, bei Bedarf setze sich die CSU für weitere Geschwindigkeitssenkungen ein. Eine verstärkte oder dauerhafte Geschwindigkeitsüberwachung des fließenden Verkehrs dürfe nicht tabu sein.

Günter Hoiß

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