Vor Verschrottung gerettet

Auf geht’s mit der Gmeinder Diesellok aus dem Torfabbau zum nächsten Haltepunkt – was die Mitglieder auf die Gleise bringen, gibt es im Felbbahnmuseum zu bestaunen. Fotos: Dieter Schäftlein

Gleich am Bf. mit den aktuellen Geräuschen des Bahnbetriebs ist der Modelleisenbahnclub FFB eV. mit seinem starken Feldbahnmuseum zuhause. Männer und Jugendliche um Vorstand Heinz-Dietmar Ebert zeigten mit Premieren am 8. Juli erneut ihre Fähigkeiten, aus altem, schrottreifen Material eine lebendige Bahnanlage auf die Schmalspurgleise zu bringen.

In aller Kürze der Zeit schmiedeten und schweißten Günter Schindler und Michael Ebert in Handarbeit Weichen zu einer jetzt einsatzfähigen Drehscheibe. Ein älteres Geschenk des Sägewerks Türkenfeld – und der ganze Stolz des Seniors Ebert. Die Weichen hätten industriell nicht präziser gefertigt werden können. Aus dem neuen Drehscheiben-Abbieger ergab sich der Anschluß an drei weitere Schienenpaare und zu einer schon länger beschäftigungslosen Schiebebühne, gestiftet vom Sägebetrieb Jos. Festl in Lindach: „Auch vor der Verschrottung gerettet!“ Auch neu in diesem Komplex die angebaute „Sägehütte“ mit durchgelegtem Gleis, verbunden über eine Handdrehscheibe. In der Hütte eine Stihl-Baumkettensäge von 1934, in nur vier Wochen von der Vereinsjugend „nach Anleitung“ wieder in einen bemerkenswerten Originalzustand versetzt: Eine Gabe des Mammendorfer Sägewerks von Siegfried Schnell. Neben altem Werkzeug wie Gatter-Sägeblätter fühlen sich Besucher auch durch ursprüngliche Beschlagteile an das Aussehen früherer Werkstätten erinnert. Im Fahrbetriebseinsatz sind 14 Dieselloks und eine Akkulok, 91 Wagen (fast alle überholt) und vier Draisinen zur Handbedienung. Eine Gmeinder-Diesellok, hergestellt im badischen Moosbach, war früher im Torfabbau eingesetzt. Zu ihr gehören ein Sitz- und zwei Torfwagen, alle original aufgearbeitet. Aus einem Torfbetrieb in der Nähe von Rostock stammt die Diesellok der LKM/NS2, hergestellt im Babelsberger Lokomotivbau „Karl Marx“ und schon seit 18 Jahren in FFB im Einsatz. 2011 total zerlegt und inzwischen wieder neu zusammengesetzt wurde die ital. Tunnelbau-Akkulok „Valente“ mit zehn Wagen, die schon in Spanien und im Mangfall-Trinkwasserstollen ihren Dienst versahen. Ein Geschenk der Bauunternehmung Bilfinger & Berger. Noch während des Sommerfestes wurde der Schwenkarm des Wasserkrans für Dampfloks – frisch gestrichen und generalüberholt – nach einer Woche Arbeit montiert, zuvor aus dem Bahnbetriebswerk in Augsburg übernommen. Über den Winter 2011/12 hatte sich Michael Ebert intensiv zuhause mit der Rekonstruktion und Fertigung einer Tanksäule mit Licht für Dieselloks befasst. Senior Ebert: „Alles zusammengesuchte Einzelteile. Eine Wahnsinnsarbeit!“ Nebenan auf dem breiteren Normalgleis warten bereits zwei ältere Eisenbahnwagen auf den Arbeitseinsatz in den nächsten Wochen, innen wie außen. Sie sind dann neuer Museumsbestand für Modelleisenbahnanlagen. Und auch die Natur kommt bei allem technischen Bienenfleiß im Gelände nicht zu kurz: Drei Wildbienenvölker – Ebert Senior: „Völlig harmlos und friedlich!“ – haben sich bereits hier niedergelassen. Nahrung finden sie auch an den blühenden Geranien in malerisch aufgehängten Blumenkästen. Aber auch Eidechsen und Fledermäuse haben im Gelände der Hobby-Eisenbahner eine akzeptierte Heimat gefunden.

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