Versorgung der eigenen Bevölkerung

Versorgung in Krisenzeiten: Ernährungsrat fordert Ernährungswende

+
Die Ernährungsräte in Deutschland, darunter auch Fürstenfeldbruck, fordern, mehr auf Regionalität zu setzen, um besser versorgt durch Krisenzeiten zu kommen.

Landkreis - Die deutschen Ernährungsräte fordern zur Coronakrise eine Ernährungswende. Auch der Ernährungsrat für den Landkreis Fürstenfeldbruck hat sich diesem Gremium angeschlossen.

Vietnam hat vergangene Woche den Export von Reis gestoppt, um in diesen unsicheren Zeiten zunächst die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu sichern. Ob weitere Länder folgen, ist bisher noch ungewiss. "Mehr als die Hälfte der Lebensmittel in Deutschland wird importiert. Jetzt zeigt sich, dass es hoch riskant ist, dass wir uns immer mehr auf den Weltmarkt verlassen, und immer weniger regionale Lebensmittel essen", informiert der Ernährungsrat Bruck. Nur zehn Prozent der Angebote im Einzelhandel kämen noch aus der Region, 90 Prozent hängen von der „Just in Time“ Logistik der Großhändler und Importeure ab.

Auf Regionalität setzen

Zahlreiche Ernährungsräte aus dem deutschsprachigen Raum fordern deshalb den Aufbau eines krisensicheren Ernährungssystems: Versorgungssicherheit in Zeiten der Corona-Krise durch regionale und ressourcenschonende Landwirtschaft.

"In der Krise treten die Schwachpunkte des derzeitigen Ernährungssystems deutlich hervor. Globale Produktions- und Lieferstrukturen sind anfällig für Störungen. Ein Vulkanausbruch in Island, der den Flugverkehr lahmlegt, kann ebenso wie eine Pandemie oder ein Handelskonflikt die Lieferketten unterbrechen", zeichnet der Ernährungsrat mögliche Szenarien auf.

Viele Gründe für einen Wandel

Gleichzeitig bestünden bereits gravierende Krisen, die ebenfalls einen drastischen Wandel in der Art wie wir Lebensmittel produzieren und konsumieren erforderlich machen: "Die Klimakrise, das Artensterben, der zu hohe Einsatz von Antibiotika, Pestiziden und künstlichen Düngemitteln in der Landwirtschaft, die großflächige Zerstörung von Lebensräumen wie Regenwäldern zum Anbau von Futtermitteln sowie der Verlust an Bodenfruchtbarkeit und Wasserreserven nehmen zu und stellen eine noch ungleich größere Bedrohung für die Lebensmittelerzeugung dar, als die aktuelle Corona-Krise!, zählt Michaela Bock vom Ernährungsrat FFB auf. Nicht zuletzt gehören laut Bock ernährungsbedingte Krankheiten zu den größten Belastungen der Gesundheitssysteme in Deutschland und weltweit.

Für mehr Resilienz in Krisensituationen

"Eine stärkere Versorgung aus regionalem und ökologischem Anbau und gemeinschaftlich getragene Versorgungsstrukturen in der Region könnten mehr Resilienz in Krisensituationen schaffen und durch lokale Wertschöpfung Wirtschaftsbetriebe vor Ort stärken", so die Vorstellung der Ernährungsräte. Diese Formen der Landwirtschaft gelte es jetzt zu unterstützen. Wenn zurzeit die großen Rettungspakete geschnürt werden, dann dürfe die Frage der sicheren Ernährung nicht unter den Tisch fallen.

Daher fordern die Ernährungsräte: "Ernährungswende jetzt!"

red

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare