Hacker Angriffe auf Verwaltung

Digitale Aufrüstung im Rathaus

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Die Stadtverwaltung gerät immer mehr ins Visier von Hackern.

Viren, Trojaner, Erpressersoftware – die Bedrohungen aus dem Internet machen auch vor der Stadtverwaltung nicht halt. Die Zahl infizierter E-Mails hat sich drastisch erhöht. Nun soll ein speziell auf Kommunen zugeschnittenes Sicherheitssystem sowie ein hauptamtlicher Informationssicherheitsbeauftragter die Stadt vor virtuellen Attacken aus dem Cyber-Space besser schützen.

Fürstenfeldbruck – „Die Bedrohungslage durch Viren und Erpressungstrojaner ist extrem angestiegen“, das stellt Michael Fischer, IT-Leiter der Stadt Fürstenfeldbruck, gleich zu Beginn der Beschlussvorlage für den Haupt- und Finanzausschuss fest. Die Verwaltung gerät immer mehr ins Visier von Hackern und Cyber-Kriminellen, wobei die Abwehr immer aufwendiger wird.

2.000 schadhafte E-Mails allein im Dezember

Fischer, seit Oktober 2016 in Personalunion auch Informationssicherheitsbeauftragter (ISB) der Stadt, belegt dies mit eindrucksvollen Zahlen: Allein im Dezember hat die Stadtverwaltung knapp 490.000 E-Mails erhalten, wovon lediglich 10.000 für Mitarbeiter der Stadt und des Veranstaltungsforums bestimmt waren. Alle anderen wurden durch die E-Mailfilter als Werbung und Spam definiert und aussortiert. Vor der Weiterleitung wurden bei einer ersten Analyse fast 2.000 als schadhaft erkannt und nicht weiterverarbeitet. Eine zusätzliche Überprüfung ergab, dass vom Rest immer noch 76 E-Mails mit einem Virus behaftet waren.

Massive Attackierung der Stadt mit infizierten Anhängen

Im November 2016 wurde die Stadt gar massiv mit infizierten ZIP-Anhängen attackiert. Gehen normalerweise monatlich um die 50 E-Mails ein, denen derart komprimierte Dateien beigefügt sind, waren es in diesem Zeitraum fast 3.500 - laut Fischer eindeutige Anzeichen eines gezielten Angriffs auf die Computersysteme der Stadt. „Eine einzige schadhafte E-Mail reicht aus, um den Betrieb der Stadtverwaltung lahmzulegen“, warnt Fischer, „wir müssen der wachsenden Bedrohung entgegentreten.“ Als Beispiel nannte er Dettelbach. Die unterfränkische Kleinstadt zahlte 490 Euro „Lösegeld“ in der Internet-Währung Bitcoin, da sie zwei Tage lang keinen Zugriff mehr auf ihr System hatte, nachdem Hacker Trojaner installierten, die sämtliche Daten verschlüsselten.

Entwicklung eines speziellen Informationssicherheitsmanagementsystems

Auch die Landesregierung hat auf diese Art von Bedrohungen reagiert. Im Bayerischen E-Government-Gesetz werden die Kommunen angewiesen, die Sicherheit der informationstechnischen Systeme der Behörden zu gewährleisten. Hierzu wurde speziell für Kommunen mit bis zu 500 Mitarbeitern ein spezielles Informationssicherheitsmanagementsystem in zwölf Schritten entwickelt.

Anfallende Kosten

Die Kosten hierfür belaufen sich auf etwa 30.000 Euro, die Hälfte davon übernimmt der Freistaat. Zusätzlich muss noch in Personal investiert werden. So soll für den ISB eine eigene Stelle geschaffen werden, die dem Oberbürgermeister direkt unterstellt ist. Für Fischer heißt das, dass er seiner bisherigen Tätigkeit als IT-Leiter der Stadt nicht mehr nachgehen kann. Zum einen ist die Funktion des ISB personell von der des Sachgebietsleiters für Informationsverarbeitung zu trennen, da der ISB eine Kontrollfunktion gegenüber diesem ausübt, zum anderen findet Fischer schlichtweg keine Zeit mehr, beide Aufgaben zu übernehmen.

Schlusswort von Oberbürgermeister Erich Raff

Dass dies „keine billige Angelegenheit wird“, wie OB Erich Raff (CSU) zum Ende der Sitzung anmerkte, ist parteiübergreifend allen Ausschussmitgliedern klar. Aber wenn man sich den Fall Dettelbach vor Augen führe und auf Fürstenfeldbruck umrechne, was es bedeutet, wenn das Rathaus zwei Tage lang lahmgelegt ist und nicht gearbeitet werden kann, so Raff weiter, habe man gar keine andere Wahl, als in die Sicherheit zu investieren. 

Peter Fischer

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