Bürgermeister Hans Seidl regte in einem Brief an Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet eine "Nachrüstung" an den S-Bahnhöfen an

Maisachs Bürgermeister für mehr Video-Überwachung

+
Trügerische Sicherheit? Video-Kameras. 

Maisach – Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) will die S-Bahnhöfe in seiner Gemeinde Maisach, Malching und Gernlinden mit Video-Überwachungskamera sicherer machen. In einem Schreiben vom 29. Dezember an den Landtagsvizepräsidenten Reinhold Bocklet (CSU) regte Seidl die Nachrüstung an. „Meine Anfrage habe ich nicht aufgrund der Vorfälle am Silvesterabend gestellt, sondern wie aus dem Datum ersichtlich, bereits vorher“, erklärte Seidl.

Das Schreiben habe durch diese sexuellen Gewaltexzesse in einigen deutschen Großstädten, vornehmlich in Köln, zufällig aktuelle Brisanz erhalten. Der Maisacher Rathauschef will mit der Kameraüberwachung erreichen, dass die S-Bahnhöfe in seiner Gemeinde vor Vandalismus geschützt werden. Ständig seien die Liftanlagen auf den S-Bahnhöfen in Maisach und Gernlinden, die eine Barrierefreiheit garantieren sollen, durch Zerstörungswut außer Betrieb. Eine Videoüberwachung würde die Ermittlungsarbeit nach den Tätern wesentlich erleichtern. „Natürlich wird dadurch zugleich auch mehr Sicherheit geschaffen“, so Seidl. Durch eine Videoüberwachung würde für die Fahrgäste, die spät in der Nacht, womöglich allein aus der S-Bahn steigen, generell das Sicherheitsempfinden erhöht.

Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) regt eine Nachrüstung mit Video-Überwachung an den umliegenden Bahnhöfen an.

 Allein durch das Vorhandensein von Videokameras würde eine gewisse Abschreckung entstehen, glaubt Seidl.  Der Gemeinderat habe im Juli/September des vergangenen Jahres auf Initiative der CSU bereits einen Vorstoß hinsichtlich einer Installation von Videoüberwachungskameras auf den S-Bahnhöfen unternommen, berichtete Seidl. Nachdem auf die Gemeinde dabei Kosten von 50.000 Euro zukommen würden, habe man das Ansinnen jedoch erst einmal zurückgestellt. Da sich die Bahnhöfe auf hoheitlichem Gebiet der Gemeinde befinden, muss sich die Gemeinde an den Kosten beteiligen, so lautete die von Landtagsvizepräsident Bocklet inzwischen bei Seidl eingegangene Antwort.

Der Rathauschef will nun versuchen, vom MVV und vom Freistaat einen Zuschuss aus dem Topf „barrierefreier Ausbau der Bahnhöfe“ zu bekommen. Die Bahn müsse letztlich die Barrierefreiheit garantieren und dazu zählen funktionierende Aufzüge. „Letztlich macht aber eine Videoüberwachung nur Sinn, wenn sie auf allen S-Bahnhöfen vorhanden ist“, erinnerte Seidl an das Vorkommnis am 2. Januar, als die Polizei wegen einer Bombendrohung gegen den Münchner Hauptbahnhof einen Zug in Mammendorf stoppte und erfolglos nach dem Täter durchsuchte. Der hatte sich längst aus dem Staub gemacht. Eine Möglichkeit über eine Videoaufzeichnung den Mammendorfer Bahnhof zu beobachten, bestand nicht.

Es werden immer mehr Überwachungs-Kameras in U-Bahnen, Zügen und auf Bahnhöfen installiert. Viele Menschen finden sie inzwischen selbstverständlich, nehmen sie kaum noch wahr. Vor ein paar Jahren wurde noch heftig über das Für und Wider diskutiert. Nun, nach den Vorfällen in der Silvesternacht in einigen deutschen Großstädten herrscht weitgehend Konsens: Kameras helfen, Verbrechen aufzuklären. Eine aktuelle Infratest-Umfrage ergab: neun von zehn Frauen in Deutschland wollen mehr Video-Überwachung.

 Die Realität sieht allerdings wesentlich ernüchternder aus. Im gesamten MVV-Bereich sind in 253 S-Bahnzügen 3.988 Überwachungskameras installiert, und von den 150 S-Bahnhöfen sind gerade einmal 58 Stationen mit 582 Überwachungskameras ausgerüstet. 

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV)  ist nicht in eine Videoüberwachung involviert:  Vielmehr überwachen Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) die Videoaufzeichnungen an Rechnern und geben Verdächtiges an die Bundespolizei weiter, ansonsten wird das Videomaterial nach 48 Stunden überschrieben.  Die Auswertung und Ermittlungen obliegen ausschließlich der Bundespolizei. Auch werde grundsätzlich nur das Gelände der DB überwacht. Die Überwachung von städtischem oder kommunalem Gebiet fällt hingegen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Bahn.

 Letztlich stellt es sich als ein Trugschluss heraus, zu glauben, Videokameras würden mehr Sicherheit bedeuten.  Bei Alkohol-/Sexualdelikten oder bei Raubüberfällen entscheiden Sekunden. Die Aufnahmen aus der Überwachungskamera helfen dem Opfer vor Ort wenig, sondern sie sind – wie auch Innenminister Joachim Herrmann festgestellt hat – eigentlich nur nützlich für die Fahndung nach dem Täter oder den Tätern bzw. zur  Sicherungen von Beweisen. Auch heuer bieten die „Aktion Münchner Fahrgäste“ mit dem Polizeipräsidium München und der Bundespolizeiinspektion München kostenlose Kurse für Zivilcourage und Verhaltenstraining im Verkehrszentrum des Deutschen Museums auf der Schwanthalerhöhe an. Alle Termine und die Anmeldung findet man auf www.fahrgaeste.de oder unter 089/203550.

Dieter Metzler

Auch interessant

Meistgelesen

Mit Picknickkorb zum Kloster
Mit Picknickkorb zum Kloster
Ballenpresse fängt Feuer
Ballenpresse fängt Feuer
Kran durchbricht Fenster und schüttet Beton in Wohnung
Kran durchbricht Fenster und schüttet Beton in Wohnung
Grundschüler ernten und kochen gemeinsam
Grundschüler ernten und kochen gemeinsam

Kommentare