Frauen mit der Pfeife

Vier Schiedsrichterinnen erzählen von ihrer Männerdominierten Fußball-Welt

Dr. Kristina Steckermeier weist Florian Hönisch in die Schranken.
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Dr. Kristina Steckermeier (SV Kläham) weist den damaligen Spielertrainer des SC Oberweikertshofen, Florian Hönisch, in die Schranken.

Landkreis – Gerade einmal drei Prozent aller deutschen Schiedsrichter sind weiblich. Auch in der regionalen Schiedsrichtergruppe Ammersee gibt unter den 213 Schiedsrichtern nur vier Frauen, wie Obmann Christian Erdle (Aufkirchen) bestätigt. Das sind gerade einmal 1,88 Prozent. „Ich denke, dass der Schiedsrichter ein Einzelkämpfer in einer rauen männerdominierten Sportart ist. Das könnte doch einige abschrecken“, meint Erdle dazu.

Catlyn Franke vom SC Gröbenzell

Catlyn Franke vom SC Gröbenzell.

„Ich habe im Rahmen der C-Trainerlizenz die Schiri-Prüfung abgelegt“, berichtet Catlyn Franke vom SC Gröbenzell, „und es macht mir großen Spaß.“ Die 22-Jährige spielt aktiv Fußball beim FFC Wacker München und ist Trainerin in ihrem Heimatverein. Eingesetzt werde sie im Jugendbereich von der D- bis A-Jugend sowie bei den Frauen. „Als Spielerin hadere ich häufig selbst mit den Schiris“, gesteht sie ein. „Doch wenn man selbst pfeift, bringt man mehr Verständnis auf“, sagt sie.

„Der nötige Respekt wurde mir immer entgegengebracht“, sagt Franke. Sie hat aber auch einige kritische Situationen erlebt. Nach einem Pressschlag stürmte beispielsweise der Trainer auf den Platz und nahm seine komplette Mannschaft vom Feld, als sie nur Schiri-Ball gab. Auch ein Spielabbruch gehört bereits zu ihren Erfahrungen. Dabei habe sie aber viel Unterstützung von den Trainern und den Spielführern erhalten. Die Angelegenheit landete vorm Sportgericht, und sie musste zum ersten Mal einen Bericht zu den Vorfällen abgeben. Franke glaubt, dass man als Frau häufig einen Bonus erhält auf dem Platz.

Sandra Billard vom TSV Herrsching

Sandra Billard vom TSV Herrsching

Die 29-jährige Sandra Billard pfeift seit zwei Jahren für den TSV Herrsching. Auch sie machte den Schiri-Schein wegen ihrer Trainerlizenz. „Ich habe aber mit jedem Spiel mehr Spaß am Pfeifen“, sagt die im TSV-Tor stehende Billard. Hauptsächlich eingesetzt im Jugendbereich findet sie es wichtig, dass die Kinder die Erfahrung mit einem Schiri lernen. „Die Spiele der Kinder werden nicht von offiziellen Schiris geleitet“, bedauert sie. Als Torhüterin habe sich ihre Meinung zu den Schiris komplett geändert. „Früher habe ich oft gemeckert“, sagt sie. „Seitdem ich aber selber pfeife, kann ich als Spielerin jetzt die Entscheidungen besser nachvollziehen.“

„Lustig finde ich, wenn die Trainer ‚Herr Schiedsrichter‘ zu mir ins Spielfeld rufen.“ Durch eine stets souveräne Leistung auf dem Platz habe sie sich den Respekt erarbeitet. „Es gibt Vereine, die wünschen mich sogar als Schiri“, sagt sie nicht ohne Stolz.

Annika Knauf von den Grün-Weißen aus Gröbenzell

Die 17-jährige Annika Knauf von den Grün-Weißen aus Gröbenzell ist die jüngste Schiedsrichterin in der Gruppe. Sie pfeift seit zwei Jahren und hat bisher rund 40 Spiele geleitet. Zum „Pfeifen“ ist sie eher zufällig gekommen, als sie bei Turnieren aushalf und dabei von einem Trainer beobachtet wurde. Die Gymnasiastin, die für die U17 auf Torjagd geht, empfindet das Pfeifen als „angenehmen Ausgleich“ gegenüber dem selber Spielen. „Zudem sammelt man unglaublich viele Erfahrungen“, meint Knauf. „Die Mädels motzen kaum und wenn, dann nicht so schlimm wie die Jungs.“ Viel schlimmer seien die Zuschauer und die Trainer, habe sie festgestellt. Die treten den Fairplay- und Respekt-Gedanken mit Füßen. Zu Beginn ihrer Karriere musste sie zwei prügelnde Jugendspieler mit rot vom Platz schicken. „Das war krass und ich fühlte mich als Unerfahrene ein wenig überfordert.“ Aus dem Vorfall habe sie aber gelernt. „Seitdem gab es bei meinen Spielen weder eine Prügelei noch eine rote Karte.“

Die Spätberufene: Sonja May

Die Spätberufene: Sonja May.

Die 41-jährige Sonja May ist eine Spätberufene. Über ihren Mann Andreas, der beim TSV West Schiri-Obmann ist, und ihren Sohn, ebenfalls Schiri, kam sie zum Pfeifen. „Ich bin mit dem Fußball groß geworden“, sagt die mehrfache Mutter. Sie hat beim SV Puch, TSV West und in ihrer Heimatstadt Berlin selbst gekickt. Außerdem war sie Trainerin beim FC Puchheim und trainiert beim TSV West eine Mädchen-Mannschaft. So kam sie nicht umhin, dass sie häufig ihren Mann mit Regelfragen löcherte.

Zum Pfeifen kam Sonja May aber erst, nachdem sie Schiri-Obmann Erdle in die Hand versprach, einen Neulingskurs zu absolvieren, als sie sich über einen Schiri bei einem Hallenturnier über dessen Leistung echauffierte. Aufgrund der Corona-Pandemie kam Sonja May bisher erst auf drei Spielleitungen. Lob und anerkennende Worte gab es dazu aber von allen Seiten. „Selbst von einem Trainer, dessen Mannschaft hoch verlor, erhielt ich ein „sehr gut gepfiffen, Schiri“, berichtet sie. Und während der Corona-bedingten Auszeit beantwortet sie fleißig Fragebögen, mit denen Lehrwart Wolfgang Klotz (Moorenweis) die Schiris der Gruppe regelmäßig löchert.

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