Stimmkreiskandidaten besuchen Gymnasium

Politik hautnah erleben

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Moderiert von Schülern der Q 12 standen die vier Kandidaten Rede und Antwort.

Obwohl die ersten Abiturprüfungen mit dem Fach Mathematik direkt vor der Tür standen, haben es sich die Schüler der Q 12 des Carl-Spitzweg-Gymnasiums nicht nehmen lassen, am Mittwoch, 25. April, Stimmkreiskandidaten für die bayerische Landtagswahl am 14. Oktober zu einer Podiumsdiskussion in ihre Aula einzuladen. 

Germering - Wie bereits bei der Podiumsdiskussion auf dem Puchheimer Volksfest am 22. April, zeichnete sich auch hier schnell die Mauer zwischen dem CSU Kandidaten Benjamin Miskowitsch und den weiteren Kandidaten Peter Falk (SPD), Hans Friedl (Freie Wähler) und Martin Runge (Bündnis 90/Grünen) ab. Wenn auch das Publikum ein deutlich jüngeres war, waren die Themen ziemlich die gleichen. In den Vordergrund der Diskussion stellten die Schüler das kommende Polizeiaufgabengesetz, die Wohnungsnot, die Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland und die Bildungspolitik Bayerns. Nach einer anfänglichen Vorstellungsrunde durch eigene Schülerpaten, sagten auch die Kandidaten kurz etwas zu ihrer Person. Während sich Runge, Friedl und Falk eher negativ gegenüber den CSU-Politikern Markus Söder und Horst Seehofer und deren Gesetzesankündigungen äußerten, betont Miskowitsch, dass er hier sei, um über die schönen Seiten zu reden. Die Fronten waren an diesem Vormittag schnell geklärt: Gleich zu Beginn der Diskussion ging es heiß her. Ein frischer Wind stellte sich den Politikurgesteinen. 

Hitzige Debatte

Auf die Frage der Notwendigkeit eines Polizeigesetzes äußerte sich vor allem der Grünen-Abgeordnete Runge klar. „Wir haben bereits gegen das Gefährdergesetz geklagt, wir werden auch jetzt wieder Klage einreichen“. Er geht sogar einen Schritt weiter und spricht von „einem Marsch in einen Polizeistaat“. Dem versucht Miskowitsch entgegenzutreten: „Heutzutage gibt es andere Anforderungen, wie den Terror. Durch Gesetze kann man bereits im Vorfeld aktiv werden“. Für die kommenden Nestverlasser ist nun die Wohnungsnot ein großes Thema. Falk äußert sich so, dass es seiner Meinung nach ein selbstständiges Ministerium für den Wohnbau bräuchte. Er wünsche sich mehr herausforderndes Engagement und ein bezahlbares Wohnen für alle. Auch Friedl und Runge stimmen zu, dass mehr vorhandene Baulücken geschlossen und Fehler aus der Vergangenheit behoben werden müssen. Friedl spricht in diesem Zusammenhang von Markus Söder als Ankündigungsministerpräsident, der im Vorfeld des Wahlkampfs große Reden schwinge, diese aber nicht umsetzen würde. Dem pflichten auch die beiden Kandidaten der SPD und der Grünen bei. Miskowitsch kontert, dass Söder den zukünftigen Weg für Bayern aufzeige und die Taten noch Folgen werden, dies gerne mit seiner tatkräftigen Unterstützung. 

Kurz überlegt: Schnellfragerunde

Um die hitzige Atmosphäre etwas aufzulockern folgte eine Schnellfragerunde. Jeder der Kandidaten hat im Vorfeld drei Kärtchen erhalten: Ja, Nein, Enthaltung. Einig sind die Parteimitglieder sich bei der Frage, ob sie mit der AfD koellieren würden. Ein klares Nein von allen Seiten. Auch bei einer eventuellen Großen Koalition ist die Antwort Nein. Positiv sehen die Politiker jedoch die Frage ob sie mit den politischen Gegner gemeinsam einen Kaffee trinken gehen würden. „Haben Sie je eine gute Idee einer anderen Partei abgekupfert“, fragt der Moderator Emil Kafitz die Anwesenden. Nach anfänglichem Zögern geben dies alle zu, außer Hans Friedl, dieser enthält sich lieber seiner Stimme. Weiter ging die Diskussion mit einer Aussage von Horst Seehofer. Dieser sagte kürzlich, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, das wollen die Schüler des CSG nun genauer wissen und wollen von den Kandidaten des Stimmkreises Fürstenfeldbruck-Ost wissen, wie sie zu diesem Thema stehen. Für Hans Friedl ist klar:„Der Islam soll nicht mehr Einfluss erhalten. Eine kulturerhaltende Integration in beide Richtungen ist wichtig. Eine Ostereiersuche oder der Besuch des Nikolaus dürfe nicht verbannt werden“. Für den Mammendorfer Miskowitsch muss sich eine Religionsfreiheit nicht ausschließen. „Der Islam gehört geschichtlich betrachtet zwar nicht zu uns, friedlich lebende Muslime aber natürlich schon.“ Für den zweiten Bürgermeister Gröbenzells, Martin Runge, war die Aussage Seehofers reine Provokation. „Das ist billige, blöde Polemik“, erläutert er weiter. Es müsse eine Trennung zwischen Kirche und Staat her. Das führt die Diskussionsteilnehmer schnell zur Kruzufix-Debatte. Ab dem 1. Juni muss in jeder bayerischen Behörde ein Kreuz hängen, auch in Schulen. „Die hätten nie abgenommen werden dürfen“, schmeißt Friedl ein. Es sei wiedereinmal eine reine Provokation vor dem Wahlkampf. Zudem sei die Wiedereinführung des G 9 ein Anstoß für Seehofer, dass zu revidieren, was Stoiber einst abgeschaffte hatte. Wenn Söder der Ankündigungsministerpräsident sei, dann sei Stoiber der Abschaffungsministerpräsident gewesen, so Friedl weiter. Er sieht seine Partei, die Freien Wähler, als Motor und Ideengeber für die CSU. 

Bildung für Schüler ein wichtiges Thema

Bildung ist für die Schüler ein besonders prägnantes Thema. Benjamin Miskowitsch ist besonders die Digitalisierung wichtig. „Die Entwicklung geht so schnell, da müssen auch die Schulen mithalten“, erklärt er. Für Peter Falk müssen massive Investitionen getätigt werden, kostenlose Kindereinrichtungen und Mittagsbetreuung sei dabei ein Muss. Final angesprochen auf die perfekte Schule, sind sich alle einig: diese gibt es nicht. Jeder Schüler muss die Möglichkeit haben, das Bestmögliche aus seinem Leben zu machen, wie das dann genau aussehe, sei nicht vorhersehbar. „Manche sind Frühzünder, andere eher Spätzünder“, sagte Friedl. Das bestätigen auch die Lebensläufe der Anwesenden, die fast alle unterschiedliche Schulabschlüsse besitzen und dennoch erfolgreich sind. Peter Falk sei es „herzlich unperfekt“ gar am liebsten.

Claudia Becker

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