Alexandra Victoria Schubert (19) aus Puchheim berichtet über ihr Studium an der University of Virginia 

Das Tor zum 100 000-Dollar-Job

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Die Puchheimer Studentin Alexandra Victoria Schubert (19) mit Mitstudentinnen vor dem "Maison Française" der University of Virginia.

Puchheim – Das Studium in den USA hat seinen Preis, wenn man kein Stipendiat ist, aber es eröffnet auch die Chance für einen 100 000 Dollar-Job: Das motiviert auch Alexandra Victoria Schubert (19) aus Puchheim. Die Studentin ist gerade auf Heimaturlaub. Seit dem Abi 2013 in Puchheim studiert die junge Deutsche ihre Wunsch-Fächer Volkswirtschaftslehre und Kognitive Wissenschaften an der University of Virginia und arbeitet zielstrebig auf zwei Bachelor-Abschlüsse hin. Das amerikanische Lebensgefühl ist der jungen Puchheimerin seit ihrem ersten Summer Camp, das sie mit 14 Jahren erlebte, vollkommen vertraut. „Auch an dieser Universität, die Thomas Jefferson gegründet hat, wird man maximal gefördert, ich kenne alle Professoren persönlich.”

 

Alexandra Victoria Schubert (19) aus Puchheim studiert an der University of Virginia VWL und Kognitionswissenschaft.

Bei einem P-Seminar am Gymnasium in Puchheim, das die Boston Consulting Group förderte, wählte Alexandra bereits ein Wirtschaftsthema. Die USA waren Alexandra Schubert von Anfang an vertraut: Durch die Summer Camps, durch Reisen mit ihren Eltern und vor allem durch ihre Mutter, die selbst in den USA studiert hatte, lernte sie schon als Kind die amerikanische Mentalität kennen und schätzen. „Meine Mutter ist mein Vorbild,” berichtet Alexandra. Mit 13 erlebte sie eine Führung von einer Professorin durch die Oregon State University, wo ihre Mutter Home Economics studiert hatte. Ein unvergeßliches Erlebnis. “Schon als kleines Kind wurde ich an den amerikanischen Akzent gewöhnt, denn meine Mutter las mir englische Kinderbücher vor”, erinnert sich Alexandra. Und auch französische, was das Interesse auch an dieser Sprache steigerte. So entschied sich Alexandra auf dem Campus für das “Maison Française”. “Ich bin tri-lingual,” berichtet die junge Frau, die früher sowohl ein bilingual französisches als auch  später ein bilingual englisches Gymnasium besuchte. Im “Maison” spricht man ausschließlich Französisch. Sie bewohnt dieses “language house” mit anderen Studentinnen. Jeden Abend essen sie gemeinsam zu Abend, das Menü kommt von dem Catering-Unternehmen der Universität. Auf dem Campus und im Studium spricht sie Englisch, und hin und wieder auch Deutsch, wenn sie einem Mit-Studenten deutscher Herkunft begegnet. 

Deutsche Wurzeln haben viele Amerikaner, zum Beispiel auch der US-Generalkonsul William E. Moeller in München, dessen Tochter ebenfalls an der University of Virginia immatrikuliert war. Die beiden Familien in München und Puchheim kennen sich. Alexandra Schubert: „Es gibt auch noch ein spanisches, ein russisches, ein italienisches, ein deutsches und ein japanisches Haus.” Und amerikanische Studenten, die die große weite Welt kennenlernen wollen, verbringen derzeit ein Jahr in China, Serbien oder Italien: “Study abroad”.

Dieses Bild zeigt die  "Rotunda". Sie ist das Wahrzeichen der University of Virginia und ist Weltkulturerbe.

 Vieles ist anders als an deutschen Universitäten: „In der Bibliothek darf man essen und trinken,” sagt Alexandra, in Deutschland ist das strikt untersagt. Zu Beginn des Studiums belegt der Student viele verschiedene Kurse zur Orientierung, was die spätere Entscheidung für eine bestimmte Studienrichtung sehr erleichtert. Auch Alexandera entschied sich so, von BWL und Psychologie zu Volkswirtschaftslehre zu wechseln - ihr absolutes Lieblingsfach, außerdem studiert sie Kognitionswissenschaft, was lt. Wikipedia “eine interdisziplinäre Wissenschaft zur Erforschung bewusster und potentiell bewusster Vorgänge” ist – also Sprache und Informationsverarbeitung im Gehirn. Viele berufliche Tätigkeiten erschließen sich dadurch - z.B. an Universitäten in der Forschung, in der Pharmazie, bei Think Tanks usw. 

 

 Alexandra beschäftigt sich sehr intensiv mit ihrem Studium und ist auch schon durch eine eigene Website bekannt. Ohne spezielle Erfahrung hat sie das Portal “EconMedia.de” aufgebaut. Es enthält aktuelle Statistiken und Wirtschaftsdaten “aktuell und kompakt” zur Arbeitslosigkeit, BIP, Börse und mehr. Die Seite wurde innerhalb des letzten Monats über 800 Mal aufgerufen. Alexandra zählt noch einen Vorteil auf: Um jeden Studenten kümmert sich ein persönlicher Betreuer. Viele Professoren arbeiten mit über 70 noch ganz selbstverständlich und erfolgreich in ihrem Beruf. Das sei ganz selbstverständlich, sagt Alexandera. In den USA sei Altersdiskriminierung verpönt. An amerikanischen Universitäten kümmern sich die Professoren wirklich um den wissenschaftlichen Nachwuchs, sie fördern ihre Studenten und  motivieren sie. Alexandera: „Es ist keinesfalls so anonym wie an deutschen Universitäten, wo der einzelne Student keinen seiner Professoren kennt.” In ihrem Fall wurde sie beim Thanksgiving Day sogar in die Familie des Professors eingeladen. Und sie ist bereits Forschungs- und Lehrassistentin sowie im Vorstand von vier Clubs und zusätzlich Mitglied  in einem “Zauberwürfel-Club”, wo die weltweit Besten den Würfel innerhalb von 10 Sekunden wieder in die ursprüngliche Position zurückdrehen. So bleibt zwar noch Zeit für ein Fitness-Training in den fünf Fitness-Studios der University, aber kaum mehr Zeit für einen Mannschaftssport wie Basketball, der an der University of Virginia sehr populär ist. 

Sport - hier Basketball - spielt an US-Universitäten eine wichtige Rolle. 

Den Winter liebt Alexandra natürlich,  weil sie dann wieder den Skisport betreiben kann. Aber auch aus einem anderen Grund: „Der Winter ist in den USA gut zu ertragen, die Wohnungen sind geheizt, man zieht sich warm an. Aber der Sommer hat es in sich: Da muss ich mich wegen der Klimaanlagen noch wärmer anziehen, um eine Erkältung zu vermeiden". Apropos dresscode in den USA: „Auf dem Campus kleiden sich die Studentinnen sehr sportiv, aber niemals sind sie ungeschminkt zu sehen.” Die deutsche Studentin kleidet sich für amerikanische Verhältnisse formeller, dafür verzichtet sie hin und wieder auf das Make-up. Bei einer festlichen Einladung allerdings seien Jeans in den USA ein no go , sagt Alexandra. Die Studentinnen zeigen sich dann am liebsten im Kleid oder mit einer modischen Kombination aus Rock und trendigem Oberteil. 

Und worüber sprechen die Amerikaner am liebsten? Alexandra erklärt, dass in Europa angesagte Themen wie TTIP und die Abhör-Affäre/NSA auf Amerikaner eher befremdlich wirken. „Von TTIP ist nichts zu hören, die Amerikaner kennen den Begriff gar nicht.” Und im übrigen habe sie durch persönliche Gespräche erfahren, wie sehr der Anschlag von 9/11 bei der amerikanischen Bevölkerung nachwirkt: „Als ich mit einer Freundin aus New York Ground Zero besucht habe, zeigte sie mir auf der Gedenktafel die Namen vieler ihrer persönlichen Bekannten”,  Maßnahmen zur Terror-Abwehr durch Geheimdienste seien in den USA deshalb im nationalen Bewusstsein absolut akzeptiert.

In amerikanischen Universitäts-Bibliotheken stehen auch alte und seltene Bücher für das Studium zur Verfügung. Und im Gegensatz zu deutschen Uni-Bibliotheken ist Essen und Trinken erlaubt.

Ihr MacBook mit dem Bayern-Sticker hat die Puchheimerin immer bei sich. Den Laptop haben ihr IT-Fachleute der University installiert mit Studienplänen und Informationsportalen. Die Anschaffungskosten bezahlt der Student. „Aber wenn ich mir einen Kaffee darüber schütten würde, oder wenn der Rechner defekt sein sollte, wird er kostenlos in der Universität repariert". Gespräche mit den Eltern im In - und Ausland führen die Studenten über Skype oder über FaceTime auf dem iPhone, das hier jeder nutzt. 

Auf dem Campus sind zwar keine Sanitäreinrichtungen auf den Zimmern, die man mit einer Mitbewohnerin teilt, aber dafür gibt es separate Duschkabinen und mehrere Schwimmbäder. Sieben mal am Tag kann der Student sich in einer Dining Hall (Mensa) bedienen. Die USA sind ein “beef country”, Pizza und Burger stehen auf dem Campus immer zur Verfügung, allerdings auch Salatbuffets. Bio liegt voll im Trend. Die Buffets mit der veganen oder asiatischen Kost seien allerdings nicht immer verfügbar, berichtet Alexandra: Alte Ernährungsgewohnheiten legt der Durchschnitts-Amerikaner nicht so schnell ab, wie man an dem etwas höheren BMI auf der Straße sehen könne, meint die Puchheimerin. “Freshmen 15” ist eine freundliche Beschreibung für die 15 Pfund Gewichtszunahme, die viele im ersten Semster durch die “All you care to eat” Buffets in den Dining Halls zulegen. 

Heimweh scheint Alexandra fremd zu sein: „Es macht Spaß, alleine zu sein, es ist schön und es macht außerdem Freude, selbständig zu sein,” sagt die 19-jährige. Am Ende ihres vierjährigen Studiums wird sie zwei Bachelor-Abschlüsse haben. Viele internationale Kontakte hat sie heute schon geknüpft. Alexandras Vision ist: „Unsere Kinder spielen einmal zusammen.” Kann sich ein Student oder eine Studentin ein Studium in den USA leisten, wenn die Familie nicht so wohlhabend ist? Alexandra: „Es gibt ein sog. blindes Zulassungsverfahren. Danach überlegen die Professoren der University, wie sie dem jeweiligen Interessenten finanziell helfen können. Sehr gute Stipendien-Möglichkeiten gibt es in den USA übrigens für Sportler". 

Hedwig Spies

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