Thomas Böhner, Krankenpfleger/Rettungssanitäter, Vorsitzender des Vereins "Help Liberia  – Kpon Ma e.V. in Grafrath, ist in großer Sorge wegen Ebola

Das Ebola-Virus breitet sich aus

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Das Foto vom Stand der Hilfsorganisation "Help Liberia - Kpon Ma e.V." mit dem 1. Vorsitzenden Thomas Böhner und Ehefrau, in der Mitte eine junge Besucherin, entstand beim BBV-Sommerfest in FFB.

Fürstenfeldbruck – Das Ebola-Virus breitet sich trotz alle internationaler Bemühungen immer weiter auf dem afrikanischen Kontinent aus: Nach Krankheitsfällen in Liberia und den Nachbarländern Sierra Leone, Guinea und Nigeria wurden  nun auch aus dem Kongo erste Ebola-Tote gemeldet. Ein Patient wird in Hamburg behandelt.  „Es ist eine Katastrophe, die von Tag zu Tag schlimmer wird“, beschreibt Thomas Böhner, Krankenpfleger/ Rettungssanitäter  und  Vorsitzender des Vereins "Help Liberia - Kpon Ma e.V." aus Grafrath die Lage in Liberia. „Jeden Tag kommen zehn bis 15 neue Ebola-Fälle hinzu.“

 Die Zahl der Erkrankten in Liberia ist inzwischen auf über 1.500 angestiegen, über 500 Tote hat die Epidemie bisher gefordert. Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf hat im Land einen 90-tägigen Notstand ausgerufen. Immer noch sind viele Minister und hohe Regierungsbeamte im Ausland, meist USA, wohin sie unter Angaben von geschäftlichen, medizinischen oder sonstigen Gründen vor Ebola geflohen sind. Liberias Präsidentin erklärte, dass ein jeder von ihnen, der nicht binnen einer Woche zurückkehrt, umgehend seines Postens enthoben werde. 

Erst im Frühjahr 2014 war  der im Brucker Krankenhaus beschäftige ausgebildete Krankenpfleger und Rettungssanitäter sowie erste Vorsitzende des Vereins zur Förderung medizinischer Hilfe im ländlichen Gebiet Liberias „Help Liberia – Kpon Ma e. V.“ für sieben Wochen in dem westafrikanischen Land. Auf seiner Homepage veröffentlicht er täglich die neuesten Informationen, „die man sonst nur schwerlich aus den deutschen Medien erfährt.“

Fast jeder Patient in Liberia ist unter fünf Jahre alt. 

 Die kleine Hilfsorganisation mit knapp 40 Mitgliedern, die im Jahre 2009 gegründet wurde, ist die einzige in Deutschland, die sich nur in Liberia engagiert und ausschließlich im medizinischen Bereich. In ganz Liberia gibt es weniger als 60 Ärzte, 50 allein in der Hauptstadt Monrovia. So existiert im ländlichen Gebiet kaum eine ärztliche Versorgung. Es stehen weder Fachkräfte zur Verfügung, noch sind Arzneien zu bekommen, stellte Böhner die Lage dar. Er, der sich schon als kleiner Junge vorgenommen hatte, den Menschen zu helfen, die es am allernötigsten haben, wurde von Cap Anamur 2005 als Entwicklungshelfer nach Liberia geschickt, um die medizinische Versorgung im Hinterland aufzubauen.

 Es existierten fünf kleine Buschkliniken in verschiedenen Entwicklungsstadien. Böhners Aufgabe bestand darin, Personal zu rekrutieren, auszubilden und zu überwachen sowie die Kliniken mit dem entsprechenden Equipment so auszurüsten, dass während ein paar Stunden am Tag die nötigsten Behandlungen möglich waren. Nachdem mit der Präsidentin eine stabile demokratische Regierung die Macht übernahm und Deutschland Liberia die Schulden erließ, verließen die vielen Hilfsorganisationen das Land, mit ihnen Cap Anamur. Doch Thomas Böhner hielt seine vielen Kontakte, die er in dem dreiviertel Jahr seines Aufenthalts geknüpft hatte, aufrecht. „Für mich stand fest, dass ich diesen Menschen weiter helfen muss“, erzählte Böhner, der während seines Aufenthalts seine zweite Ehefrau, kennenlernte, die zu den vielen Patientinnen zählte. 

Die Hebamme Nancy Tweh unterrichtet die ansässige Marie über die besten Methoden bei der Schwangeren-Betreuung.

Auf „kleiner Flamme“ wollte Böhner weiter die Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, medizinisch weiter versorgen. Doch wie? Da die Medikamente in Liberia sehr viel billiger als in Deutschland sind, musste irgendwie sichergestellt werden, wie die Menschen im Busch an die Medikamente kamen. Medikamenten-Transporte aus Deutschland waren viel zu teuer. Allein der Transport würde jedes Mal 3.500 bis 4.500 Euro verschlucken. „Es ist unvorstellbar, wenn eine Familie am Mittwoch einen Tagesmarsch von ihrem Dorf durch die Hitze des Urwalds ihre kranken Kinder trägt, im Ort der Buschklinik übernachtet, um dann am Donnerstag zu erfahren, dass keine Medikamente vorhanden sind“, schilderte Böhner die Situation, die häufig zur Tagesordnung zählte.

Thomas Böhner, Rettungssanitäter und Krankenpfleger mit tropenmedizinischer Zusatzausbildung beim Einsatz in Liberia.

 Böhner mobilisierte seine früheren Mitarbeiter, ebenso seine frühere Medikamentenquelle, einen indischen Apotheker in Monrovia, und Robert, seine rechte Hand während seines Aufenthalts in Liberia. Alle waren bereit, zu helfen. Mit Hilfe des Vereins „Help Liberia – Kpon Ma“ versorgen die Krankenpfleger durch den Aufbau kleiner Apotheken mit einfacher ärztlicher Untersuchungs- und Beratungsmöglichkeiten die Menschen im Busch. Außerdem unterstützt der Verein die kleinen Buschkliniken, die vor dem Krieg die ländliche Bevölkerung medizinisch versorgt haben, sich langsam wieder zu reaktivieren.

 „Ich arbeite elf Monate und spare, damit ich den zwölften Monat nach Liberia fliegen kann“, sagte Böhner, der ansonsten täglich Kontakt zu seinen Helfern in Liberia über das Internet hat. Durch die Mitglieder des Vereins kommen ca. 600 Euro monatlich zusammen, teilte Böhner mit. Alle zwei Monate ordert er Medikamente bei seinem indischen Apotheker in Monrovia, die seine Leute abholen und zu den einfachen Apotheken im Hinterland befördern. Die Bezahlung erfolgt entweder über eine Geldversandfirma, neuerdings gehe es aber auch mit einer Kreditkarte online, berichtete Böhner.

Alexander erklärt die Einnahme der Medikamente.

 Liberia, das Land am westlichsten Horn Afrikas gelegen, war nie Kolonie. Es hat die Größe von Süddeutschland (Bayern plus Baden-Württemberg). In der Hauptstadt Monrovia leben 1,7 Millionen Menschen, weitere zwei Millionen im Busch in Dörfern und Kleinstädten. Das Land wurde vor knapp 200 Jahren durch freigelassene Sklaven aus Nordamerika gegründet (Liberitas = Freiheit). Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte Liberia zu den fortschrittlichsten Ländern Afrikas. Von 1955 bis 1990 herrschte großer Wohlstand in dem Land, nicht zuletzt auch durch den Eisenerz-Abbau der Firma Thyssen-Krupp und durch die weltgrößte Gummibaum-Plantage der US-Unternehmens „Firestone“. Nach einem 14 Jahre währenden Bürgerkrieg zählt das Land zu den ärmsten Ländern der Welt: 85 Prozent Arbeitslosigkeit, eine Lebenserwartung von ca. 45 Jahren, extrem hohe Kindertodesrate durch ein kaum noch existierendes Gesundheitssystem, 50 Prozent Analphabeten. 

Dieter Metzler

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