Vogacher Künstler und Kirchenmaler, der früher als Fassmaler und Vergolder in München arbeitete, schafft mit 83 noch Neues

Konrad Kästle in seinem Vogacher Atelier – mit dem Motiv „Die Musik hat Ruh“, Acryl auf Leinwand. Foto: Günter Schäftlein

In den strengen künstlerischen Maßstäben von Kirchen und Klöstern war der im schwäbischen Wittislingen/Kr. Dillingen geborene Konrad Kästle jahrzehntelang zuhause. Nun hat er Zeit für das freie Malen auf der Staffelei im seit 1971 heimischen Vogach, direkt neben dem kirchlichen Kleinod von St. Johannes/Michael. Besuchern gegenüber sagt er zu seinen neuen, malerischen Versuchen gleich leicht abwehrend: „Das ist noch nicht fertig!“ Naheliegend, im Vergleich zu der beruflich gewohnten Präzision und Perfektion - doch auch umso liebenswürdiger, bescheidener. Vor dem Mittelstettener Ortsteil Vogach war er seit 1949 mit Ehefrau Gisela und den in den 50er Jahren in München geborenen Kindern Peter und Gisela am Sendlinger Tor ansässig: Geheiratet hatte man richtig standesgemäß im barocken Juwel der Asamkirche. Ein Bauwerk, das Kästle auch als Kirchenmaler betreute.

Daneben restaurierte/vergoldete er auch andere Münchner Objekte wie den Bürgersaal in der ehemaligen Michaelskirche, den Alten Peter, die Heiliggeistkirche, die Fassade der Residenz. Zum Bürgersaal standen als Generalüberholung die acht Beich-Gemälde (Landschaften mit Klöstern, Format jeweils 80x400 cm) in den 70er Jahren an, die sämtlich in seinem kleinen Atelier in Vogach bearbeitet wurden. „Mein wertvollster Auftrag." Aber die Transportkosten hierhin waren damals höher als meine Restaurationsrechnung. So eine Ausquartierung wäre heute schon aus Versicherungsgründen undenkbar.“ Kästle schmunzelt in Erinnerung an eine derart unkomplizierte Zeit. Und: „An solch einer Restauration arbeiten heute Fachleute ein Jahr und länger. Wir hatten gerade mal eine Zeitvorgabe von sechs bis sieben Tage …“ Zu Klöstern und Schlössern in Franken & Schwaben Vor und nach dieser Zeit hatte er langjährig das Vergnügen, mit Prof. Franz Luitpold Bauer zu Klöstern und Schlössern in Franken und Schwaben reisen zu dürfen: „Der hatte ein traumhaftes Atelier in Schwabing. Von dessen Lebensart habe ich viel gelernt.“ Prof. Bauer, ein akadem. Bildhauer und Maler, war anerkannten Sachverständiger in Fragen der Kirchenmalerei und Vergoldung, ein geschätztes Mitglied in Kommissionen und Jurys. Es konnte vorkommen, dass man bei Klosterfahrten im unterfränkischen Maria Bildhausen landete, wo die Klosterschwestern nur noch einen alten, unbekannten Frankenwein kredenzen konnten. Schon nach dem ersten Schluck sagte Bauer zu den Schwestern: „Den braucht ihr keinem anderen mehr anbieten.“ Den ganzen Vorrat tranken sie zu zweit alleine weg. Gelernt hat der Restaurationsfachmann Konrad Kästle sein Handwerk als akademischer Kirchenmaler im schwäbischen Gundelfingen. Selbständig machte er sich 1970 nach der Meisterprüfung als „Fassmaler und Vergolder“ in München. Das war zwingend notwendig, sonst hätte er keine Leute beschäftigen dürfen. Nebenbei erlernte er selbst auch noch das Stuckarbeiten. Gern denkt Konrad Kästle noch an frühe Kindheitstage, die er bei Tante und Onkel in München im stadtbekannten Café Schiller am Stachus verbrachte. Hier lernte er auch seine Frau Gisela am Büfett kennen. Sohn Peter, beruflich in den gleichen Fußstapfen wie der Vater, ist seinem Geburtsort München verbunden geblieben. Wenn er fachliche Beurteilungen braucht, ruft er an. Konrad Kästle freut sich über solche Ausflüge nach Wasserburg und anderswo, erinnern sie doch an Prof. Bauer und eine schöne Zeit.

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