"Er hat Hitlers Machtergreifung nie begrüßt"

Enkel hielt Vortrag über den Nazi-Widerstandskämpfers Carl Friedrich Goerdeler

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Vorsitzende des HVF, Anna Ulrike Bergheim im Gespräch mit Berthold Goerdeler

Fürstenfeldbruck – „Wehret den Anfängen“, sagte die erste Vorsitzende des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck (HVF), Anna Ulrike Bergheim, bei der Begrüßung von Berthold Goerdeler, dem Enkel des Nazi-Widerstandskämpfers Carl Friedrich Goerdeler.

Bergheim spielte dabei auf das aktuelle Wahlergebnis vor einer Woche in Thüringen an und ergänzte: „Wir wollen keine Weimarer Zeiten.“

Berthold Goerdeler, der 1947 geboren wurde, also zwei Jahre nachdem sein Großvater im Gefängnis in Berlin-Plötzensee von den Nazis hingerichtet worden war, erinnerte die rund 40 Zuhörer, durchwegs älteren Semesters, an das Handeln und Schicksal des über zwölf Jahre führenden politischen Kopfs des zivilen Widerstands in Hitler-Deutschland.

Wäre das Attentat am 20. Juli 1944 gegen Hitler geglückt, so wäre der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler anschließend Reichskanzler geworden, erfuhren die Zuhörer. Goerdeler verstand es, sich im Laufe der Jahre ein Widerstands-Netzwerk von Politikern, Gewerkschaftern, Unternehmern und Militärs aufzubauen.

Auf Reisen gegen Hitler

Nach seinem Rücktritt als Leipziger OB unternahm Goerdeler als Berater der Robert-Bosch GmbH 18 Auslandsreisen, um der Welt die Augen vor Hitler zu öffnen. Dabei warb er für die Ziele seiner Politik. So wurde Goerdeler zum Mittelpunkt der zivilen Widerstandskreise. In zahlreichen Denkschriften und Entwürfen plante er die Neuordnung des politischen Lebens in Deutschland. Bereits vor dem 20. Juli 1944 wurde Goerdeler von der Gestapo gesucht. Nach dem Attentat auf Hitler konnte er zunächst entkommen, wurde aber verraten und am 8. September 1944 vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt. Knapp einen Monat später wurde auch sein Bruder Fritz am gleichen Ort gehängt.

Der Widerstand meines Großvaters begann vom ersten Tag an

Der Nachkomme Carl Friedrich Goerdelers revidierte die bis dato vorherrschende Meinung, sein Großvater wäre anfangs den Nazis positiv gegenüber gestanden. „Er hat Hitlers Machtergreifung nie begrüßt“, stellte Berthold Goerdeler richtig. Er habe damals lediglich geäußert, aufgrund ihrer Mehrheit im Reichstag hätten sie die Chance, wieder Ordnung ins Land zu bringen. „Das haben die Nationalsozialisten aber nicht getan, insofern begann der Widerstand meines Großvaters vom ersten Tag an.“ So verweigerte er als Oberbürgermeister von Leipzig zahlreiche Anordnungen Hitlers, wenn diese dem Rechtsstaat widersprachen.

„Er selber lehnte aber ein Attentat auf Hitler ab. Das widersprach seinem christlichen Glauben. Er wollte dessen Verhaftung und einen rechtsstaatlichen Prozess“, betonte Bertold Goerdeler, der selbst Jurist ist.

Manches erinnert ihn an heute

Seit über 20 Jahren beschäftigt sich Berthold Goerdeler mit der Geschichte seines Großvaters. Dabei stellt er fest, dass man sich heute wieder in manchen Situationen in einer ähnlichen Lage befinde. „Das Auseinanderdividieren, den anderen schlecht machen, die Hetze, das sind die Dinge, die nach meiner Überzeugung dazu aufrufen, doch bei Zeiten zu sagen: Bis hierher und nicht weiter. Irgendwo

ist die Grenze.“ Dieter Metzler


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