Friedliche Demo in Gröbenzell

Stiller Protest gegen Populisten

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Teilnehmer der Demonstration stellten sich in einem großen Kreis zusammen, sodass die einzelnen Buchstaben auf den Plakaten den Satz ergaben: „Gröbenzell und FFB sind bunt“.

Bereits anderthalb Stunden vor dem Auftritt von AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland und dem Bundestagskandidaten Florian Jäger aus Olching versammelten sich am 28. Juli knapp 130 Menschen auf dem Platz vor dem Gröbenzeller Bürgerhaus. Die demonstrierten mit Plakaten, Flaggen und „stillem Protest“ gegen die Wahlkampf-Veranstaltung der „Alternativen für Deutschland“.

Gröbenzell – Aufgerufen zu der Demo hatte die überparteiliche Initiative „Wählt Demokraten, keine Populisten“, deren Sprecher die beiden Gröbenzeller Detlef Arzt (CSU) und Walter Voit (Die Grünen) sind. Unterstützt wird die Initiative, die sich nach dem Auftritt des Pegida- und Legida-Redners Jürgen Elsässer im November des vergangenen Jahres in Gröbenzell bildete, von vielen politisch meist nicht gebundenen Bürgern, vorwiegend aus Gröbenzell, aber auch aus der Region.

Die Veranstaltung vor und im Bürgerhaus verlief friedlich, das große Polizeiaufgebot musste nicht einschreiten.

Mit dabei waren unter anderem der Musikant Hans Well (Zankenhausen), Dekan Albert Bauernfeind (Fürstenfeldbruck), die Vorsitzende Bund Naturschutz Ariane Zuber (Gröbenzell), Museumsleiter Reinhard Jakob (Jexhof Schöngeising), Rechtsanwalt Markus Rainer (Gröbenzell) Oberstudiendirektor i. R. Winfried Bauer (Gröbenzell) oder auch die Leiterin Asylhelferkreis Lilo Nitz (Gröbenzell).

"Es war ganz fürchterlich"

In einer kurzen Ansprache berichtete Arzt nochmals von der Entstehung der Gröbenzeller Initiative. Er habe es im November beim Auftritt des „Hasspredigers“ Jürgen Elsässer in Gröbenzell nur 20 Minuten ausgehalten. „Es war ganz fürchterlich“, sagte Arzt. Man könne aber nicht auf der Couch liegen und nichts tun, sondern man müsse etwas unternehmen, und so haben sich fünf Gröbenzeller und eine Dame aus dem Landkreis zur Gründung der Initiative entschlossen, die inzwischen über viele Sympathisanten verfüge.

Hatten im November des vergangenen Jahres beim Auftritt von Jürgen Elsässer noch knapp 1.000 Menschen in Gröbenzell demonstriert, so beteiligten sich diesmal um die 130, die gegen die AfD-Veranstaltung protestierten. Im Saal des Bürgerhauses empfingen anschließend etwa 160 Besucher die beiden AfD-Kandidaten.

„Es geht hier nicht um Personen, sondern um Inhalte“

„Wir hatten kaum eine Chance, unsere Aktion anzukündigen oder gar mit Plakaten darauf aufmerksam zu machen“, hatte Ariane Zuber, Vorsitzende vom Ortsverband des Bundes Naturschutz und Unterstützerin der Initiative als Erklärung parat, warum diesmal so wenige kamen. Außerdem haben gerade die Sommerferien begonnen. Und Arzt warf den Parteien im Gemeinderat vor, sie hätten nicht zu der Kundgebung aufgerufen, obwohl er sie darum gebeten hatte. Präsenz zu zeigen, halte er für ganz wichtig, meinte Arzt. „Es geht hier nicht um Personen, sondern um Inhalte.“ Im Übrigen mache er weder Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) noch der Gemeinde einen Vorwurf, dass sie die AfD-Veranstaltung im Bürgerhaus zugelassen haben. „Räume und Plätze sind für alle politischen Parteien in einer Demokratie da“, sagte der mit dem Radl kurz vorbeischauende Schäfer dazu, der offiziell nicht als Bürgermeister kam, da er Urlaub hat, sondern ganz privat. „Ich bin überzeugt, Gröbenzell kann das ab und setzt sich zur Wehr.“

„Gröbenzell und FFB sind bunt“

Bei der Kundgebung auf dem Platz, die sich an der europaweiten Initiative „Pulse of Europe“ orientiert, wehten unter anderem bunte Fahnen, wie die blaue Europaflagge, die internationale regenbogenfarbene Friedensfahne, und Bürger stellten sich so in einem großen Kreis zusammen, dass die einzelnen Buchstaben auf den Plakaten den Satz ergaben: „Gröbenzell und FFB sind bunt“.

Inhaltlich gab es bei der AfD-Wahlkampfveranstaltung im Bürgersaal keine Überraschungen. Gauland, regelmäßig von starkem Beifall in seiner Rede unterbrochen und am Ende mit Standing Ovations beim Abgang vom Podium begleitet, begnügte sich damit, den politischen Gegner zu diffamieren und sich die vermeintlich gute alte Zeit zurückzuwünschen. „Deutschland zuerst“, lautet Gaulands Devise ganz nach dem Ausspruch von US-Präsident Trump. „Wenn wir einmal im Bundestag sind, können sie uns nicht ignorieren“, sagte Gauland am Schluss. „Wir müssen durchhalten. Wir holen uns dieses Land zurück.“

Dieter Metzler

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