Auch die schwache Wahlbeteiligung in Fürstenfeldbruck verhalf Klaus Pleil zum Sieg – Überraschungen auch im Landkreis 

Nach 18 Jahren mit der CSU geht der OB-Sessel in Fürstenfeldbruck an die BBV 

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Der unterlegene OB-Kandidat Andreas Lohde (CSU), r.,  gratuliert Klaus Pleil (BBV) zu dessen  überraschenden Wahlsieg in FFB.

Fürstenfeldbruck  – Der Nachfolger des langjährigen Brucker Oberbürgermeisters Sepp Kellerer, der aus Altersgründen nicht mehr antrat, heißt Klaus Pleil von der Brucker Bürgervereinigung (BBV). Der CSU-Kandidat Andreas Lohde verlor die Stichwahl am 30. März, die erforderlich wurde, nachdem keiner der OB-Kandidaten am 16. März bei den Bürgermeisterwahlen die absolute Mehrheit errang.

 Enttäuschend allerdings erneut die schwache Wahlbeteiligung in der Großen Kreisstadt. Mit 46,2 Prozent betrug die Wahlbeteiligung nochmals zwei Prozent weniger als vor 14 Tagen beim ersten Wahlgang. Schon kurz nach Schließung der Wahllokale zeichnete sich der Sieg von BBV`ler Klaus Pleil ab. Nach Auszählung von etwa einem Viertel der Wahllokale führte Pleil mit 64,8 Prozent deutlich vor Andreas Lohde. So verkündete OB Sepp Kellerer bereits eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale im überfüllten Brucker Sitzungssaal: „Fürstenfeldbruck hat einen neuen Oberbürgermeister, und der heißt Klaus Pleil.“ Das Ergebnis fiel dann doch recht deutlich aus. 7.659 Stimmen (62,3 Prozent) votierten für den 50-jährigen Orthopädie-Schuhtechnik-Meister , 4.633 Stimmen (37,7 Prozent) erhielt CSU-Kandidat Andreas Lohde. Dabei sah das Ergebnis vor zwei Wochen noch ganz anders aus. 

Da hatte Lohde mit 38,26 Prozent noch die Nase vorn vor Pleil, der auf 29,89 Prozent kam. Nachdem sich der Jubel bei den BBV-Anhängern und den Grünen, die Pleil bei der Stichwahl unterstützt hatten, gelegt hatte, gratulierte der nach 18 Jahren scheidende OB Kellerer seinem Nachfolger zu dem eindrucksvollen Wahlsieg und wünschte ihm, dass es ihm gelingt, seine politischen Ziele umzusetzen. Mit der deutlichen Niederlage hatte man im Lager der CSU nicht gerechnet. Lohde zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte Pleil zum Wahlsieg. Der zweifache Familienvater selbst hatte sich zuversichtlich gezeigt und mit seinem Sieg gerechnet, wenn vielleicht auch nicht mit der Deutlichkeit. 

Nachdem Stadtrat Pleil den Rathaussessel am 1. Mai einnimmt, profitierte auch noch Pleils Bruder Dieter von dem Wahlsieg. Der 57-jährige Inhaber eines Ski-Geschäftes schaffte als Nachrücker den Sprung in den Brucker Stadtrat. Der enttäuschte Andreas Lohde wird nicht wie der SPD-Kandidat Axel Lämmle seine politische Karriere beenden und „alles hinschmeißen“, sondern er werde sein Mandat als Stadtrat antreten. „Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, Ade zu sagen“, so Lohde. 

Die zweite faustdicke Überraschung gab es bei der Stichwahl in der 20.000 Einwohner-Gemeinde Gröbenzell. Auch hier zeichnete sich bereits frühzeitig ab, dass der CSU-Kandidat Thomas Breitenfellner den Sprung auf den Bürgermeister-Stuhl nicht schaffen werde. Bei einer Wahlbeteiligung von 55,6 Prozent hatte am Ende der 49-jährige Martin Schäfer, Unternehmer aus Gröbenzell, mit 61,9 Prozent gegenüber Breitenfellner mit 38,1 Prozent klar gesiegt. Die CSU in Gröbenzell erhielt mit der vernichtenden Wahlniederlage ihre Quittung für die internen Querelen, die den Ortsverband seit längerer Zeit erschütterten. Altbürgermeister Eicke Götz: „Unsere Wähler sind nicht zur Wahl gegangen, unsere Leute sind nach wie vor zerstritten.“ Der scheidende Bürgermeister Dieter Rubenbauer, der auf Drängen von Parteifreunden auf eine weitere Kandidatur bereits frühzeitig verzichtet hatte, äußerte sich nicht zu dem Wahlergebnis.

 Neben Fürstenfeldbruck und Gröbenzell mussten auch in den Landkreis-Gemeinden Grafrath, Oberschweinbach und Jesenwang sowie in der knapp außerhalb des Landkreises gelegenen Gemeinde Geltendorf Stichwahlen durchgeführt werden. In Grafrath siegte der von der CSU nominierte parteifreie Markus Kennerknecht mit 53,5 Prozent vor Martin Söltl von der BfG(Bürger für Grafrath) mit 46,5 Prozent. Der 37-jährige Kennerknecht stammt aus Hattenhofen und arbeitet als Hauptamtsleiter im Emmeringer Rathaus. Die beiden Stichwahl-Kandidaten lieferten sich einen spannenden Wahlabend. Bei einer Wahlbeteiligung von 59,2 Prozent lag mal Kennerknecht vorn, danach wieder  Söltl. Am Ende entschieden sich 920 Wähler für Kennerknecht gegenüber 801 Stimmen für Söltl. Die Abwahl von Oberschweinbachs Bürgermeister Bernhard Schulze (FW) stellte keine große Überraschung dar. Schon bei den Wahlen vor zwei Wochen hatte Norbert Riepl (Dorfgemeinschaft/CSU) mit 45,7 Prozent klar vor Schulze geführt, der nur auf 30,4 Prozent gekommen war. In der Stichwahl setzte sich der 52-jährige Bankabteilungsleiter mit 64,6 Prozent gegenüber dem 56-jährigen Diplomingenieur Schulze mit 35,4 Prozent klar durch. In der Gemeinde Jesenwang entschied Erwin Fraunhofer (CSU/BG) mit 52,8 Prozent (415 Stimmen) die Stichwahl für sich. Alfons Schlecht (Einigkeit) errang 47,2 Prozent (371 Stimmen). 

Mit dem 46-jährigen Bauamtsleiter Fraunhofer von der Verwaltungsgemeinschaft Grafrath bricht eine neue Ära in Jesenwang an. Erstmals nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sitzt kein Vertreter der FW Einigkeit im Jesenwanger Rathaus. Die vergangenen 18 Jahre war Hans Wieser Bürgermeister in Jesenwang. Der neben Gisela Schneid stellvertretende Landrat Wieser kandidierte aber nicht mehr. In der knapp hinter der Landkreisgrenze gelegenen Gemeinde Geltendorf verteidigte der Amtsinhaber, Bürgermeister Wilhelm Lehmann (UB) seinen Rathausstuhl in der Stichwahl gegen Robert Sedlmayr (ÖDP). Bei einer Wahlbeteiligung von 66,6 Prozent setzte sich Lehmann mit 52,4 Prozent gegenüber Sedlmayr mit 47,6 Prozent durch. 

Dieter Metzler

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