Wahlkampfauftakt der CSU

Politik für "Leberkas-Etage"

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Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Landtagskandidat Benjamin Miskowitsch sowie Bezirkskandidatin Gabriele Off-Nesselhauf (von links) im Gespräch über die Schnelllebigkeit der Politik, eine Frauenquote und dem Bevölkerungswachstum.

Benjamin Miskowitsch aus Mammendorf, CSU-Direktkandidat im Stimmkreis Fürstenfeldbruck-Ost, und Bezirksrätin Gabriele Off-Nesselhauf aus Germering, die erneut für den Bezirkstag kandidiert, eröffneten vergangene Woche im Bürgerhaus offiziell den Wahlkampf für die Landtags- und Bezirkstagwahlen in Bayern. Prominente Unterstützung erhielten die beiden Kreisräte durch Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die von den knapp 60 Besuchern der Veranstaltung im Saal begrüßt wurde.

Mammendorf - Bei ihrem eineinhalbstündigen Auftritt erntete die 73-jährige CSU-Politikerin – mit eingeladen hatte die Kreis-Frauen-Union – viel Beifall. Auf die Frage, ob sich die Politiker im Laufe der Jahre verändert haben, meinte die 73-Jährige, die seit 42 Jahren Abgeordnete ist und als „soziales Gewissen der CSU“ gilt, die Politiker nicht, wohl aber die Politik. Früher habe man mehr Zeit gehabt und intensiver geredet miteinander. Im Landtag habe interfraktionell mehr stattgefunden, man habe beispielsweise Schafkopfrunden am Abend gehabt. Das Menschliche habe sich geändert, und die Politik hat vielleicht ein höheres Ansehen gehabt wie heute. Das hat ein bisschen was mit Vertrauensverlust zu tun, so Stamm, die forderte, mit der „Ankündigungspolitik“ aufzuhören. Es schadet der Politik nicht, auch einmal Fehler einzugestehen. Sie vermisse den Senat, den sie für eine wertvolle Institution der Verfassung hielt. Durch den Senat habe man mehr Zeit für politische Entscheidungen gehabt. 

Verantwortung, Rücksichtnahme und Freundschaft

„Wir müssen entschleunigen, heißt es heute so schön“, sagte Stamm, doch die Schnelligkeit sei nicht gut. Man könne sich der Digitalisierung nicht entziehen, das konnte man schon nicht bei der Globalisierung, aber sie möchte noch erleben, dass die Kinder in der Schule wissen, was Kameradschaft, Freundschaft, Rücksichtnahme und Verantwortung bedeuten. „Unsere Gesellschaft muss weiblicher werden“, damit könne sie nichts anfangen, meinte Stamm zur Frage der Gleichberechtigung der Frau. Frauen können genauso gute Politikerinnen sein wie im Übrigen auch in allen Berufen und ihren Mann stehen. Gleicher Lohn bei gleicher Arbeit, da fehle es vielleicht noch, vor allen in den sozialen Berufen. In den Parteien haben die Frauen inzwischen vieles erreicht. Off-Nesselhauf, die im Helene-Weber-Kolleg Frauen schult, vertritt dagegen die Meinung, dass Frauen in der Politik ohne Mentoring es nicht nach ganz oben in der Partei schaffen. In allen Parteien herrsche nach wie vor der Geschlechterkampf. Von einer Gleichberechtigung sei man noch ein Stückerl entfernt. Die Frauen müssen Netzwerke bilden, rät Off-Nesselhauf. „Dann werden wir in den Hierarchien besser nach oben kommen.“ 

Frauenanteil in der Politik ist zurückgegangen

Der Frauenanteil in den kommunalen Gremien im Landkreis liege bei 27 Prozent, sagte Miskowitsch. In der schlechtesten Region Deutschlands liege er bei 6,4 Prozent. Da sei noch viel Luft drin. Stamm berichtete, dass der Frauenanteil in der Kommunalpolitik zurückgegangen ist, auch in den Führungspositionen. Man habe zwar eine großartige Frauen-Union, da werden aber nicht die Personalentscheidungen getroffen. Nur als Parteimitglied können man Karriere machen in der Partei. Ministerpräsident Strauß habe bei ihrer Ernennung zur Sozialministerin gesagt: „Sie sind für die Leberkas-Etage zuständig. Wir sind die Partei der kleinen Leute. In der Sekt-Etage können wir keine Wahlen gewinnen.“ Das habe sie damals sehr beeindruckt und das habe sie fortan immer als ihren Arbeitsauftrag gesehen. 

Bevölkerungswachstum belastet Germering

Off-Nesselhauf sprach über die rasante Entwicklung, die ihre Heimatstadt Germering genommen hat. Als sie klein war, waren Germering und Unterpfaffenhofen getrennt, eine Heirat, das ging gar nicht, meinte sie, das stand quasi unter „Todesstraße“. Es tue ihr manchmal weh, wie das Alte, das Bodenständige verschwindet. Das Bevölkerungswachstum sei eine unglaubliche Belastung für Germering. Es sei aber toll, als „Frau Dreirat“, wie sie von Gerda Hasselfeldt einmal bezeichnet wurde, als Stadt-, Kreis- und Bezirksrätin diese Aufgaben zu verknüpfen. Wichtig seien ihr dabei, mit den anderen politischen Vertretern auch nach den Sitzungen ins Gespräch zu kommen. 

Dieter Metzler

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