Waldführung durch das Waldgebiet bei Harthaus – Organisiert vom Förderverein für Heimatpflege

Naturschutz und Denkmalschutz sind eins

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Hans-Jürgen-Gulder (l.) gestaltete für die Mitglieder des Fördervereins eine interessante Führung.

Germering – Dem Förderverein für Heimatpflege Unterpfaffenhofen-Germering liegt nicht nur das Brauchtum an sich sehr am Herzen, sondern auch die Natur in der unmittelbaren Umgebung. Daher organisierte der Verein unter dem Motto „Die Germeringer Wälder im Klimawandel“ eine Waldführung. Die wurde von Hans-Jürgen Gulder fachkundig und engagiert abgehalten. Gulder war früher Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für die Landkreise Fürstenfeldbruck und ist aktuell Mitglied des Umweltbeirates der Großen Kreisstadt Fürstenfeldbruck.

Nach 2019, als der Parsberg das Ziel war, ist es der zweite von dem Förderverein durchgeführte Waldspaziergang. „Um in die Natur zu kommen, brauchen wir in Germering nicht weit zu fahren“, schließt dessen Vorsitzender Friedrich Drexler daraus. Doch weit wichtiger ist für ihn, dass sich der Förderverein nicht nur um die Geschichte von Straßen und Gebäuden kümmert: „Natur- und Denkmalschutz gehört zusammen.“ Ein gutes Stichwort für Hans-Jürgen Gulder. Er reitet zwar während der eineinhalb Stunden nicht ständig auf der Welle des Klimawandels. Doch einmal mahnt er eindringlich. „Der Klimawandel lässt uns nicht mehr aus.“ Die Jahres-Durchschnittstemperatur bewegt sich auch in Germering um die zehn Grad. Im Vergleich zu früher ist das gut ein Grad mehr. „Das klingt für den Menschen nicht viel, die Natur ist viel empfindlicher.“ Bäume etwa bräuchten Jahrzehnte, um sich darauf einigermaßen einzustellen. „Es wird düster werden, wenn wir den CO2-Ausstoß nicht reduzieren“, mahnt Gulder sehr eindringlich, ohne dabei auf Katastrophenstimmung oder Panik zu machen. Gulders sachlich-engagierter Ton reicht aus, um die Botschaft bei den rund 40 Mitgliedern des Fördervereins ankommen zu lassen. 

"Totholz bedeutet auch mehr Nährstoffe für den Waldboden"
Und doch setzt er an verschiedenen Stellen auch Hoffnungsschimmer. Selbst wenn ein Blitzschlag einen Baum gespalten hat, sei das aus ökologischer Sicht phantastisch, so Gulder. Es öffne Tieren sozusagen Tür und Tor: „Zaunkönige finden da wunderbar Unterschlupf, genauso Fledermäuse“, nennt Gulder Beispiele und zeigt auf einen Spitzahorn. Gut Unterschlupf findet sich aber ebenso eine Spechthöhle, Wenn sie der eigentliche „Bauherr“ verlassen hat, bietet sie gut 60 Tierarten Platz und Schutz. Natürlich auch dem Specht selbst vor dessen natürlichen Feinden – vor allem, wenn der Baumstamm dick ist. „Ein Marder tut sich dann schwer, weil ihn der Specht durch die Klettergeräusche eher wahrnimmt und fliehen kann“, erklärt Gulder. Bei dem vom Blitzschlag gespaltenen Ahorn hat Gulder aber noch einen anderen Hinweis. „Keiner sollte sich darüber aufregen, wenn der Wald an einigen Stellen nicht so aufgeräumt ist.“ Je mehr Totholz sich am Boden befinde, umso mehr Nährstoffe würden dem Waldböden zugeführt. So gesehen sie der Blitzschlag ein Glücksfall: „Aus ökologischer Sicht ist er geradezu phantastisch.“ Gut für den Wald im Harthaus ist außerdem, dass es wenig Rehverbiss gibt. „Das liegt an der nahen Wohnbebauung und der nahen Autobahn“, so Gulder. Rehe würden sich hier gestört fühlen und daher nicht so zahlreich auftreten. Ähnlich positiv urteilt der frühere Leiter des Forstamtes, als an den Waldrand geht. Der Übergang vom Wald in das sogenannte Offenland und in die Landwirtschaft sei hier ideal. „Es geschieht nicht abrupt, sondern allmählich.“ Die ökologische Sicht hat Gulder stets im Fokus, weist auf Klimaschutz hin und was der Mensch zum Erhalt der Natur in seiner unmittelbare Umgebung beitragen kann. 

Wirtschaftlich gedacht

Gulder vergisst auch den wirtschaftlichen Aspekt nicht. Er äußert sich zu Holzpreisen und dass durch milde Winter Brennholz kaum mehr gefragt sei, Gulder sieht außerdem einen Zwiespalt, der an manchen Stellen zwischen finanziellen Aspekten und Naturschutz besteht. „Man muss einen Waldbesitzer verstehen, wenn er nur mehr wenig Lust hat, weil es sich nicht rentiert“, sagte er. Gleichwohl verpflichte Waldbesitz auch. „Denn Baumwirtschaft ist Langzeitwirtschaft.“ Man brauche Geduld und viel Sorgfalt.

Hans Kürzl

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