Der Sohn von Alt-Kanzler Helmut Kohl erklärte im Bürgerhaus Gröbenzell vor 120 Besuchern, wie er den Weg zum inneren Frieden fand 

 "Papa ist das Leben schön?" Wie Walter Kohls  5-jähriger Sohn seinen Vater zu Tränen rührte  

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Walter Kohl, Sohn des Altbundeskanzlers Kohl, bei seinem Vortrag im Bürgerhaus Gröbenzell.

Gröbenzell – Wie Walter Kohl sein Leben als „Sohn von Helmut Kohl“ verarbeitet hat und dabei den Weg zum inneren Frieden fand, das erklärte der 50-jährige Autor, Unternehmer und Lebensberater am 29. Januar den 120 Besuchern im Saal des Bürgerhauses.

Der älteste Sohn des Altbundeskanzlers, der auf gemeinsame Einladung des Brucker und Gröbenzeller Forums nach Gröbenzell gekommen war, schilderte in seinem Vortrag „Kraftquellen für die eigene Lebensgestaltung – Der Weg der Versöhnung“ wie es möglich ist, sich von belastenden Erfahrungen der Vergangenheit zu befreien und wie dafür die Kraft der Versöhnung genutzt werden kann. 

„Papa ist das Leben schön?“ Als  Walter Kohls fünfjähriger Sohn ihm die Frage auf der Fahrt zum Kindergarten stellte, musste er anhalten und weinen. „Aber Papa, warum weinst du dann?“ fragte der Sohn, als Kohl die Frage mit ja beantwortet hatte. Da überkam ihn das Gefühl, das Leben sei sinnlos. Er sei nahe daran gewesen, den Weg seiner Mutter zu gehen, berichtete Kohl. Die CDU-Spendenaffäre, der Freitod der Mutter, die Trennung von seiner Frau waren schlimme Erlebnisse, an denen er zu zerbrechen drohte. Dazu noch der übermächtige allgegenwärtige Vater, nach dem sich alle richten mussten. Als Walter Kohl in einer Frauenzeitschrift zufällig dann einen Artikel las, „trotzdem ja sagen zum Leben“, begann für ihn die Aufarbeitung mit seinem Leben. Seinen Weg in die berufliche Selbständigkeit bezeichnete Kohl als den äußeren Weg in die Unabhängigkeit. Kannst du alleine bestehen, das sei nicht die Frage zur inneren Selbständigkeit, sondern viel wichtiger die Frage: Kannst du vor dir selbst bestehen? Dabei vertrat Kohl die These der „einseitigen Versöhnung“. Wenn der andere die Versöhnung ablehne, sei es seine Entscheidung, die akzeptiert werden müsse, so Kohl. Nur so werde der bestmögliche Frieden gefunden. Am Beispiel eines Kreisverkehrs zeigte Kohl auf, welche Möglichkeiten man habe, bei der Frage: welche Ausfahrt wähle ich für meinen „inneren Kreisverkehr“: Ausfahrt eins: Kampf mit dem Konflikt, Ausfahrt zwei: Flucht aus dem Konflikt: Kapitulation, Passivität, Unterwerfung, „Totstellen“ oder die dritte Ausfahrt: Versöhnung: Weg zum inneren Frieden? 

Kohl plädierte eindeutig für die Versöhnung. Fünf Schritte, symbolisiert durch fünf Finger einer Hand, gab Walter Kohl den Zuhörern am Ende mit auf den Weg, um zum inneren Frieden zu gelangen: Beim ersten, dem Daumenschritt, gelte es, das akute Anliegen zunächst einmal klar zu definieren. Beim zweiten, dem Zeigefingerschritt, den Kohl als den Schritt in den Seelenkeller bezeichnete, soll man alles auf den Tisch legen. „Am besten man schreibt Briefe an sich selbst“, riet Kohl. Der Mittelfingerschritt sei der starke Schritt, mit dem man dann den Energiewandel erlebe, und mit dem Ringfingerschritt schließe man schließlich einen Friedensvertrag mit sich selbst, um am Ende mit dem fünften, den kleinen Fingerschritt, neue Kraft für den Alltag zu gewinnen und „Kapitän des eigenen Lebens“ zu werden. „Vielleicht habe ich Ihnen Impulse für eine aktivere und selbständigere Lebensgestaltung geben können“, meinte Kohl zum Abschluss seiner Ausführungen, für die er viel Beifall erhielt. Als er danach dem Wunsch vieler Zuhörer nachkam und seinen „Friedensvertrag“, den er mit seinem Vater geschlossen hat, aus einem seiner Bücher vorlas, hätte man eine Stecknadel fallen hören können, so andächtig lauschten die Zuhörer den Worten. In zwei Büchern „Leben oder gelebt werden“ und „Leben was du fühlst“ hat Kohl, der überzeugter Christ ist, seine bewegte Kindheit und sein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater aufgearbeitet. In Vorträgen und im Rahmen seines von ihm gegründeten „Zentrums für eigene Lebensgestaltung“ in Königsstein gibt Walter Kohl weiter, was er und vor allem wie er es geschafft hat, seinen inneren Frieden in einem unauflösbaren Familienkonflikt zu finden. 

 Dieter Metzler

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