Globale Herausforderung Wasser - Stockholm Waterprize-Träger Prof. Wilderer in Puchheim 

 Ländlichen Raum aufwerten und die Mega-City vermeiden   

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 Prof. Dr. Peter A. Wilderer, führender Experte Deutschlands auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft, referierte zum Thema "Globale Herausforderung Wasser". 

Puchheim – „Zum Erhalt des Lebens auf der Erde und zur Vermeidung regionaler Wasserknappheit sind intakte Ökosysteme brandwichtig.“ So lautete nur eine der vielen Thesen von Prof. Dr. Peter A. Wilderer,  dem führenden Experten  Deutschlands auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft, am 21. März  bei seinem Vortrag im Bürgertreff auf Einladung der vhs. 

 Es ging um das Thema „Globale Herausforderung Wasser – Umgang mit einer knappen Ressource".    Moderiert wurde die Info-Veranstaltung am Vorabend des Weltwassertages von Dr. Manfred Sengl, dem Umweltreferenten der Stadt Puchheim. 

 Wasser sei eigentlich genug da, eröffnete der profilierte Wasserwissenschaftler der Technischen Universität München seinen Vortrag, wenn auch nicht überall, immer und in guter Qualität. Aber von einer knappen Ressource könne keine Rede sein: 1.385 Milliarden Kubikkilometer Wasser enthält der blaue Planet. Bei einer momentanen Erdbevölkerung von sieben Milliarden Menschen stehen zu jeder Zeit fünf Milliarden Liter pro Kopf zur Verfügung. 

Das Problem stelle vielmehr der ungleiche Wasserbedarf dar, so der vor zehn Jahren durch König Carl XVI. Gustaf von Schweden mit dem „Stockholm Waterprize“ (Nobelpreis für Wasser) ausgezeichnete deutsche Wissenschaftler. Neben der Landwirtschaft und Industrie stelle vor allem die Urbanisierung als Haupt-Wasser-Nutzer ein großes Problem dar. In 30 Jahren, so der Forscher, sei beispielsweise München mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern zu einer Megacity mit 7,5 Millionen Einwohnern herangewachsen. Dann würden weder Mangfall noch Sylvensteinspeicher zur Wasserversorgung ausreichen.

 Man müsse den ländlichen Raum attraktiv machen, damit sich keine Megacitys bilden, fordert Dr. Wilderer. Die Deckung des Wasserbedarfs von Städten, Industrie und Landwirtschaft erfordern innovative und nachhaltig wirksame Lösungen. Eine Übernutzung und Verschmutzung von Wasser-Ressourcen müsse vermieden werden. „Dass wir auf unserem Planeten seit mehr als zwei Milliarden Jahren flüssiges Wasser im Überfluss haben, verdanken wir dem Funktionieren der Selbstregulationsfähigkeit von Lebewesen und Ökosystemen“, erläuterte der TU-Professor anhand der Gaia-Theorie von James Lovelock, einem der bedeutendsten Umweltforscher. Die besagt, dass die Erde kein gigantischer toter Felsbrocken ist, der von lebenden Organismen bevölkert wird, sondern selbst ein riesiger Organismus ist, den man als ein vollkommenes, sich selbst regulierendes System bezeichnen kann. 

„Der vernünftige Mensch passt sich der Welt an“, sagte Prof. Wilderer, „der unvernünftige Mensch besteht darauf, dass sich die Welt nach ihm richtet“, zitierte er Bernhard Shaw. Der Mensch solle sich die Erde untertan machen, heiße es in der Bibel. Doch die Fehlinterpretation des göttlichen Auftrags sei ein tragisches Missverständnis der Christenheit. Vielmehr sei „untertan“ gleichbedeutend „schutzbefohlen“, also „untertan ist die Erde, die von vernunftbegabten Menschen zu behüten und zu bewahren ist“ (Genesis 2:15). Das sei gut gesagt, aber wie könne man das angesichts des Bedarfsanstiegs durch globales Bevölkerungswachstum innerhalb von 2000 Jahren von 0,3 Milliarden Menschen auf sieben Milliarden Menschen umsetzen? Die Menschheit ist derzeit mit vier miteinander verkoppelten Krisenfeldern konfrontiert: galoppierende Urbanisierung und damit einhergehender Steigerung von Bedarf, Mangel und Verlust an Stabilität. Alle vier Krisenfelder treten gleichzeitig auf, so Prof Wilderer. Sie verlangen simultane Lösungen und erfordern eine Rückbesinnung auf Verantwortung für das Ganze. 

„Bei aller berechtigten Sorge um materiellen Wohlstand, gilt es, die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen zu erhalten“,  forderte der Wissenschaftler.  In einer überbevölkerten Welt bedürfe es einer neuen geistigen Verfassung getragen durch Verantwortung und Demut gegenüber den lebenswichtigen Ressourcen (Ökosysteme – Wasser, Boden, Luft – Kultur). „Sollte die Unvernunft obsiegen, wird die Menschheit Probleme haben zu überleben, nicht aber das Leben selbst.“ Also „weiter so“, funktioniere nicht, sondern man müsse neue Wege einschlagen, appellierte Dr. Wilderer an die „Macht der kleinen Schritte“ an die ca. 40 Zuhörer. 

Als Vorschläge zur Überwindung von Wassermangel schlug der Wissenschaftler vor Waldökosysteme zu schaffen und zu erhalten, Verzicht auf Verschwendung von Wasser, Nutzung von Abwasser als Wertstoff-Quelle, Regenwasser-Nutzung, Nutzung atmosphärischer Feuchtigkeit, Einsatz neuartiger Anbaumethoden in der Landwirtschaft. Nach dem Grundsatz „Verantwortung“ und „good governance“ ist es die Pflicht von Bürgern, der Wirtschaft und der Politik eines Wissenschafts-Standortes und Exportlandes wie Bayern, Methoden zur Überwindung von Wasser-Mangel-Situationen zu erfinden, zu entwickeln, selbst anzuwenden, zu optimieren und dann auf dem Weltmarkt zu platzieren. „Auch wenn wir in Bayern Wasser im Überfluss haben, müssen wir als Exportland die nachhaltige Nutzung von Wasser vorleben“, schloss der Wasser-Wissenschaftler seine Ausführungen.

 Dieter Metzler

 

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