Möbelisierung in Asylunterkünften

Asylunterkunft: der Kammerjäger kommt

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Möbel aus Stahl: Landrat Thomas Karmasin (links) und Andreas Buchner vom Ordnungsamt beim Rundgang durch die Asylbewerberunterkunft.
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Landkreis – Sicherheit geht vor Gemütlichkeit. Diese Vorgabe des Landratsamtes sorgte zuletzt für viel Ärger in der Gröbenzeller Asylunterkunft, weil sich viele Flüchtlinge von ihren selbst aufgestellten Möbeln trennen mussten. Nun hat Landrat Thomas Karmasin bei den Helferkreisen für Verständnis geworben.

„Die Entrümpelung war dramatisch“, sagte Lilo Nitz vom Gröbenzeller Asylhelferkreis bei einer Besichtigung der dortigen Unterkunft an der Olchinger Straße. Großes Heulen und Zähneklappern habe es gegeben, als das Landratsamt eine ganze Reihe Möbel aus den Zimmern entfernen ließ. Das sei aus Gründen des Brandschutzes und auch der Hygiene erfolgt, wie Karmasin erklärte. „Es ist schließlich nicht unsere Intention, es den Menschen so scheußlich wie möglich zu machen, damit sie schnell wieder in ihre Heimat zurückkehren“, betonte der Kreischef.

Möbel als Nistplatz für Ungeziefer

Wie der für die Asylbewerber zuständige Landratsamt-Mitarbeiter Jimmy Liu ausführte, müssten Teppiche und Vorhänge zum Beispiel aus feuerfestem Material sein. „Dabei dulden wir ohnehin schon einige Materialien, die eigentlich nicht geeignet sind.“ Eine große Couch sei zum Beispiel nicht nur wegen des Platzes, den sie verbraucht, ungeeignet. „Wir wissen oft nicht, mit welchem Material sie gefüllt sind“, sagte Liu mit Blick auf den Brandschutz. Außerdem könnten diese Möbel als Nistplatz für Ungeziefer dienen.

Möbel aus Stahl

Rechtlich würden die Flüchtlinge in ihren Räumen auch nicht wohnen, sondern seien dort lediglich untergebracht, erklärte Buchner. Und Karmasin ergänzte: „In einem Krankenhaus oder einer Jugendherberge würde auch keiner auf die Idee kommen, seine eigenen Möbel aufzustellen.“ Die Flüchtlinge werden deshalb angehalten, die vom Landratsamt gestellten Möbel – Stahlspinde, -regale und -bettgestelle sowie Stühle und Tische – zu verwenden.

In Germering steht Entrümpelung bevor

Immerhin: In Gröbenzell funktioniere das seit der Räumung gut, sagte Andreas Buchner vom Ordnungsamt des Landratsamtes. Anders sieht es dagegen in der Unterkunft an der Germeringer Industriestraße aus. „Immer wieder finden eigene Möbel den Weg in die Unterkunft“, sagt Buchner. Große Holzschränke, Sessel oder Sofas findet man dort ebenso wie Vorhänge als Türenersatz. Die Einrichtung des Landkreises lande oft einfach auf den Fluren.

Dort steht noch eine Entrümpelung bevor, kündigte Liu an. Speziell in Germering spielt dabei auch die Hygiene eine Rolle. Hier könne es schon mal passieren, dass einem eine Kakerlake über den Weg laufe, sagt Buchner. „Wir werden ohnehin alle Möbel räumen lassen müssen, wenn wir den Kammerjäger kommen lassen“, erklärte Liu.

In Zukunft bessere Kommunikation

Zumindest will man aus den Fehlern in Gröbenzell lernen. Dort habe die Kommunikation nicht richtig funktioniert, weil sie über eine Dritte im Gröbenzeller Rathaus erfolgte, sagte Nitz. Sie hätte sich eine direkte Gesprächsebene zwischen Helfer- und Landkreis gewünscht. Mit Blick auf Germering ergänzte Monika Grzesik von der Caritas, dass man hier auf jeden Fall die Helfer schnell ins Boot holen müsse. Liu sagte dies zu und erklärte, dass man in der Kreisbehörde über regelmäßige runde Tische mit alle Beteiligten nachdenken werde.

Andreas Daschner

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