Insekten können wegen des Kälte-Einbruchs keine Nahrung mehr sammeln

Imker müssen ihre Bienen füttern

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Der Germeringer Hobby-Imker Klaus Awaloff muss seine Bienen mit Honig aus dem vergangenen Jahr füttern.

Landkreis – Das Jahr 2017 droht für Imker und Bienen im Landkreis zum Fiasko zu werden.

Bereits der zu warme Frühwinter in Kombination mit dem eisigen Januar hat den Honigsammlern stark zu schaffen gemacht. Durch den aktuellen Kälte-Einbruch verbrauchen die Bienenvölker zudem ihre bisher angelegten Vorräte. Der Grund: Die Insekten benötigen jetzt besonders viel Energie um ihre Brut gegen die Kälte zu schützen. Die Imker müssen ihre Tiere deshalb bereits mit Futter unterstützen. 

Kältewelle kommt zu schlechtem Zeitpunkt

„Ein Teil der Brut ist schon jetzt verloren“, sagt Walter Dürl. Für den Vorsitzenden des Imkervereins Fürstenfeldbruck und Umgebung kommt die aktuelle Kältewelle zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Zwar hätten die fleißigen Insekten schon einiges an Nahrung gesammelt – momentan verbrauchten die Tiere ihre eingelagerten Vorräte aber wieder. Oberste Priorität hat für die Bienen derzeit der Schutz ihrer Brut vor der Kälte. Die braucht eine Temperatur von rund 35 Grad um sich entwickeln zu können. Die benötigte Wärme müssen die Tiere selbst durch Muskelzittern erzeugen. Dafür brauchen sie viel Energie, weswegen die bereits angelegten Vorräte schnell zur Neige gehen. „Ein Volk braucht zwischen einem Pfund und einem Kilo Nahrung pro Tag“, erklärt Dürl. Deswegen füttern der 62-Jährige und seine Kollegen ihre Bienen momentan mit dem Honig vom vergangenen Jahr. 

Milder Frühwinter führt jetzt zu Problemen

Die aktuelle Misere der Pollensammler hat bereits zum Start in den vergangenen Winter begonnen. Im Herbst pflanzen viele Landwirte mittlerweile so genannte Greening-Pflanzen wie Buchweizen, Ölrettich oder Gelbsenf. Sie werden wieder untergeackert und dienen im kommenden Jahr als Gründünger. Die Bienen sehen sie als Nahrungsquelle – und weil der Spätherbst und der Frühwinter sehr mild waren, waren auch die Insekten lange unterwegs und haben dadurch viel Energie verbraucht. Dann kam der eiskalte Januar. „Da mussten die Bienen eine extreme Heizleistung erbringen“, sagt Dürl. Für viele Völker, die durch die Varroamilbe ohnehin schon geschwächt sind, war das zu viel. „Rund ein Drittel des Bestands ist gestorben“, erklärt Dürl. 

Zeit der gedeckten Tische neigt sich ihrem Ende zu

Und auch für die nächsten Wochen prophezeit der Imker nichts Gutes. Denn auch wenn die große Kälte bald vorbei sein sollte, bleibt das Futter für die Bienen knapp – bei Temperaturen von unter zehn bis zwölf Grad reduzieren sie ihre Flugbewegungen und damit auch die Futtersuche auf ein absolutes Minimum. Hinzu kommt, dass die erste Zeit der gut gedeckten Tische sich schon wieder ihrem Ende zuneigt. „Sind die Obstbäume und der Raps verblüht, ist die große Ertragslage vorbei“, sagt Dürl. Das hat nicht nur für die Bienenvölker Folgen: Auch der helle, gelbe und cremige Frühjahrs-Honig wird heuer zur Mangelware, prognostiziert der Imker. Aber auch Obst und andere Früchte könnte es in diesem Jahr weniger geben. „Rund 80 Prozent dessen, was im Garten oder im Feld blüht, ist von der Bestäubung durch die Bienen abhängig“, sagt Dürl. Vor allem Obstbauern müssten heuer mit Einbußen rechnen.

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