Als Weiße bin ich immer aufgefallen - Missionarin auf Zeit in Tansania

Immer wieder noch mussten im Pfarrsaal von St. Peter und Paul Stühle herangeschafft werden. So groß war das Besucherinteresse an den Erlebnissen von Sonja Nubert in Afrika. Ein Jahr hatte sie sich im Rahmen des Projekts „Missionarin auf Zeit“ in Siuyu in Zentral-Tansania aufgehalten. Was ihr in der Erinnerung wohl am meisten haften bleiben wird: „Als Weiße bin ich immer aufgefallen.“ Manches Mal habe sie deswegen schon auf einen ihrer sonst geliebten Spaziergänge verzichtet, um sich in Ruhe zurückziehen zu können.

Jedoch auch das hat sie in das hektische Deutschland mitgenommen. „Aufgefallen ist mir die Zufriedenheit und dass kaum gemeckert wird.“ Ruhe und Gelassenheit und das Gefühl es gehe schon weiter, bestimme das Alltagsgeschehen der Menschen von Siuyu. Als Frau habe sie sich dort nie unsicher gefühlt, berichtet sie weiter. Männer wie Frauen seien sehr hilfsbereit. Kriminalität sei lediglich in den Großstädten sichtbar. „Dort nimmt das aber schon zu“, sagte Nubert. Gewissermaßen ihre Arbeitgeber in Siuyu waren die „Pallotine Sisters“, die zum katholischen Apostulat gehören und in Deutschland ihren Sitz in Limburg haben. „Ich habe versucht Englisch zu unterrichten“, umschreibt Sonja Nubert ihre Tätigkeit bescheiden. Ein wenig von dem Unterrichtsstoff sei bei den Schülerinnen sicher angekommen, schmunzelt Nubert bescheiden. Ihre Schülerinnen hätten das Bemühen gespürt. „Es hat immer wieder ein spontanes Danke oder auch einmal eine unauffällige Umarmung gegeben.“ Auch ein Rehabilitationszentrum für geistig und körperlich behinderte Kinder gebe seit 2007 es in Siuyu. In der Region Sigida, in der Siuyu liegt, ist das einzigartig. „Der Unterricht ist da bescheiden, aber den Kindern wird das Gefühl gegeben, dass sie etwas lernen.“ Doch Sonja Nubert hat dort immer wieder festgestellt und erlebt: „Eltern sprechen nicht gern über die Behinderung ihrer Kinder. Viele schämen sich dafür und verstecken sie lieber.“ Wo aber Kontakt entstanden sei, habe sie auch da immer wieder große Dankbarkeit mitgenommen. Gleichzeitig war sie der gute Geist in Sachen PC-Technik und Kopierer. „Sonja, komm mal, das geht etwas nicht“, hieß es immer wieder. Was ihr auch noch auffiel: Dass die Mädchen alle einheitliche Schulkleidung trugen. Was übrigens auch für die muslimischen Kinder gegolten habe, die kein Kopftuch trugen. Im Übrigen alltäglichen Leben hatte Nubert durchaus mit dem einen oder anderen Problem zu kämpfen. „Das Essen und ich sind keine Freunde geworden.“ An die trockene Hitze habe sie sich erst nach gut drei Monaten gewohnt. Auch die Malaria habe sie einmal erwischt. Dank der relativ guten medizinischen Versorgung habe sie aber in jenen Tagen keine Angst gehabt. Kennen gelernt habe sie aber dabei die Gelassenheit der dortigen Bevölkerung. In der ist, so berichtet sie den zahlreichen Zuhörern weiter, die traditionelle Familienstruktur noch intakt. „Die Älteren wurden in der Familie versorgt.“ Nach ihrer Motivation für den Ein-Jahres-Aufenthalt in Tansania befragt, antwortete Sonja Nubert: „Ich wollte eine ganz andere Art des Lebens kennen lernen.“ Die Erfahrungen daraus seien gute und sie wolle das Land gerne noch einmal besuchen. „Aber dann als Touristin, nicht zum Arbeiten.“ In diesem Zusammenhang wiederholt Nubert nochmals: „Als Weiße bin ich immer aufgefallen.“ Doch so wie sie diesen Satz sagt, ist zu spüren, dass sie etwas von der Zufriedenheit der Bewohner von Siuyu mit nach Deutschland genommen hat. Auch im Internet sind die Erlebnisse von Sonja Nubert nachzulesen unter www.sonja-tansania.de.tl

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