Stallgespräch mit dem BBV auf dem Hartl-Hof in Maisach

Wellness im Stall

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Andreas, Johann und Elfriede Hartl informierten beim Stallgespräch auf ihrem Hof in Maisach die zahlreichen Interessenten. Mit dabei waren u.a. auch vom Bayerischen Bauernverband der Kreisobmann von Fürstenfeldbruck, Johann Drexl (im Bild dritter von links) und der stellvertretende Ortsobmann Johann Steber (rechts) aus Überacker.

Maisach – Die Geschäftsstelle Dachau/Fürstenfeldbruck des Bayerischen Bauernverbandes hat zu einem Stallgespräch auf den Hof der Familie Hartl in Maisach eingeladen. Es galt die Frage auszuloten: Bieten moderne Betriebe mehr Komfort für Tiere, als Betriebe vor 30, 50 oder 100 Jahren? Selbst Insider mit langjähriger praktischer Erfahrung in der Rinderhaltung waren dann doch überrascht, was sie mit ihren eigenen Augen sehen konnten. Auf dem von drei Personen (Landwirt Johann Hartl mit seiner Frau Elfriede und Sohn Andreas) bewirtschafteten Hof mit 114 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche werden 119 Milchkühe mit entsprechender Nachzucht gehalten.   

 Der Stall wurde komplett neu gebaut und ist im Dezember 2014 in Betrieb gegangen. Beim Bau wurden “die baulichen Anforderungen an eine besonders tiergerechte Haltung” des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten umgesetzt. In der neuen Stallanlage fehlt es den Kühen an nichts. Dort wurden alle Richtlinien für den modernen Kuhkomfort realisiert. Der Betrieb liefert gentechnikfreie Milch, die von einer regionalen Molkerei vermarktet wird. “Unsere Stallanlage erfüllt sogar die Bedingungen für einen Biobetrieb” ergänzt stolz Juniorchef Andreas Hartl. An seinen leuchtenden Augen sieht man, dass er Landwirt mit Leib und Seele ist und einfach für seine Tiere rund um die Uhr da ist. Die Ausgangssitution ist meist in der Öffentlichkeit noch zu wenig bekannt: Im letzten halben Jahrhundert musste sich der Viehbestand pro Betrieb meist verzehnfachen, um eine Familie ernähren zu können. Diese Tatsache verdeutlicht die Situation der Landwirtschaft von heute: Nur durch die Erhöhung des Viehbestandes pro Betrieb konnten die Existenzen gesichert werden, um dem Kostendruck stand halten zu können.

Die Abnahmepreise für landwirtschaftliche Produkte (beim Hartlbetrieb: vor allem die Milch) haben nicht mit den steigenden Kosten in der Landwirtschaft Schritt gehalten. So blieb den Landwirten, die weiter an die Zukunft ihres Berufsstandes glauben, nur übrig, in moderne Technik zu investieren, um die zusätzliche Arbeit, die ein erhöhter Viehbestand zwangsläufig mit sich bringt, überhaupt schaffen zu können. Und doch gibt es sie, die Landwirte, die heute mehr Tiere halten als früher und trotzdem peinlichst genau auf das Wohl der Tiere achten. Wenn man die Haltung von Tieren nicht nur als Beruf sieht, sondern als Berufung, wie das eben von Familie Hartl vorgelebt wird, werden weder Kosten noch Mühen gescheut, um alles zu tun, dass es den Tieren auf dem Hof gut geht. Da eine Kuh unter natürlichen Bedingungen 60% des Tages im Liegen verbringt und dabei oft bis zu zwanzig Mal aufsteht, wurden erst mal alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass pro Kuh im großzügig, angelegten Laufstall genügend und bequeme Liegeflächen vorhanden sind. Dann ging es darum, ausreichend Platz zum Fressen zu schaffen und eben auch, dass sich die Tiere “aus dem Weg gehen können”, wie es ja in freier Wildbahn einst auch der Fall gewesen ist.

 Dass sich die Kühe auf dem Hartl-Betrieb wohlfühlen, merkt man an der vollkommenen Ruhe, die dort einfach herrscht. Da tun sich so gut wie keine Rangeleien auf, wo meist rangniedere Tiere das Nachsehen haben. Nein, hier ist genügend Raum, dass jede “Kuhform” sein Auskommen hat. Ob am Fressplatz, oder in den Liegeboxen, oder im Freiluft-Auslauf, zu dem die Tiere jederzeit Zugang haben. Wenn man bedenkt, dass Kühe eigentlich Steppentiere sind und wechselnde, klimatische Bedingungen von Natur aus gewohnt sind, dann erfüllt die Stallanlage von Familie Hartl eben genau diese natürlichen Anforderungen an Licht und Luft, was das Wohlbefinden der Tiere einfach steigert. Juniorchef Andreas Hartl weiß zu berichten, dass eine Kuh zwischen 180 und 200 Lux (physikalische Größe für Beleuchtungsstärke) braucht, um sich gut zu fühlen. Er hat sogar ein ganz besonderes Lichtsystem ausgetüftelt, wonach sich Licht zuschaltet, wenn dieser Wert unterschritten wird. Er sagt es und kurz nach seinen Worten geht im Stall ein zusätzliches Licht an. Mit großer Freude stellt er fest: “Anscheinend hat der Lichtsensor jetzt festgestellt, dass die Wohlfühl-Lichtwerte unterschritten sind, was an diesem trüben Tag durchaus der Fall sein kann und deshalb gibt es auch jetzt am Tag einfach eine Lichtzufuhr”. Weiter können sich die Kühe, so oft sie wollen, “ihr Fell kratzen lassen”.

Dazu gibt es eine Massagebürste, die sich automatisch in Bewegung setzt, sobald sich eine Kuh nähert. “Wenn es im Sommer zu heiß wird, haben die Tiere die Möglichkeit, sich unter die eigens konstruierte Dusche mit automatischen Wasserlauf zu stellen, war auch beim Stallgespräch in Maisach zu hören. “Hier ist gut Kuh sein”, war dann in der Abschlussrunde zu vernehmen. Am Ende hat man dann das gute Gefühl, das dem einfach so ist.

Georg Johannes Miller

 

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