Den Bäckereien fehlt der Nachwuchs

Die Zukunft ist ungewiss

+
Im Rahmen der Mitgliederversammlung der Innung ehrte Bäcker-Obermeister Werner Nau (2. von links) den 82-jährigen Ehrenobermeister Lukas Drexler, den 87-jährigen Bäcker Hugo Fritz und den 84-jährigen Bäcker Max Wimmer für jeweils 60 Jahre Bäckermeister mit einer Urkunde. Erste Gratulanten waren Kreishandwerksmeister Harald Volkwein (4. von links) und Ehrenkreishandwerksmeister Franz Höfelsauer (rechts).

Fürstenfeldbruck – Vor 60 Jahren legten Lukas Drexler, Max Wimmer und Hugo Fritz ihre Bäcker- Meisterprüfung ab. In Anerkennung ihres beruflichen Lebenswerks für das Bäckerhandwerk und als Dank für ihr Engagement wurden die Bäckermeister bei der Mitgliederhaupt- Versammlung der Brucker Bäcker-Innung am 16. März im Hotel Post von Obermeister Werner Nau mit einer großen Urkunde geehrt.

Zählte die Ehrung dabei mehr zum erfreulichen Teil der Veranstaltung, so bereitet der gravierende Lehrlingsmangel dem Obermeister der Innung und seinen Bäckerkollegen arge Kopfschmerzen, obwohl Lehrlingsplätze reichlich vorhanden sind. „Doch wie können wir die Jugendlichen wieder für den schönen Beruf des Bäckers begeistern“, fragte Nau in die Runde.

Lehrlingsmangel

In den 15 backenden Betrieben der Innung tummeln sich gerade einmal vier Lehrlinge und neun Fachverkäuferinnen im ersten Lehrjahr. Im zweiten Ausbildungsjahr befinden sich überhaupt keine Lehrlinge und nur acht Fachverkäuferinnen, und heuer lernen lediglich drei Fachverkäuferinnen aus. „Es ist wirklich traurig um unseren Lehrlings-Nachwuchs bestellt“, stellte Nau frustrierend fest. In den letzten zwölf Jahren schrumpfte die Innung um zehn Betriebe, allein aufgrund der Nachwuchssorgen, bestätigte Ehren-Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer den Trend.

Nau bemängelt das sinkende Ausbildungsniveau

Asylbewerber können den Missstand nicht beheben, sagte Nau. „Die erhalten ein Schreiben vom Amt und müssen plötzlich woanders hin.“ Darüber hinaus bemängelte der Obermeister das sinkende Ausbildungsniveau. Viele Lehrlinge schaffen die Prüfung nicht mehr. Hier seien aber auch die Betriebe gefordert, erhob Nau den Vorwurf, dass gewisse Betriebe ein schlechtes Bild abgeben, wenn sie Lehrlinge einstellen und nach drei, vier Monaten die schwächeren vor die Tür setzen. Das schade dem Image des Bäcker-Handwerks. Die Betriebe sollten sich verstärkt um ihre Lehrlinge kümmern, anstatt sie in die Pfanne zu hauen, wies Nau auf die Gefahren im Internet hin. „Ihr glaubt es gar nicht, wie schnell auf Facebook steht, was bei euch im Betrieb abgeht.“ „Wir müssen einfach mehr an unserem Image arbeiten“, forderte Nau. „In der Außendarstellung sind wir Bäcker bei den Jugendlichen fast nicht mehr vorhanden. Die meisten interessieren sich für technische Berufe, aber nicht für unseren Beruf. Das kann es nicht sein.“ 

Schwierigkeit beim Akquirieren von Auszubildenden 

Trotz des Berufs-Infomarktes und der Vocatium-Messe sei es schwierig, Auszubildende zu akquirieren. Bei der letzten Vocatium- Messe habe er festgestellt, dass sich viele der 36 Interessenten nur ihren „Stempel“ abholten. Nau schlug vor, Bewerber gar persönlich aufzusuchen und ihnen den Beruf schmackhaft zu machen, „ansonsten sehe ich schwarz für die Zukunft unseres Bäcker-Handwerks.“ 

Neue Verordnungen machen Bäckern das Leben schwer

Die wirtschaftliche Lage habe sich bei den meisten Betrieben wieder zum Positiven gewendet, berichtete Nau bei seinem Jahresbericht. Allerdings machen immer neue Verordnungen, insbesondere bei der Lebensmittelkontrolle, den Bäckern das Leben schwer. Ein Problem sei dabei der Aluminiumgehalt im Laugengebäck. Dabei haben sich die Ergebnisse bei den Kontrollen verbessert. Die Beanstandungen sind von 20 auf sieben Prozent gesunken. Es gebe viele Möglichkeiten, die Prozentanteile zu senken, meinte Nau. Es gebe aber immer noch schwarze Schafe. Im Gegensatz zu Bayern würden in NRW die zur Strafanzeige gekommenen Bäcker sogar namentlich veröffentlicht. Das werde wohl auch in Bayern bald der Fall sein, meinte Nau.

Dieter Metzler

Auch interessant

Meistgelesen

Wie weit geht Informationsfreiheit?
Wie weit geht Informationsfreiheit?
18-Jähriger nach Motorradunfall schwerstverletzt
18-Jähriger nach Motorradunfall schwerstverletzt
Immer noch viele Baustellen
Immer noch viele Baustellen
Einweihung des Erweiterungsbaus 
Einweihung des Erweiterungsbaus 

Kommentare