Das Wildschwein nimmt überhand

Der neue Vorsitzende Gerhard v. Hösslin (re.) mit dem Ehrenvorsitzenden Georg Sollinger und (li.) dem Dachauer Revierpächter Reinhard Amann, dem ein Wildunfall das prächtige 12Ender-Geweih im Hintergrund bescherte. Foto: Günter Schäftlein

Dem alljährlichen Informationstreffen mit verpflichtender Hege- und Naturschau im Gasthof Heinzinger folgten zahlreiche Jägerinnen, Jäger und Naturfreunde. Der seit März amtierende neue 1. Vorsitzende der Kreisgruppe FFB im Landesjagdverband Bayern, Gerhard von Hösslin, begrüßte insbesondere seinen Vorgänger, den jetzigen Ehrenvorsitzenden Georg Sollinger aus Längenmoos.

Anwesend waren auch der Brucker Forstdirektor Hans-Jürgen Gulder und dessen Amtsvorgänger Gottfried Haug, heute Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung. Zum beherrschenden Thema der Veranstaltung geriet die Plage einer Überpopulation bei den Wildschweinen. Gerhard von Hösslin hierzu: „Sie sind für uns hier im Landkreis ein Albtraum, auch durch den forcierten Maisanbau.“ Die für die Biogas-Produktion ausgeweiteten Anbauflächen entwickeln sich zu einem wahren Wildschwein-Freßnapf. Hans Betz als Vertreter der unteren Jagdbehörde stellte in seinem längeren Referat und Rechenschaftsbericht zur Wild- und Jagdsituation 2010 im Landkreis die vom Bauernverband DAH/FFB vorgeschlagenen neuen Wildschadensschätzer Markus Drexl, Althegnenberg, und Matthias Heitmayr, Dünzelbach, vor. Betz hatte einige Jagd-Gesichtspunkte anzubieten. Zwar sehe die Zahl der erlegten oder durch den Straßenverkehr getöteten 2105 Stück Rehwild im Landkreis (davon 616 Böcke, 785 Geißen, 704 Kitze) beachtlich aus und sichere damit die Waldverjüngung, dennoch gebe es noch Problemreviere in zwei von vier Hegegemeinschaften, was die Verbissbelastung angehe. Behördlich sei man verpflichtet, nach den Auflagen der Staatsregierung bei Nichterfüllung der Abschusspläne Maßnahmen zu ergreifen und das mache kontrollierende ‚Revierbegänge’ mit dem Jagdvorsteher und Revierpächtern erforderlich. Dies auch im Hinblick auf die Entstehung standortgerechter, stabiler heimischer Mischwälder. Mit rund 2,5 Mio Hektar Wald habe der Freistaat die größte Waldfläche aller Bundesländer und in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung läge die Branche „Forst-Holz-Papier“ mit fast 200000 Beschäftigten nach Fahrzeugbau, EDV-Elektro-Optik und Maschinenbau in Bayern an vierter Stelle. Betz mahnte an, dass Fuchskadaver (2010 wurden im Landkreis 539 erlegt) ordnungsgemäß entsorgt werden müssten. Das natürliche Gleichgewicht von Nutz- und Raubwild sei in einem dicht bevölkerten und eng bebauten Lebensraum schon lange nicht mehr gegeben, habe aber bei der Jagdausübung seine „besondere Bedeutung“. Wildlebende Tiere bräuchten die Hilfe und den Sachverstand von Jägern und Fischern. Andererseits müssten überhand nehmende Populationen – wie bei den Graugänsen – mit Schäden in der Landwirtschaft und an Badeseen durch ihre Jagd reduziert werden. Die Jagd auf Schwarzwild habe sich auch im Landkreis FFB verbessert, sei aber mit einem Gesamtabschuß von 197 Tieren noch stark rückständig. Besondere Bedeutung in der Reduktion dieser Wildbestände komme der Jagd auf Frischlinge zu. Gerade bei den geschossenen Wildschweinen sei eine – gesetzlich nicht vorgeschriebene – Radiocäsiumuntersuchung des Fleisches (insbesondere bei den Sauen) sehr empfehlenswert. Die Cäsium-Meßstellen in Bayern seien vorbildlich. Zur erfolgreicheren Bejagung der schnelltreibenden, nachtaktiven Wildschweine mit rasch wachsenden Beständen würden Bejagungsschneisen in Maisflächen erneut diskutiert. Der Kreisjagdberater Reiner Grüter ergänzte die Jahresabschusszahlen mit 99 Dachsen und 49 Fasanen. Die Hegeringe III und IV seien vom Schwarzwild am stärksten betroffen. Zur Jagd seien Hunde-Meuten unerlässlich: „Ohne Hunde geht da nichts mehr!“ Dies müsste aber frühzeitig organisiert werden. Die Trophäen beim Rehwild seien 2010 besser ausgefallen. So konnte in den Gewichtsklassen 15 Mal Bronze und 7 Mal Silber an die Revierinhaber und -pächter vergeben werden. Gold ging an Stürzer, Geiselbullach, Pschorr, Steinbach, und Brunetti, Schöngeising. Forstdirektor Hans-Jürgen Gulder sah für das ‚Blühflächenprogramm’ in Bayern auf insgesamt 19000 Hektar keine Reduzierung; lediglich die Mittel für die Landwirte wären in Brüssel gekürzt worden. Grüngürtel um Mais- und Kartoffelfelder seien in der Diskussion. Ungewöhnlich, so der Vorsitzende von Hösslin – ein Hirschunfall 2010 auf der Staatsstraße 2054 beim Stockinger-Abzweig, wo ein 105 Kilo schwerer 12Ender einen Kleinlaster „zur Strecke brachte“ (Schaden 6000 Euro). „Das Auto war nicht mehr fahrbereit, aber der Hirsch kam noch 100 Meter weiter.“ Sein Geweih wurde vom Jagdpächter Amann aus Dachau in der Trophäensammlung 2010 in Rottbach präsentiert. Infos zur Jagd-Kreissgruppe FFB: Andreas Rauch, Mail: Andreas.A.Rauch@t-online.de oder Tel. 0171-5875120

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