Wird das Mehlgetreide teurer? - Acker-Bauern im Landkreis befürchten Preissteigerung durch das schlechte Ernte-Wetter

Jede Regenpause nutzten die Bauern im Landkreis um ihre Felder abzuernten. Fotos: Dieter Metzler

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DIETER METZLER, Landkreis Fürstenfeldbruck - Die Wetter-Kapriolen der vergangenen Monate gingen auch an den Landwirten im Landkreis Fürstenfeldbruck nicht spurlos vorüber. Wegen des schlechten Wetters konnten die meisten Äcker mit Hafer, Weizen und Sommergerste noch nicht abgeerntet werden. Die Bauern müssen sich auf Ertragseinbußen einstellen, auch wenn der Weizen derzeit eine 20-prozentige Preissteigerung erfährt, dafür aber wohl zugleich mit einer um 20 Prozent geringeren Ernte zu rechnen ist. Der Weizen, den die Landwirte im Landkreis in diesen Tagen ernten, ist so minderwertig, dass er keine Backqualität mehr besitzt und nur noch als Futterweizen für das Vieh verwendet werden kann, erklärte Bauernverbands-Kreisobmann Johann Drexl aus Hattenhofen. „Zu 90 Prozent weist der Weizen Auswuchs vor“, so Drexl, „wer jetzt noch nicht geerntet hat, bei dem ist der Weizen wirklich zu 100 Prozent kaputt.“ Eine Vermarktung als Brotgetreide ist auf keinen Fall mehr möglich. Wegen der verregneten Sommermonate seien viele Ähren von Schwärzepilz befallen. Darüber hinaus beginnen die Halme auszutreiben, wodurch wertvolles Eiweiß verloren geht, was eigentlich im Mehl dem Bäcker zur Verfügung stehen sollte. Albert Höcherl, Sachgebietsleiter für Pflanzenproduktion im Amt für Landwirtschaft und Forsten bestätigte die Aussage des Kreisobmanns hinsichtlich der Qualität des Weizens. „Bis April war das Wetter in Ordnung. Dann fiel zu viel Regen, und es war zu kalt für die Jahreszeit, was für viele Kulturen kritisch war. Die Hitze im Juli ließ anschließend die Felder austrocknen, mit dem Ergebnis, dass sich viele Kulturen mindestens drei Wochen im Reiferückstand befanden.“ Jetzt seien die Felder wieder so nass, dass man befürchten müsse, dass der Mähdrescher stecken bleibt. Dennoch nutzten die Landwirte in den vergangenen Tagen jede etwas längere Regenpause, um die Felder abzuernten. Doch, nach Aussage des BBV-Kreisobmannes benötigen die Felder mindestens zwei, drei trockene Tage mit Temperaturen um 30 Grad, um das Korn dreschen zu können. Doch selbst in den vergangenen Tagen hofften die Bauern vergeblich. Die Wetterlage zeichnete ein düsteres Bild, und weitere Regenfälle werden von den Wetter-Propheten angekündet. „Ohne Trocknung geht dann nichts mehr“, meinte Drexl dazu. Das bedeutet, dass die Körner in einer Trockenanlage getrocknet werden müssen. Das wiederum dauert rund eine Woche und verursacht zusätzliche Kosten. „Rund einen Euro pro Doppelzentner“, so Drexl. Die Abschläge, die die Landwirte für die Futterware hinnehmen müssen, machen Drexl zusätzlich Sorgen. Der Preisunterschied zwischen Brot- und Futtergetreide ist normalerweise mit rund einem Euro gering. Doch wenn mehr als 50 Prozent einer Ernte nicht mehr vermahlen und zu Backwaren verarbeitet werden können, steigen die Abschläge. Der Kreisbauernobmann rechnet mit steigenden Preisen für Mehlgetreide. Bereits bei der diesjährigen Erntefahrt, zu der der BBV den Betrieb von Allings Ortsobmann Markus Friedinger ausgewählt hatte, stellten neben Bauern-Kreisobmann Johann Drexl, seinem Stellvertreter Josef Wörle, sowie die Kreisbäuerin Gabi Waldleitner und Albert Höcherl fest, dass sich die Landwirte im Landkreis auf erhebliche Ernteeinbußen einstellen müssen. Im Landkreis werden von den ca. 700 Voll- und Nebenerwerbs-Landwirten rund 22.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet; 18.000 Hektar sind davon Acker und ca. 4.000 Hektar Grünland. Der Anbau von Sojabohnen zur Futtergewinnung hat in den vergangenen sechs Jahren zugenommen. Mittlerweile wird auf rund 130 Hektar Soja angebaut.

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