Weniger Gewerbesteuer, mehr Einwohner, mehr Pendler

Smartphones wurden auf dem Wirtschaftsempfang ausgelesen 

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Ein wenig überrascht waren einige, als es dem Cyber-Security Experten Leon Klein binnen Sekunden gelang, sich in die Smartphones der Gäste einzulesen.

Rund 140 Gäste aus Wirtschaft und Politik versammelten sich im Kleinen Saal im Veranstaltungsforum Fürstenfeld zum Wirtschaftsempfang der Großen Kreisstadt. Neben der Ansprache von Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) standen die Vorträge über Cybersicherheit von Oliver Hanka, Geschäftsfeldleiter vom Unternehmen Cyoss GmbH mit dem Thema „Smarte Glühbirnen, Barbie-Puppen und Fabrikanlagen“ sowie von Leon Klein von der Firma 8com GmbH &Co mit dem Thema „Tatort www“ im Mittelpunkt des Empfangs. Musikalisch begleitet wurde der Empfang vom mehrfach international ausgezeichneten Akkordeon-Ensembles „Les Jeunettes et leurs garcons“ der Kreismusikschule unter der Leitung von Günter Glauber.

Fürstenfeldbruck - Die immer komplexere digitale Vernetzung berge große Gefahren, ging OB Raff eingangs seiner Ansprache kurz auf Cyber-Angriffe, unter anderem auch auf das Brucker Klinikum im November 2018, ein. Die Stadt blieb bisher von größeren Angriffen verschont. Im vergangenen Halbjahr konnten pro Monat 15 bis 50 E-Mails mit Viren abgefangen werden. Von den über 273.000 E-Mails beispielsweise im November wurden nur 14.100 an die Mitarbeiter weitergeleitet, berichtete Raff. 

Einnahmen durch Gewerbesteuer eingebrochen

Obwohl die Arbeitslosenzahl von 3,5 auf 3,3 Prozent sank und damit so gut wie Vollbeschäftigung in der Stadt herrscht, und auch die Zahl der Gewerbebetriebe mit 3.860 konstant blieb, brachen die Einnahmen bei der Gewerbesteuer von 23 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 15,4 Millionen Euro im vergangenen Jahr ein. Lediglich die Einkommensteuer sprudelte besser, stellte der OB den finanziellen Spielraum der Stadt in seiner Ansprache dar. Trotz steigender Einwohnerzahl – in Bruck waren Ende 2018 mit 38.536 Menschen 364 Bewohner mehr gemeldet – habe sich die Zahl der Auspendler weiter erhöht. 11.320 Auspendler stehen 10.269 Einpendler gegenüber. Dem Trend wolle er entgegenwirken, so Raff. 

Acht weitere Firmen wollen sich im Gewerbegebiet Kugelfang ansiedeln

Die Ansiedlung von Firmen bei der Entwicklung des Fliegerhorstes müsse daher Vorrang haben. Mit Nadja Kripgans-Noisser hat die Stadt seit erstem März eine neue Leiterin für die Konversion Fliegerhorst eingestellt. Unabhängig von den Planungen im Fliegerhorst entwickelt sich das Gewerbegebiet am Kugelfang weiter. Bis Ende 2020 werden sich acht weitere Firmen dort niederlassen. Auch der südliche Bereich, der sich noch in Privatbesitz befindet, soll für weiteres Gewerbe erworben werden. Wenn es der Stadt gelingt, nicht nur für den nördlichen Bereich des Viehmarktplatzes einen Investor zu finden, sondern auch den südlichen Bereich attraktiv zu gestalten, sollte dies zu einer Belebung der Innenstadt beitragen. Das Ergebnis der Untersuchung „Vitale Innenstadt 2018“ der Firma IFH aus Köln habe gezeigt, dass die Befragten mit der Attraktivität der Innenstadt zufrieden bis sehr zufrieden sind. 

Kunde nicht bereit für Sicherheit viel Geld auszugeben

Die Digitalisierung schreitet voran und mit ihr auch das Internet der Dinge (Internet of things - IOT). Smarte Geräte kommunizieren miteinander und vernetzen selbst die sensibelsten Bereiche, um das Leben der Nutzer einfacher zu gestalten. Doch die Technologie hat auch eine Kehrseite, denn Cyberangriffe zeigen immer wieder auf, welche Gefahr von der allumfassenden Vernetzung ausgehen kann. Anhand von zahlreichen Beispielen zeigte Cyber-Security-Experte Hanka auf, welche Folgen die mangelnde Sicherheit vieler vernetzter Geräte nach sich ziehen kann. „Der Kunde ist nicht unbedingt bereit, für Security viel Geld auszugeben.“ „Darf ich Sie vorstellen?“ begann der zweite Referent Klein verwirrend seinen Vortrag. Ein Klick später tauchte hinter ihm auf dem riesigen Bildschirm eine Liste auf: Die Namen der Inhaber eines Smartphones aller anwesenden Gäste. Mit Leichtigkeit und in wenigen Sekunden hatte der Fachmann die Geräte ausgelesen.

Sicher mit Firewall und Antivirenprogramm

E-Mails seien das Haupteingangstor für Trojaner und Schadstoffware. 95 Prozent der E-Mails seien Spams mit schädlichem Anhang. Neugierde und Angst treiben den Nutzer häufig dazu, Mailanhänge mit „Sie haben gewonnen“ (Neugierde) oder „Ihr Konto wurde gehackt“ (Angst) zu öffnen. Schlechte Passwörter seien brandgefährlich. So ist ein Passwort mit Vornamen und Geburtsjahr oder mit einem Wort, das man im Wörterbuch findet, innerhalb von nur 0,119 Sekunden gehackt. Mit einem schwierigen Passwort mache man sich dagegen für Kriminelle uninteressant. Dennoch sollte man stets die aktuelle Software installieren, brauche man die aktuellste Firmware, eine Firewall und professionelle Antivirenprogramme. „Es gibt aber keine 100-prozentige Sicherheit. Man kann nur die Risiken minimieren.“

Metzler

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