Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Wohnungen für den Neuanfang gesucht: Wohnungsnot trifft gewaltbetroffene Frauen hart

Eine Frau hält sich schützend die Hände vor das Gesicht, ein Mann mit geballter Faust steht vor ihr
+
Es reicht nicht aus sich gegen die Gewalt an Frauen zu positionieren - die Frauen brauchen auch eine Perspektive für einen Neuanfang.

Landkreis - Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November appelliert der Brucker Frauennotruf Vermieter sich zu melden.

Frau A. sitzt in einem hellgelben Kunstledersessel, die Händen im Schoß verschränkt. Sie berichtet von täglichen Beleidigungen: nutzlos, wertlos, hässlich wird sie genannt. Immer wieder blickt sie auf den Kinderwagen in dem ihre kleine Tochter schläft. Frau A. hatte gehofft, mit der Geburt der Tochter würde die Erniedrigungen weniger werden. Stattdessen wurde ihr Ehemann vor einigen Wochen das erste Mal handgreiflich. Sie hatte es nicht mehr geschafft, die Wäsche in den Trockner zu räumen, bevor er aus der Arbeit nach Hause kam. Das Baby hatte viel geweint an diesem Tag, Frau A. war erschöpft. Die ganzen letzten Wochen hatte sie sich allein um Einkäufe, Wäsche, Haushalt und die kleine Tochter gekümmert. Wenige Tage später, das Essen war angebrannt, warf der Mann wütend brüllend die Fernbedienung nach Frau A. und traf sie am Kopf. Frau A. möchte sich von ihrem Mann trennen und wünscht sich nichts mehr, als einen Neustart mit der kleinen Tochter. Doch eines fehlt ihr dazu: eine eigene Wohnung.

Angespannter Wohnungsmarkt macht Neuanfang unmöglich

Der Fall Frau A. ist fiktiv. Die Beraterinnen im Frauennotruf kennen jedoch viele Frauen, die dieses Schicksal trifft: Junge Mütter, Frauen in Arbeitslosigkeit, Frauen mit Migrationshintergrund und viele andere, für die der Weg aus der häuslichen Gewalt mit einer eigenen Wohnung möglich werden würde. Doch die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt macht es für viele scheinbar unmöglich, ein neues, sicheres Heim zu finden.

Auch die Frauen, die Zuflucht in einem Frauenhaus finden, stehen vor den Herausforderungen, welche die Wohnungssuche mit sich bringt. Ohne eine Wohnungszusage müssen sie oft viel länger als eigentlich notwendig im Frauenhaus bleiben und der herbeigesehnte Neuanfang bleibt auch für sie in weiter Ferne.

Chance auf Neuanfang ist entscheidend

Am 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Doch die Arbeit in Frauennotruf und Frauenhaus zeigt: Es reicht nicht aus sich gegen die Gewalt an Frauen zu positionieren. Diese Frauen brauchen auch die Chance, wieder vollständig Teil der Gesellschaft zu werden. Sie brauchen eine Chance auf einen Neuanfang.

Appell an Vermieter

„Sollten Sie als Vermieter einer Frau genau diesen Neuanfang ermöglichen wollen, freuen die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs von Ihnen zu hören“ , sagt Anna Lehrmann. Zu erreichen ist Frauennotruf unter Telefon 08141 290850 oder per E-Mail an frauennotruf@fhf-ffb.de. red

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare