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4.000 Euro fürs Flüchtlingshotel

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Von: Claudia Becker

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Die Wuidara Pistols spielten das Benefizkonzert im Biergarten des Marthabräu Wirtshauses.
Die Wuidara Pistols spielten das Benefizkonzert im Biergarten des Marthabräu Wirtshauses. © Claudia Becker

Fürstenfeldbruck – Der 24. Februar hat sich bei vielen Menschen fest ins Gedächtnis eingeprägt. Es war der Tag, an dem der russische Präsident Wladimir Putin den Angriffskrieg gegen die Ukraine startete. Seit dem ist viel passiert. Und es passiert immer noch viel – vor allem im Hintergrund, unbemerkt von den Augen der Menschen im Landkreis.

Auch wenn die Medien nicht mehr in dem Ausmaß wie am Anfang des Krieges darüber berichten, so ist die Not der geflüchteten Ukrainer weiterhin groß. Denn auch heute kommen immer noch viele Geflüchtete im Fürstenfeldbrucker Landkreis an. Seit dem 6. März betreibt deshalb die Brucker Corona-Nachbarschaftshilfe rund um deren Gründerin Monika Graf das ehemalige Hotel Hasenheide, welches jahrelang leer stand, als eine Art Flüchtlingshotel. Es wird gekocht, geputzt, gewaschen – quasi ein normaler Hotelbetrieb, nur die Gäste sind ganz Besondere. „Wir haben angefangen zu priorisieren“, erzählt Graf beim Benefizkonzert der Münchner Partyband „Wuidara Pistols“, die am Samstag, 11. Juni, zugunsten des Quartiers in der Hasenheide ein Konzert im Biergarten des Marthabräu Wirtshauses gaben, welcher kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde. Bei den aufgenommenen Geflüchteten handelt es sich um Hochschwangere, Krebskranke oder Menschen mit Behinderung. „Unser jüngster Bewohner ist 13 Tage alt“, berichtet Graf am Samstag. Und das nächste Baby werde jeden Tag erwartet.

Graf hat sich die Arbeit rund um die Corona-Nachbarschaftshilfe zur Lebensaufgabe gemacht. So verbringt sie täglich mehrere Stunden – und das egal ob Tag oder Nacht – damit, anderen zu helfen. „Man bekommt so viel zurück. Wir weinen fast jeden Tag, ob aus Trauer oder aus Freude“, erklärt sie. Da die psychische Belastung für die aktuell 26 Familien, die das Hotel bewohnen, extrem hoch sei, habe der mehrfach ausgezeichnete Verein nun eine Trauma-Psychologin eingestellt. Die Schicksale der Menschen seien so schwer, dass sie sich für den Schritt entschieden haben, so Graf. Sei es der Anruf, dass der Mann im Krieg gefallen sei oder der Versuch, Erlebtes aufzuarbeiten. Eine professionelle Hilfe sei unabdingbar geworden. Insgesamt werden 300 Geflüchtete vom Verein betreut – auch über den Hotelaufenthalt hinaus. Ziel sei es nämlich, dass die Familien irgendwann wieder auf eigenen Beinen stehen können. Die meisten Geflüchteten hätten sich mittlerweile, wenn auch schweren Herzens, damit abgefunden, nicht wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können – bestehen doch die meisten Städte nur noch aus Schutt und Asche. Daher bieten die Organisatoren auch Deutschkurse im Hotel an, um die Ukrainer möglichst schnell in den Alltag einbinden zu können und helfen bei Arzt- oder Behördengängen. Der Verein suche deshalb auch immer nach Wohnungen, die die ukrainischen Familien nach dem Hotelaufenthalt beziehen können.

Organisator Tommy Zimmerer (Dritter von links) übergab das Geld an Monika Graf (Dritte von rechts) von der Corona-Nachbarschaftshilfe.
Organisator Tommy Zimmerer (Dritter von links) übergab das Geld an Monika Graf (Dritte von rechts) von der Corona-Nachbarschaftshilfe. © Claudia Becker

Neben dem zeitlichen sei aber auch der finanzielle Aufwand enorm. Geld, welches durch Spenden, wie die durch das Benefizkonzert, im Verein dringend benötigt werden. Über drei Stunden lang spielte die Wiesn-Band, zu der auch der Germeringer Sänger Matthi Birkmeyer gehört, und verbreite dabei das Gefühl absoluter Ausgelassenheit. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Stimmung gegen 23 Uhr ihren Höhepunkt erreichte. Nachdem der letzte Song auch wirklich ein letztes Mal gespielt wurde, trat der Emmeringer Organisator Tommy Zimmerer, der die Kosten für die Band übernahm, auf die Bühne und verkündete die erreichte Endsumme. 4.000 Euro seien an diesem Abend zusammengekommen. Der Betrag ergab sich durch die acht Euro Eintritt, die jeder Besucher zahlen musste sowie freiwillige Spenden, die während des Abends noch getätigt wurden. So legten ein privater Spender und die Band zum Schluss des Abends noch jeweils 250 Euro drauf, um die Summe rund zu machen. Damit kann der gesamte Betrag an Monika Graf und ihre 162 Helfer, die regelmäßig im Hotel mithelfen, übergeben werden.

Weitere Informationen zur Corona-Nachbarschaftshilfe, wie man spenden kann oder wie man ein ehrenamtlicher Helfer wird, gibt es hier.

Claudia Becker

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