Zwischenbericht der Energie- und CO2-Emissionsbilanz

Vom Klimaziel 2030 noch weit entfernt

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Die einen waren eher pessimistisch, die anderen optimistisch: Nach der vorgetragenen Zwischenbilanz waren einige Gäste zur Gesprächsrunde eingeladen.

Der Landkreis hat sich zum Ziel gesetzt, die Energieversorgung bis zum Jahr 2030 vollständig auf erneuerbare Energie umzustellen.

Fürstenfeldbruck/Landkreis – Für die Erreichung dieses Ziels wird eine Reduzierung des Energieverbrauchs, der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien und die nachhaltige Nutzung regionaler Ressourcen angestrebt. Im Jahr 2012 wurde dazu, im Rahmen des integrierten Klimaschutzkonzepts für den Landkreis, eine Energie und CO2-Emissionsbilanz für das Jahr 2010, sowie ein Maßnahmenkatalog erstellt.

Zwischenbilanz im Landratsamt vorgestellt

Im vergangenen Jahr erhielt die Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH (LBST) vom Landkreis und 14 seiner Kommunen den Auftrag, die Energie- und CO2-Emissionsbilanz aus dem Jahr 2010 fortzuschreiben und die Daten mit der damaligen Bilanz zu vergleichen. In diesem Frühjahr wurde die aktuelle Energie- und CO2-Emissionsbilanz für den Landkreis fertiggestellt und die Zwischenbilanz am 14. Mai im Landratsamt der Öffentlichkeit präsentiert.

CO2-Daten und Handlungsansätze

„Wenn wir auch den Fortgang unserer Bemühungen auf dem Weg zur Energiewende bescheiden und kritisch sehen müssen, so ist unser Ziel trotzdem richtig“, begrüßte Landrat Thomas Karmasin die Besucher der Veranstaltung im Großen Sitzungssaal. Die Bilanz dokumentiert für den gesamten Landkreis, aber auch individuell für jede beteiligte Kommune die aufbereiteten Energie und CO2-Daten und benennt konkrete Handlungsansätze und spricht Empfehlungen aus.

Trotz Sparmaßnahmen stieg CO2-Emission

Bevor die Protagonisten der Veranstaltung, Landrat Karmasin, Maisachs Bürgermeister Hans Seidl, Mammendorfs Energiereferent Werner Zauser sowie Hermann Seifert von der Stabsstelle ÖPNV im Landratsamt und Burkhard Hüttl von der Münchner Verkehrsgesellschaft in eine Dialogrunde eintraten, erläuterte Diplom-Ingenieur Martin Zerta vom beauftragten Unternehmen zusammenfassend die Vorgehensweise und das Ergebnis der Expertise.

Zwischen 2010 und 2015 stiegen, vor allem bedingt durch den Zuwachs der Bevölkerung und Beschäftigten im Landkreis, die absoluten CO2-Emissionen um 4,7 Prozent auf knapp 1,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid (t CO2). Die spezifischen CO2-Emissionen blieben mit 6,9 Tonnen Kohlendioxid je Einwohner (t CO2/EW) auf dem Niveau des Jahres 2010.

26 Prozent durch eneuerbaren Energien

Sowohl bei der Stromerzeugung aus Photovoltaik (PV) als auch aus Biomasse konnte die Stromerzeugung in den fünf Jahren ungefähr verdoppelt werden. 2015 konnten aus erneuerbaren Energieanlagen im Landkreis (PV, Wind, Wasserkraft, Biomasse) bilanziell 26 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden.

Für die Erreichung der gesetzlichen Minderungsziele Deutschlands bis 2030 (-55 Prozent der Treibhausgas-Emissionen – THG gegenüber 1990) müssten die CO2-Emissionen aus dem Jahr 2015 in allen Kommunen des Landkreises um durchschnittlich mindestens 40 Prozent bis 2030 reduziert werden. Das entspricht einer Minderung des Landkreisdurchschnitts von 6,9 t CO2/EW (2015) auf unter 4,2 t CO2/EW (bis 2030).

Deutlich stärkere Anstrengungen nötig

Der Landkreis ist eine wachsende Region im Einflussbereich der Landeshauptstadt München. Auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird die weitere Wohnbebauung, Gewerbeansiedlung und damit verbunden Mobilitäts- und Verkehrsbedürfnisse große Herausforderungen für die Erreichung der Klimaschutzziele darstellen. Für einen erfolgreichen Klimaschutz müssen im Landkreis deutlich stärkere Anstrengungen und Maßnahmen unternommen werden als bisher initiiert und umgesetzt wurden.

"Wir brauchen andere Konzepte"

„Die Idee an sich, war ja gut, aber ich habe Zweifel, ob wir beim Energieeinsparen mit herkömmlichen Mitteln, das Ziel erreichen werden“, sagte Landrat Karmasin. Mit herkömmlichen Mitteln meine er, was jeder Haushalt so für sich tun könne. Man müsse sich Gedanken machen, ob man noch das richtige Konzept habe. Mittelfristig brauche man ganz andere Konzepte. So werde seiner Meinung nach der Wohnungsbau städteplanerisch und wirtschaftspolitisch großen Einfluss nehmen. „Keine neue Wohnung ohne neuen Arbeitsplatz, damit die Fahrerei nach München aufhört“, meinte Karmasin, „sonst bringen wir die Leute nicht vom Auto weg.“

Maisachs Bürgermeister optimistisch

Die Erkenntnisse sehe er nicht so pessimistisch, sagte Maisachs Bürgermeister Hans Seidl, sondern er sehe sie als Motivation zum Aufbruch, das Ganze zu analysieren, festzustellen, wo man stehe und dass die Kommunen den Klimaschutz ganz oben ansiedeln müssen. Es mache keinen Sinn, sich in der Region über Wohnraum und Arbeitsplätze zu unterhalten, wenn letztendlich die Lebensgrundlagen schwinden.

Mammendorf will zweites Windrad

Das gute Windradjahr habe die Gemeinde Mammendorf motiviert, ein weiteres in Angriff zu nehmen, berichtete Werner Zauser, Energiereferent der Gemeinde Mammendorf, vom Erfolg des Windrades, das die Gemeinde mit den Stadtwerken und der Stadt Fürstenfeldbruck betreibt. Es gehe schon was in der Gemeinde, meinte Zauser. Man müsse nur mit den Bürgern stärker in den Dialog treten. So könnte man eine Anlage mit Bürgerbeteiligung errichten.

Dieter Metzler

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