Zu viel Regen im vergangenen Jahr

Nasser Sommer vermiest Lust am Garteln

Nach Ostern kann auf den Sonnenäckern wieder gegartelt werden.

Landkreis – Der Frühling ist da – und viele Hobby-Gärtner juckt es bereits in den Fingern. Auch die Gartler auf den Sonnenäckern von Brucker Land stehen in den Startlöchern. Nach Ostern geht es auf den meisten Feldern los. Doch im Vergleich zu den Vorjahren hält sich die Nachfrage heuer in Grenzen.

Die Bilder aus Braunsbach oder Simbach am Inn haben sich bei vielen Menschen ins Gedächtnis gebrannt. Braune Flutwellen wälzen sich durch die Orte, reißen alles mit, was in ihrem Weg steht. Der Sommer 2016 geht als Unwetter-Sommer in die Geschichte ein. Der Landkreis blieb von größeren Katastrophen glücklicherweise verschont. Aber auch hier fiel die warme Jahreszeit deutlich zu nass aus. Fast ein Jahr ist das jetzt her – doch die Nachwirkungen sind noch immer zu spüren. Denn die viele Feuchtigkeit sorgte bei den Gartlern auf den Sonnenäckern offenbar für Unmut – Fäulnis und schlechte Erträge haben einigen Hobby-Gärtnern die Lust am säen und jäten gründlich verhagelt. Das schlägt sich in den Anmeldezahlen für die Sonnenacker-Saison 2017 nieder. „Die Nachfrage ist geringer als in den vergangenen Jahren“, sagt Christine Andermann, Sonnenacker-Beauftragte von Brucker Land. 

Äcker von Kottgeisering bis Puchheim

Zehn Äcker bietet die Solidargemeinschaft heuer zum Garteln an. Von Kottgeisering bis Puchheim ziehen die Landwirte, denen die Felder gehören, so genannte Bifänge in den Boden. Für 60 Euro können sich Gärtner und jene, die es werden wollen, 100 Meter der Kartoffeldämme für die Anbausaison mieten. Was sie kultivieren, entscheiden die Pächter selbst. Einzige Auflage: Mineralische Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel sind tabu. 

Natürliche Kreisläufe stehen im Vordergrund

Das Projekt geht heuer in seine 17. Saison. Für die Initiatoren steht wie in den vergangenen 16 Jahren die Vermittlung der natürlichen Kreisläufe im Vordergrund. „Die Menschen sollen sehen, dass Zucchinis, Bohnen oder Salat nicht im Supermarkt wachsen“, sagt Andermann. Mit dem Projekt soll außerdem die Wertschätzung für Lebensmittel gesteigert werden. Die Idee: Wer einmal am eigenen Leib erfährt, wie viel Arbeit es macht, dem Boden ein paar würzige Radieserl oder einen Eimer Kartoffeln abzuringen, wird sich künftig zwei Mal überlegen, Lebensmittel in den Müll zu kippen. 

Auch Gymnasiasten und Flüchtlinge garteln mit

Damit dieser Gedanke schon bei der jungen Generation gedeiht, haben in den vergangenen Jahren auch Gymnasiasten im Rahmen ihrer Projekt-Seminare gegartelt. Auch für Flüchtlinge, die während der Wartezeit auf ihre Duldung zum Nichtstun verdammt sind, waren einige Parzellen reserviert.

Damit gerade Neulinge nicht sofort die Lust ob der vielen Arbeit verlieren, geben Andermann und ihre Kollegin Karin Geraldy zu Beginn der Saison immer Anbau-Tipps für Anfänger. Oberste Prämisse ist dabei: Mit dem Wetter garteln. Ist ein dickes Hochdruckgebiet über Mitteleuropa vor Anker gegangen mache es etwa keinen Sinn zu pflanzen. Macht sich allerdings ein Tief mit Regen im Gepäck vom Atlantik auf in Richtung des Landkreises, steht der Aussaat nichts mehr im Wege. „Auch das Gießen ist immer ein großes Thema“, sagt Andermann. Sie hält das oft beschwerliche Herankarren von Wasser für überflüssig. Ihr Credo: Ohne gießen bilden die Pflanzen tiefere Wurzeln und können durch die im Boden gespeicherte Feuchtigkeit auch längere Trockenphasen überstehen. 

Zahl der Anmeldungen weit unter Vorjahres-Niveau

Ausbleibender Niederschlag bereitet der 45-Jährigen kein Kopfzerbrechen. Ausbleibende Anmeldungen für ihr Herzens-Projekt schon. Für die Saison 2017 hat Andermann bisher 149 Bifänge an 174 Gartler verpachtet. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es 238 Kartoffeldämme, gemietet von 266 Pächtern. Jetzt hofft Andermann doch noch aufs Wetter. Mehrere sonnige Tage am Stück sollen bei vielen Unentschlossenen die Lust am Garteln wecken – Platz ist noch genug.

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