Entscheidung noch ungewiss

Ausschuss uneinig über zukünftige Ansiedlung der Post in Germering

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Die Post will sich im Gewerbegebiet Nord auf einer Fläche von sechs Fußballfeldern ansiedeln.

In einem Punkt war man sich am Dienstagabend im Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss zumindest einig – dass man sich nicht einig ist. Das Thema polarisiert und das nicht nur die Politiker, sondern auch die Bürger. Nicht nur die Zuschauerplätze waren belegt, auch Stadträte, die nicht dem Gremium angehören, waren an diesem Abend vor Ort.

Wie bereits im November berichtet, will sich die Deutsche Post im Germeringer Gewerbegebiet Nord niederlassen. Geplant sind neben einem Postverteilzentrum Räume für die Verwaltung und Geschäftsführung rund um den Bereich Brief – das beinhaltet die postalische Versorgung des kompletten süddeutschen Raumes über Garmisch-Partenkirchen bis nach Berchtesgaden. Gut vorbereitet zeigte sich Thomas Schlickenrieder, Projektleiter der Post, mit einer detaillierten Aufstellung davon, was im Germeringer Norden geplant ist. Unterstützung holte er sich von der Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, die sich zur Gestaltung des Areals äußerte. Klar ist, die Post will die Stadt von ihrem Vorhaben überzeugen – aber auch klar ist, die einzelnen Stadträte sind sich über eine Ansiedlung des Verteilzentrums in ihrer Stadt uneinig, das auch innerparteilich, wie eine spätere Diskussion zeigt. 

1.300 Arbeitsplätze plant die Post - viele sollen von Germeringern übernommen werden

Zunächst ergreift Schlickenrieder das Wort und referiert über die Vorteile seines Unternehmens. Kurz um stellt er die Post als modernen Arbeitsplatz dar, der auch ausbildet, der nicht mehr Verkehr nach Germering bringt und für ausreichend Ausgleichsflächen sorgen wird. Auch mit ver.di habe man sich im Vorfeld geeinigt, wie Schlickenrieder sagt. „Geplant sind etwa 1.300 Arbeitsplätze – 286 davon in Vollzeit und 1.014 in Teilzeit“. Viele dieser Arbeitsplätze sollen dabei von Germeringern selbst übernommen werden.

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Denn das oftmals als Schlafstadt titulierte Germering soll aus seinem Dornröschenschlaf erwachen und für die eigenen Bewohner Arbeit zur Verfügung stellen. Arbeiten und wohnen in derselben Stadt, für viele ist dies ein Traum. Der lange Arbeitsweg und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten wie Staus oder Verzögerungen durch den öffentlichen Nahverkehr würden wegfallen. „Die Post will einen Millionenbetrag investieren“, erklärt Schlickenrieder. Geld dient hierbei als ein erheblicher Faktor für die Entscheidungsfindung vieler Stadträte, besonders derer, die Teil des Wirtschaftsverbandes sind, wie Albert Metz oder Katrin Schmidt (beide CSU). Denn eines sei sicher, die Post schaffe nicht nur potentielle Arbeitsplätze, sondern ziehe damit auch eine erhebliche Kaufkraft mit sich – ganz abgesehen von den Einnahmen der Stadt durch die Gewerbesteuer. Das sieht auch Parteikollege Franz Senninger so. Er denkt dabei an die Wirtschaftskrise im Jahr 2008 zurück. „Hätte uns die Post zu diesem Zeitpunkt einen solchen Vorschlag gemacht, hätten wir sofort zugeschlagen“, so Senninger. 

Aber ist Geld alles?

Dennoch sei ihm selten eine Entscheidung so schwer gefallen wie diese – und da ist er nicht der Einzige. Man könne schließlich nicht immer nur Ausgaben tätigen, sondern müsse auch Einnahmen haben. Dieser Ansicht ist vor allem Zweiter Bürgermeister Wolfgang Andre, für den dieser Beschluss einer der wichtigsten der letzten Jahre sei. Aber ist Geld alles? Diese Frage steht für viele Stadträte auf der anderen Seite. Das Vorhaben der Post bedeutet folglich auch eine erhebliche Versiegelung des Germeringer Nordens. Flächen, die bisher landwirtschaftlich genutzt werden, verschwinden somit gänzlich aus dem Landschaftsbild. 

Ausgleichsflächen und eine Versiegelung von 66 Prozent geplant

Dies stößt besonders der ÖDP-Politikerin und Landwirtin Karin Sepp sauer auf. Ein Punkt, der zu Diskussionen anregt und die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard auf den Plan ruft. Sie hat das Konzept ausgefertigt, dass nach modernsten ökologischen Standards handelt. Dazu gehört eine ausgiebige Dach- und Fassadenbegrünung mit Photovoltaikanlage sowie genügend Ausgleichsflächen mit Bäumen, sodass eine Versiegelung von 66 Prozent geplant sei. „Im Vergleich sind 80 Prozent der übliche Wert bei einer Flächenversiegelung“, erläutert Gebhard. Die Post zeige damit folglich ihre Kompromissbereitschaft und wolle sich zum Thema Biodiversität mehr als an die Vorgaben halten. Fakt sei, so der Oberbürgermeister, dass das Gebiet nördlich der Augsburger Straße bereits in der Rahmenplanung aus dem Jahr 2001 als Gewerbegebiet ausgewiesen worden sei. 

Angst vor Lärmbelästigung, Verkehr und Lichtverschmutzung

Kurzzeitig entsteht das Gefühl, als wolle ganz allgemein darüber diskutiert werden, ob der Ausbau des bereits bestehenden Gewerbegebiets überhaupt vorangetrieben werden solle, denn, und das leuchtet auch vielen Stadträten ein, „wenn die Post sich hier nicht ansiedelt, dann tun es andere Betriebe, die vielleicht nicht so kooperativ sind“, wie der OB zusammenfasst. Die SPD, allen voran Robert Baumgartner, spricht sich entschieden gegen die Postniederlassung aus. Er zieht den Vergleich zum Fußball: „Das ist eine Fläche von sechs Fußballfeldern, die da versiegelt wird.“ Kritisch sehen sie auch die Größe des Gebäudes sowie die Lärmbelästigung durch den zunehmenden Verkehr und die erhebliche Lichtverschmutzung für das angrenzende Wohngebiet. „Germering soll lebenswert bleiben, die Post ist nicht gut für Germering“, sagt er weiter. 

Grünen sind sich uneins

Bei den Grünen herrscht Uneinigkeit. Während sich Angelika Kropp-Dürr gewaltig Luft macht und das Vorhaben der Post als Nachteil für Germering sieht, ist ihre Parteikollegin Barbara Hagmann von den Vorteilen überzeugt und sieht die Post als kleineres Übel, als mögliche andere Unternehmen. 

Sitzung wird vertragt

Nach langem Diskutieren meldet sich Fraktionssprecherin Agnes Dürr zu Wort, die zwar nicht dem Gremium angehört, aber dennoch als Zuhörerin da ist. Sie schlägt kurzerhand eine Vertagung der Sitzung vor, um sich über Gesagtes innerparteilich nähere Gedanken zu machen. Diesem Vorhaben schließt sich auch OB Haas an. Die Sitzung wurde vertagt, auch wenn der Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss nur eine vorberatende Funktion übernimmt, soll noch einmal „darüber geschlafen werden“, wie Oberbürgermeister Haas zum Schluss der dreistündigen Sitzung verkündet. Es muss das Für und Wider abgewogen werden, bis es zu einer letztendlichen Entscheidung in einer der nächsten Stadtratssitzungen kommt. Denn nur dieser ist wegweisend für eine Zukunft der Post in Germering. 

Claudia Becker

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