Rückkehr in den Beruf: Oft fehlt der Mut, wieder rauszugehen in die Arbeitswelt 

Projekt "Neuer Start" hilft Frauen nach der Familienpause zurück in den Beruf

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Roswitha Pizzinini assistiert ihrem Mann Dr. Peter Pizzinini bei der Operation einer verletzten Katze.

Fürstenfeldbruck – Roswitha Pizzinini hat viele Jahre der Familie gewidmet. Die gebürtige Österreicherin und ihr Mann Peter haben fünf Kinder im Alter von 10 bis 22 Jahren. Die heute 49-Jährige ist gelernte Stewardess und hat bis zur Geburt ihres ersten Kindes für eine indonesische Fluglinie gearbeitet. Nach der Geburt des 5. Kindes war Pizzinini 10 Jahre lang nur für die Familie da. Dann keimte in ihr der Wunsch auf: „Ich wollte wieder etwas anderes machen.“ Durch einen Zufall ist ihrem Mann, der ursprünglich aus Südtirol stammt, ein Flyer des Projekts „Neuer Start“ in die Hände geraten.

 

Roswitha Pizzinini hat viele Jahre der Familie gewidmet. Die gebürtige Österreicherin und ihr Mann Peter haben fünf Kinder im Alter von 10 bis 22 Jahren. Die heute 49-Jährige ist gelernte Stewardess und hat bis zur Geburt ihres ersten Kindes für eine indonesische Fluglinie gearbeitet. Nach der Geburt des 5. Kindes war Pizzinini 10 Jahre lang nur für die Familie da. Dann keimte in ihr der Wunsch auf: „Ich wollte wieder etwas anderes machen.“ Durch einen Zufall ist ihrem Mann, der ursprünglich aus Südtirol stammt, ein Flyer des Projekts „Neuer Start“ in die Hände geraten.

Das Programm „Neuer Start“ ist ein „Motivierungs- und Orientierungskurs für Frauen zwischen 30 und 58 Jahren, die sich beruflich umorientieren oder nach der Familienphase wieder in den Beruf zurückkehren wollen“, erklärt die Projektleiterin Viola Lombard. Ein Team aus fünf bis sieben Dozentinnen und Dozenten unterstützt die Frauen nicht nur bei der Analyse ihrer Stärken, sondern nimmt auch Stimme und Körpersprache unter die Lupe, führt die Teilnehmerinnen durch ein Bewerbungstraining und checkt sogar den Kleiderschrank im Hinblick auf die Frage, was für welchen Anlass geeignet ist. Darüber hinaus wird im nächsten Kurs auch eine Referentin zum Thema Altersvorsorge und Versicherung informieren.

Ein Job an der Rezeption – zwar in der Tierarztpraxis und nicht im Hotel, wie Roswitha Pizzinini es sich wünscht, aber es ist ein Anfang.

Roswitha Pizzinini war sofort begeistert von dem Projekt und hat von April bis Juli 2013 am Kurs teilgenommen. „Ich wollte vor allem mehr über mich selbst erfahren: Worin bin ich gut, worin weniger“, beschreibt sie ihre Erwartungen. Einen großen Gewinn sieht sie darin, „dass ich das Selbstbewusstsein wieder habe, das ich früher beruflich hatte“, betont sie.

Diese Beobachtung macht auch Lombard immer wieder in den Kursen „Oft fehlt den Frauen das Selbstbewusstsein, etwas Neues anzufangen“. Deshalb steht am Anfang des Kurses auch eine Standortanalyse: „Egal, ob ich Verkäuferin oder Juristin bin, jede Frau bringt Fähigkeiten mit", betont die Projektleiterin. Diese werden mit verschiedenen Methoden herausgearbeitet. Sind die Stärken und Fähigkeiten bewusst, kann es an die Suche nach passenden Tätigkeiten gehen. Dabei hilft das ins Programm eingebettete dreiwöchige Praktikum.

Für Roswitha Pizzinini war ihr praktischer Einsatz sehr aufschlussreich. Sie hat drei Wochen bei den Helfenden Händen in München gearbeitet, einem Verein, der mehrfachbehinderte Kinder und Erwachsene fördert und betreut. „Durch meine Familienerfahrung ging mir diese Arbeit leicht von der Hand“, berichtet die fünffache Mutter. „Es war eine schöne Erfahrung, aber danach wusste ich, das kann ich nicht machen, solange meine Familie mich auch noch in dem Maße braucht, wie es derzeit noch der Fall ist.“

Als großes Ziel des Programms „Neuer Start“ formuliert Viola Lombard, die Frauen zu stärken, souverän zu handeln und sich bewusst darüber zu sein, welches Ziel sie haben.“ Dabei spielen der Austausch mit anderen Müttern und das Feedback von den Dozenten wie auch den anderen Teilnehmerinnen eine große Rolle. Diese Erfahrung hat auch die Roswitha Pizzinini gemacht: „Alle haben mir versichert, dass ich multitaskingfähig bin und sehr gut organisieren kann“, berichtet die gelernte Stewardess aus dem Kurs. „Ich dachte immer, das ist nicht so eine Riesenleistung, wenn man die Familie managt, aber das ist es schon!“, sagt sie heute.

Für Roswitha Pizzinini hat ihre Teilnahme am Programm vor allem bewirkt, dass sie ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen besser einordnen kann. „Schon bei der Frage: ‚Soll ich oder soll ich nicht’ bin ich steckengeblieben“, beschreibt sie. „Jetzt weiß ich: ich soll und ich kann.“

„Roswitha ist hochmotiviert aus dem Kurs gekommen“, bestätigt ihr Mann Peter Pizzinini. „Das war die auffälligste Folge.“ Sie hat sich als Hotelrezeptionistin beworben –eine Tätigkeit, bei der sie ihre Stärken gut einbringen kann - und hatte sogar schon eine Zusage, als die Auszubildende in der Tierarztpraxis ihres Mannes erkrankte. Die fehlende Kraft musste schnell ersetzt werden, so ist die fünffache Mutter „notfallmäßig eingesprungen. Aber inzwischen habe ich meine Bereiche gefunden und kümmere mich um die Rezeption, um organisatorische Dinge und helfe auch in der Praxis bei der Behandlung der Tiere mit“, erzählt Roswitha Pizzinini.

Nebenbei bewirbt sie sich weiter und hofft, dass im September ein neuer Lehrling in die Tierarztpraxis kommt. „Mein eigener Zukunftswunsch wird sich also noch verschieben, aber das ist gar nicht schlimm“, sagt die 49-Jährige versöhnlich, „denn ich habe hier viel gelernt“.

Die nächste Informationsveranstaltung des Neuen Start findet mit den Dozentinnen am 24. Februar 2014 um 09:30 Uhr im Landratsamt FFB  statt. Nähere Informationen gibt es unter www.neuerstart-ffb.de.

Julia Hosan

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