Am Anfang war das Licht

100 Jahre Plansee: Von der kleinen Firma im Außerfern zum Weltmarktführer

Historische Aufnahme von der Werksberufsschule der Plansee Group.
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Vom Werkskindergarten über Lehrlingswerkstatt, ergänzende Werksberufsschule bis zur Planseeschule geht das weitreichende Bildungsengagement.
  • VonTamara Lehmann
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Breitenwang - Einen runden Geburtstag feiert heuer die Plansee Group. Vor genau 100 Jahren, am 24. Juni 1921, gründete Paul Schwarzkopf die Metallwerk Plansee GmbH in Reutte.

Pionier und Firmengründer Paul Schwarzkopf.

Schwarzkopf gilt als einer der Pioniere der Pulvermetallurgie und hatte ein Verfahren für die Produktion von Glühfäden für Glühlampen entwickelt. Aufgrund der damals sehr hohen Energiekosten war er auf der Suche nach einem günstigen Produktionsstandort mit ausreichender Wasserkraft.

Als er eher zufällig über ein Zeitungsinserat am Plansee stolperte, machte er sich direkt auf den Weg – der Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte: von Reutte aus werden heute 50 Produktionsstandorte und Vertriebsniederlassungen in 50 Ländern gesteuert. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 13.000 Mitarbeiter und ist Weltmarktführer.

Firmengründer Schwarzkopf war ein Alchemist, der schon früh das Potential der Werkstoffen Molybdän und Wolfram erkannt hatte. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte er ein Verfahren zur industriellen Herstellung von Glühfäden aus Wolframdraht entwickelt. 1909 zählte er zu den Mitbegründern der „Deutschen Glühfadenfabrik“, der elf Jahre später noch die Fabrik „Naamlooze Vennootschap Vereenigte Draadfabricken“ in den Niederlanden folgte.

Die Nachfrage nach elektrischem Licht war Anfang des 20. Jahrhunderts enorm, die Energiekosten allerdings auch. Dies war eben der Grund, warum Schwarzkopf nach einer günstigen Alternative für seine Produktionsstätte suchte.

Liebe zur Region

Es waren die Berge, der Plansee, der Urisee, und auch die Bevölkerung, die es Schwarzkopf in kurzer Zeit angetan haben, heißt es in der Jubiläums-Publikation des Unternehmens. Denn schon während seiner Offiziersausbildung in Wattens und der Tage an der Front in Südtirol sei die Liebe zu dieser Region gewachsen. So folgte Schwarzkopf bei der Entscheidung, das Werk im Außerfern zu gründen letztendlich seinem Herzen. Trotz der schlechter Verkehrs- und Telefonverbindungen und dem zu erwartenden Fachkräftemangel unterschrieb er zusammen mit seinem Geschäftspartner Richard Kurtz den Gründungsvertrag.

Beim anschließenden Kauf eines Betriebsgrundstückes erwies sich die Gemeinde Reutte allerdings als nicht sehr kooperativ. Kurzerhand war es Schwarzkopf jedoch gelungen in der Nachbargemeinde Breitenwang ein Grundstück für sein künftiges Metallwerk Plansee zu erwerben.

Ein Auftrag von Henry Ford

Ein Jahr später bereits eröffnete er dort das neue Werk mit 15 Mitarbeitern und führte Interessierte wie auch Pressevertreter durch die Fabrik. Mit dem dortigen Start der Glühfadenproduktion kamen bald neue Komponenten dazu. So kehrte Schwarzkopf von einer Reise aus den USA mit einem Auftrag von Henry Ford zur Fertigung von Kontaktplättchen zurück. Und auch für Röntgengeräte stellte das junge Unternehmen bald Anoden her.

Der Fokus des Betriebs lag weitgehend auf den bereits erwähnten Werkstoffen, deren Vielseitigkeit Schwarzkopf erkannt hatte: „Unsere Metalle treiben Maschinen an, bringen Licht in unsere Häuser, übertragen Wort und Bild über große Entfernungen und leisten tausend andere nützliche wichtig Dienste.“

Das Unternehmen wuchs und genoss innerhalb kurzer Zeit bereits Weltruf. Über die Jahrzehnte veränderte sich das Unternehmen weiter, passte sich mit neuen Produkten dem Zeitgeist und den neuen Anforderungen an.

Eigene Berufsschule

„Das Wesen von Plansee liegt in der Fähigkeit zur Metamorphose. Seit 100 Jahren bauen wir unseren Kunden immer wieder Brücken in neue Anwendungswelten und dabei verwandeln wir uns mit“, sagt der aktuelle Vorstand Wolfgang Köck. Heute stellt das Unternehmen mehr als 75.000 Produkte an 50 Produktionsstandorten her. Es sind Produkte aus den Bereichen der Medizintechnik, Energieübertragung, Baubranche und Halbleiterfertigung etc., die das Leben nicht nur sicherer, fortschrittlicher, sondern auch mobiler und digitaler machen. Neben Komponenten in High-Tech Geräten gehören dazu auch viele Produkte des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel in Smartphones, Tablets, Computern und auch in Chronographen.

Ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn, Ausflüge, Familienbesuchstage und das 1947 gegründete Werksorchester gehören zur Unternehmensphilosophie.

Um das Unternehmen weiter voranzubringen und auf dem Weltmarkt bestehen zu können, legte die Unternehmensführung seit Ende der 30er Jahre einen großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter. Neben einer eigenen Lehrwerkstatt errichtete Schwarzkopf eine Werkberufsschule sowie ein Realgymnasium auf dem Werksgelände.

Auch ein Großteil des jährlichen Gewinns wird für den Ausbau der Infrastruktur, für die Entwicklung und die Modernisierung von Anlagen und Technologien investiert. Die Plansee Group ist bis heute ein familiengeführtes Unternehmen, mit dem Enkel des Firmengründers, Michael Schwarzkopf im Aufsichtsrat. .

Gerne hätte das Unternehmen das 100-jährige Jubiläum gefeiert, die Corona-Krise jedoch machte der Plansee Group einen Strich durch die Rechnung. Statt der Jubiläumsfeier mit Mitarbeitern, Freunden, Partnern und Ehrengästen gab es am vergangenen Montag „nur“ einen digitalen Festakt mit Grußworten mit musikalischem Rahmen. „Natürlich ersetzt das nicht den geplanten Familienbesuchstag. Auch wenn wir bis heute keinen festen Termin einplanen könne, wird die Feier voraussichtlich im Herbst nachgeholt“, verspricht Vorstandsvorsitzender Karlheinz Wex.

Digitale Feier

Die digitale Jubiläumsfeier wurde am Montag ab 11 Uhr in verschiedenen Unternehmensbereichen der Plansee Group ausgestrahlt. Im Anschluss wird sie im Youtube-Kanal der Plansee Group abrufbar sein. Als Highlights werden dabei die Unternehmensgeschichte als Spielfilm mit dem Titel „Zwei in ihrem Element“ präsentiert, sowie das illustrierte Buch zum Jubiläum „100 Jahre Pulverzauber und Metallurgenkunst am Plansee“ gezeigt.

kb

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