"Alle Viecher sind gesund"

Mit Unterstützung eines Hirten und seiner Frau Bärbl führt Oberhirte Meinhard Sick (rechts) eine der beiden prachtvoll geschmückten Kranzkühe von der Alpe zum Viehscheidplatz in Nesselwang Foto: Lang

Nesselwang – Traditionell ging das Nesselwanger Herbstfest am Dienstag mit dem Viehscheid zu Ende. 112 Schumpen und Rinder wurden von ihren Sommerweiden zum Scheidplatz am Feuerwehrhaus getrieben. Knapp 2000 Zuschauer säumten die Wege und den Hang am Scheidplatz. 

Selten waren so viele Kameras dabei wie in diesem Jahr. Auch das Bayerische Fernsehen nahm auf, auch wenn es nicht extra zum Viehscheid, sondern zum Thema „Dialekt“ gekommen war. Angeführt von der Harmoniemusik Nesselwang führten die Hirten die Rinder in kleinen Gruppen ins Dorf. Allen voran die beiden Kranztiere mit ihren kunstvoll angefertigten Kränzen aus Distel-, Edelweiß- und Nadelzweigen. Geführt wurden sie von Meinhard Sick, dem diesjährigen Oberhirten und von der Wirtin des Enzianstübles an der Alpspitze, Stephanie Ranacher. Die junge Wirtin hat einen besonderen Bezug zu den Tieren, werden sie doch einen Tag vor dem Viehscheid von der Oberen und Unteren Alpe hinter ihr Stüble gebracht. Dort bekommen sie die Schellen zum Gewöhnen angelegt. „Liebevoll sind der Herr Sick und seine Hirten mit den Tieren da oben beim ,Ankranzen` umgegangen“, begeisterte sich Ingrid Rösner von Nesselwang Marketing GmbH. 

Der auf vorchristlichen Ursprung zurückgreifende Brauch des Viehscheids wird in Nesselwang auch heute noch ernst genommen. „Und das werden wir auch nicht ändern“, versicherte Toni Steiner, der am Scheidplatz moderierte und erzählte. „Zwei Kranzrinder bedeuten: Es gab auf keiner Alpe einen Zwischenfall, alle Viecher sind gesund und am Leben geblieben.“ Einziger Wermutstropfen in diesem Jahr: Eine der beiden ausgesuchten Kranzrinder brach sich einen Tag vor dem Viehscheid ein Horn ab und konnte deshalb nicht mehr die Krone tragen. 

Arbeiten bis in die Nacht 

Das bedeutete Stress für Familie Sick, denn das schnell neu ausgesuchte Kranzrind musste kurzfristig ausgemessen und die vorbereitete Krone zurecht gebunden werden. Bis in die Nacht hatten Bärbl Sick und ihre Schwägerin Hildegard Poppler an den Kronen gearbeitet, nicht nur damit sie so gut wie möglich passten, auch weil die Pflanzen frisch sein sollten. 

„Die Stephanie führt eine original ,Allgäuer Braune` und Meinhard Sick eine Kreuzung mit Brown-Swiss-Rindern“, erklärte der Scheidplatz-Sprecher. Warum das Allgäuer Braunvieh seit circa 30 Jahren mit den amerikanischen Brown-Swiss-Rindern gekreuzt werden, erklärte Anton Steiner dem Kreisboten: „Wegen der Milch. Die geben mehr, haben ein riesiges Euter aber – mit Verlaub: keinen Orsch, wie die Metzger sagen.“ jl

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