So viele Unfalltote wie lange nicht mehr

Füssens Polizeichef: "Das ist brutal"

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Auch dieser Lkw-Unfall auf Höhe Hopferau fließt in die Statistik mit ein.

Füssen/Landkreis – E-Bikes, E-Scooter und mehr Fahrradfahrer – das Mobilitätsverhalten von Einheimischen und Gästen verändert sich zunehmend.

Das hat auch Auswirkungen auf die polizeiliche Verkehrsunfallstatistik: Allein im vergangenen Jahr kamen im Zuständigkeitsbereich der PI Füssen zwei E-Bike-Fahrer ums Leben. Neben den zwei Pedelec-Fahrern starben fünf weitere Menschen 2018 in der Region rund um Füssen bei Verkehrsunfällen (2017: eine) – so viele, wie lange nicht mehr. „Das ist brutal für uns“, so Polizeichef Edmund Martin.

 Dazu gehörten unter anderem zwei tödlich verunglückten Quad-Fahrer auf dem Breitenberg, eine junge Soldatin bei Hopferau und ein Motoradfahrer, der bei Rieden mit einem Wohnmobil zusammenstieß. „Der Quadunfall war atypisch“, so Martin. Die Ursachen für die tödlichen Unfällen seien jeweils Fahrfehler oder Unachtsamkeit gewesen. „Diesmal hat die Geschwindigkeit nichts damit zu tun“, erklärte Martin. Auch besondere Unfallschwerpunkte ließen sich nicht feststellen – was es seinen Beamten ungleich schwerer mache, etwas präventiv zu unternehmen. 

Insgesamt verzeichneten die Beamten der PI Füssen und der PI Pfronten im vergangenen Jahr 32 Unfälle, bei denen Pedelec-Fahrer beteiligt waren. Das waren neun mehr als im Vorjahr, wie Polizeichef Edmund Martin, Thomas Zeidler, Leiter der PI Pfronten, sowie Verkehrsexperte Thomas Meiler am Freitag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2018 berichteten. Für den Bereich Füssen bedeute das eine Steigerung um rund 14 Prozent, für den Bereich Pfronten sogar um 300 Prozent. Hauptursache für die E-Bike-Unfälle: zu hohes Tempo durch Unterschätzen der Kraft des Rads vor allem durch ältere Fahrer und Überholen. „Das wird uns weiter beschäftigen“, so Zeidler.

Trotz des zunehmenden Radverkehrs ist die Zahl der Fahrradunfälle insgesamt im vergangenen Jahr aber von 142 Unfällen in 2017 auf 124 zurück gegangen. „Dafür, dass wir Radregion sind, ist das wenig“, sagte Thomas Zeidler. Dabei wurden 115 Menschen (2017: 121) verletzt. Die meisten Radler stürzten demnach ohne Fremdbeteiligung. Bedenklich aus Sicht der Polizei: 64 der betroffenen Radler hatten keinen Helm auf (2017: 62). Überdurchschnittlich oft beteiligt an den Rad-Unfällen war die Altersgruppe 51 bis 60-Jährigen. 

Bei den übrigen Unfällen lasse sich ebenfalls kein eindeutiger Schwerpunkt erkennen, so die drei Beamten. Allerdings krache es an bestimmten Stellen wie der B16 auf Höhe Tiefental, Höhe Rieden a.F. und Tierheim, von der König-Ludwig-Brücke bis Füssen, auf der B310 an der Autobahnanschlussstelle, auf der OAL 1 zwischen Kunstpark und Staudamm, Staatsstraße 2059 auf Höhe Lusse oder in Pfronten an der Einmündung Bahnhofstraße/Allgäuer Straße häufiger als anderswo.

Insgesamt ist die Zahl der Unfälle in 2018 aber leicht von 1626 auf 1619 zurück gegangen. Dabei entfallen auf den Bereich der PI Füssen 1270 (1302) und den der PI Pfronten 349 (324) Unfälle. Bei 56 Prozent der Unfälle handelte es sich um Kleinunfälle. Bei 248 (245) Unfällen wurden 333 (296) Menschen verletzt.

Mehr Fahrer unter Drogen

Relativ konstant bleibt auch die Zahl der Schulwegunfälle mit zwei (2017: vier). Dabei verletzte sich eine 12-Jährige in Füssen beim Sturz mit dem Fahrrad so schwer, dass sie mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden musste. Nicht nur das veränderte Mobilitätsverhalten hat Einfluss auf die Unfallstatistik, auch der Demographische Wandel. 

Während die Zahl der an Unfällen beteiligten jungen Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren von 129 auf 105 zurück ging, stieg die Zahl der in Unfälle verwickelten Senioren von 165 auf 170 im vergangenen Jahr. 101 mal waren die Senioren dabei auch Verursacher. Allerdings enden die Unfälle mit jüngeren Fahrern in der Regel weitaus heftiger, da hier meist zu schnelles Fahren die Ursache sei. Zurück gegangen ist auch die Zahl der betrunkenen Unfallverursacher – von 20 in 2017 auf 16. Zwei Unfallverursacher standen unter Drogeneinfluss. 

Überhaupt verzeichneten die Beamten mit 43 (27) im vergangenen Jahr eine deutliche Zunahme an Fahrern, die unter Drogeneinfluss unterwegs waren. Das liege aber auch daran, dass es den Polizisten aufgrund besserer Schulungen mittlerweile leichter falle, solche zu erkennen. Die Zahl der unter Alkoholeinfluss stehenden Verkehrsteilnehmer war mit 76 (78) dagegen leicht rückläufig.

Ein Ärgernis für alle Beteiligten bleiben die Unfallfluchten, deren Zahl im vergangenen Jahr von 274 auf 315 deutlich anstieg. Schwerpunkt seien hier die Königsschlösser-Parkplätze in Hohenschwangau. In 116 (103) Fällen gelang es der Polizei, den Täter zu ermitteln. „Da steckt viel akribische Arbeit dahinter“, betonte Martin. Der Füssener Polizeichef kündigte an, weiterhin stark auf Prävention und Kontrollen zu setzen. Vor allem beim Fahrradaktionstag und der „Radlrunde Ostallgäu“ soll demnach Präsenz gezeigt werden.

mm

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