"750 Euro für ein Grundrecht"

Auf der anderen Straßenseite: Die Wahl der Vertrauenspersonen mussten die IG-Metall-Mitglieder außerhalb des PMG-Geländes absolvieren. Foto: Schuster

Beim Füssener Autozulieferer PMG hängt der Haussegen schief: Offenbar hat die Geschäftsführung der Belegschaft Geld geboten, wenn sie sich heuer nicht an Streikaktionen beteiligt. Zudem will sie das bisherige Leistungsentgelt durch eine Erfolgsabhängige Prämie ersetzen. Darüber hinaus verklagt die Geschäftsführung den Betriebsratsvorsitzenden und verbot eine Gewerkschaftswahl auf dem Betriebsgelände. Bei der Gewerkschaft IG Metall ist man empört, PMG-Geschäftsführer Christian Rasch will sich angesichts der aktuellen Tarifverhandlungen nicht äußern.

„Ein Grundrecht ist bei der Firma PMG in Füssen 750 Euro wert“, echauffierte sich der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kempten, Dietmar Jansen, jüngst in einer Pressemitteilung. So viel hat die Geschäftsführung jüngst der Belegschaft geboten, wenn sie dieses Jahr auf die Teilnahme an Streiks verzichtet. „Das ist im ganzen Allgäu noch nicht passiert, dass ein Geschäftsführer versucht, mit Geld den Beschäftigten ein Grundrecht unserer Demokratie abzukaufen“, so Jansen. Der Bevollmächtigte beklagt zudem weitere Maßnahmen der Geschäftsführung: „Des Weiteren wird von Seiten der Geschäftsführung eine- aus Sicht der IG Metall völlig unbegründete- Klage gegen die Person des Betriebsratsvorsitzenden geführt.“ Robert Breibeck, Kopf des Betriebsrats, sieht in der Klage den Versuch ihn mürbe zu machen. „Die Belegschaft steht hinter mir“ ist er sich sicher. Zwischen Gewerkschaft und Geschäftsführung herrscht Eiszeit. So durfte die Wahl der IG-Metall-Vertrauenspersonen kürzlich nicht wie sonst auf dem Konzerngelände stattfinden. Die Metaller wichen auf das Grundstück des Wasserwirtschaftsamts gegenüber von PMG aus. Das hatte Bürgermeister Paul Iacob zuvor genehmigt. Ende April ist PMG offenbar aus dem Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ausgetreten. Laut Breibeck wolle PMG nun statt des bisherigen Leistungsentgelts von 14 Prozent für jeden Mitarbeiter auf eine Prämie Umstellen, die sich nach dem Erfolg des Unternehmens richtet. In der Belegschaft fürchtet man Ein- kommenseinbußen, „die Kollegen wollen weiter ihren Tarifvertrag“, sagt Breibeck. PMG-Geschäftsführer Christian Rasch wollte sich gegenüber dem KREISBOTE während der laufenden Tarifverhandlungen nicht äußern. PMG hat etwa 300 Mitarbeiter und war erst Ende vergangenen Jahres von der Plansee-Gruppe an den Essener Investor VVG verkauft worden.

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