Wirtschaftlich schwierige Zeiten

Abgeordneter Stracke besucht Lebenshilfe Ostallgäu – Einrichtung hofft auf finanzielle Unterstützung

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Mit dem Geschäftsführer der Lebenshilfe Ostallgäu Klaus Prestele (rechts) spricht Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke (CSU) über die besonderen Herausforderungen, die die Einrichtungen in der Corona-Krise bewältigen müssen.

Landkreis – Über die Folgen der Pandemie auf die Einrichtungen der Lebenshilfe Ostallgäu hat jetzt der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU) mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Klaus Prestele gesprochen. Stracke hatte um das Treffen gebeten.

Er wollte sich über die Herausforderungen im Zuge der Corona-Pandemie austauschen, und erfahren, wie sich die Situation mit Blick auf den kommenden Herbst und dem Ende der Ferien darstellt.

Keine einfache Zeit sei es für die Lebenshilfe, erklärte Prestele. Von der Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen seien alle Einrichtungen betroffen. Zum Teil seien die Auswirkungen bis heute deutlich spürbar.

Der Lockdown hat die Tätigkeit der Menschen mit Behinderung in den Wertachtal-Werkstätten zwangsläufig sofort beendet. Da gerade diese Zielgruppe häufig von Vorerkrankungen betroffen ist und damit zur Risikogruppe gehört, mussten sie in den Wohnheimen der Lebenshilfe oder zu Hause bleiben. Auf diese Weise sollte die Ansteckungsgefahr für sie und andere so gering wie möglich gehalten werden.

Die Tagesstruktur, die normalerweise durch die Arbeit in den Werkstätten geregelt ist, musste das Personal nun aufwendig anderweitig in den Wohngruppen herstellen. Dies erforderte unter anderem eine hohe Flexibilität des Personals, das zum Beispiel von den Werk- und Förderstätten in die Heime wechselte. „Mit der Ausnahmeregelung zur Arbeitnehmerüberlassung hat uns der Bund hier sehr geholfen. Da hat die Politik viel richtig gemacht“, sagte Prestele.

Beschränkungen schwer umsetzbar

Ein Teil seines Personals, beispielsweise aus der heilpädagogischen Tagesstätte, der Frühförderung, des Medizinischen Dienstes und der Schulbegleitung habe er dennoch in Kurzarbeit schicken müssen. Die schrittweisen Lockerungen der coronabedingten Beschränkungen seien in den Lebenshilfe-Einrichtungen teils schwierig umzusetzen. Denn nur ein kleiner Teil der betreuten Menschen mit teils mehrfachen Behinderungen gehöre nicht zu den Risikogruppen oder sei in der Lage, sich an die strengen Hygieneauflagen und Abstandsregelungen zu halten. Dies bedeute zum einen die Auflösung und Umstrukturierung bestehender Gruppen. Für sie muss die Lebenshilfe nicht nur Raum schaffen, sondern auch Betreuung organisieren. Die Einrichtung arbeite zudem mit Hochdruck an eigenen Konzepten, denn die Wiedereingliederung in die Werkstätten, die tägliche Arbeit und die damit verbundene, wichtige klare Tagesstruktur habe oberste Priorität, erklärte Prestele.

250.000 Euro Umsatzeinbruch

Dies bedeute aber auch nicht zu unterschätzende Mehrkosten für größere Flächen, mehr Personal, zusätzliche Anschaffungen und vieles mehr. Schon jetzt sei klar, dass die Einrichtung wirtschaftlich schwierige Zeiten vor sich habe. Von April bis Juni verzeichneten die Wertachtal-Werkstätten einen Umsatzeinbruch von rund 250.000 Euro, informierte der Prestele. Das bisherige gute Lohnniveau in den Werkstätten wolle man auch 2021 weiter halten. Dafür reichten die Rücklagen der Lebenshilfe noch bis Ende des Jahres, führte der Geschäftsführer aus. Insgesamt bleibe die Frage, wie es finanziell weitergeht. „Eine gesicherte Finanzierung für die Behinderteneinrichtungen und eine Übernahme der hohen pandemiebedingten Mehrkosten und Ausfälle, wäre ein großes Anliegen an die Politik“, erklärte Prestele dazu. Stracke versprach sich weiterhin dafür einzusetzen.

„Durch die Pandemie wurde auch der Berufsbildungsbereich vor große Herausforderungen gestellt, da für die Betroffenen von einem Tag auf den anderen das gewohnte Lernumfeld weggebrochen ist. Wie konnten Sie dieses Problem lösen?“, wollte der Abgeordnete mit Blick auf die Berufsbildungsmaßnahmen in den Wertachtal-Werkstätten gerne wissen. Dies habe die Einrichtung ähnlich dem Home Schooling-System mit Telefon- und Videokonferenzen sowie eigens erstellten Arbeitsblättern und -material abgefangen. Insgesamt habe dies einigermaßen gut funktioniert. „Auf diese Weise haben wir auch den Kontakt zu unseren Beschäftigten gehalten“, berichtete Prestele.

Individuelle Lösungen bei Sport und Kultur

Auch bei den weggefallenen Maßnahmen zur Inklusion und Teilhabe wie den Angeboten aus den Bereichen Sport und Kultur habe die Lebenshilfe auf individuelle Lösungen gesetzt, zum Beispiel durch Einzeltraining.

Für die Arbeit der Lebenshilfe Ostallgäu in dieser nicht einfachen Zeit dankte der Bundestagsabgeordnete Stracke: „Für die Pandemie und die notwendigen politischen Entscheidungen gab es keine Blaupause. Sie haben die Einrichtungen der Lebenshilfe in vielerlei Hinsicht vor schwierige Situationen gestellt. Sie haben diese Herausforderungen kreativ und flexibel bewältigt.“

kb

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