Kirche "Zu den Acht Seligkeiten": Pfarrei informiert über den derzeitigen Planungsstand

Kirche wird wohl abgerissen

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Ihr Abriss scheint gewiss zu sein: Die Kirche „Zu den Acht Seligkeiten” in Füssen-West, nahe der Kaserne, bietet rund 600 Besuchern Platz. Doch so viele haben schon lange nicht mehr am Gottesdienst teilgenommen.

Füssen – So gut wie beschlossene Sache ist der Abriss der Kirche „Zu den Acht Seligkeiten”.

Das wurde bei einer Info-Veranstaltung zum „Pastoralen Nutzungskonzept für die Pfarreiengemeinschaft Füssen” deutlich, die im Franz-Xaver-Seelos Haus in der Altstadt stattfand. Ob es wirklich dazu kommt, soll bis Mitte November geklärt werden. Dann stehen die Entscheidungen aller Kirchenverwaltungen und Pfarrgemeinderäte mit dem Pastoralrat an. In der Pfarreiengemeinschaft Füssen werden die Weichen für die Zukunft gestellt.

Dabei sollten sich vor allem die in Füssen-West lebenden Katholiken allmählich darauf einstellen, dass „ihre Kirche” „Zu den Acht Seligkeiten” durch eine Abrissbirne dem Boden gleichgemacht wird. Nach intensiver Aufklärungsarbeit und zahlreichen Diskussionen sieht Stadtpfarrer Frank Deuring die Gemeinschaft der Gläubigen an einem Strang ziehen: „Abbruch heißt Aufbruch”, lautet nun der Leitsatz. 

In einer erneuten Info-Veranstaltung zum „Pastoralen Nutzungskonzept für die Pfarreiengemeinschaft Füssen” unterstrich Deuring: „Zukunft gestalten, statt Untergang verwalten” sei die große Aufgabe, bei der ein „Mords-Zeitdruck” herrsche. An der Stelle des 50-jährigen Gotteshauses, das wahrscheinlich bald nicht mehr existieren wird, könnte ein neues Gebäude mit großem Kindergarten und einem kleinen Kirchenraum gebaut werden. So sehen es die Pläne vor, die allerdings noch nicht beschlossen sind. 

Dazu werden noch Gremien tagen. „Es geht um die Schätzung der Gesamtkosten und darum, welchen Anteil davon die Pfarrei tragen muss.” Mitte November, so Deuring, stehe die Entscheidung aller Kirchenverwaltungen und Pfarrgemeinderäte mit dem Pastoralrat an. „Wenn sich diese Runde für das Projekt ausspricht, wird das weitere Vorgehen mit der Stadt Füssen abgestimmt.” 

Auf Nachfrage skizzierte Deuring den Zeitplan. „Bis spätestens Dezember 2021 erwarten wir, dass unser neues Zentrum in Füssen-West eröffnet werden kann”, erläuterte er im voll besetzten Saal des Seelos-Hauses in der Hinteren Gasse, das – wie er anmerkte – „wahrscheinlich im Zuge der Neuplanung aufgegeben wird.”

Als Alternative dafür bieten sich laut Deuring Räume im Füssener Franziskanerkloster an. Pfarrer zieht um Auch der Pfarrer selbst werde umziehen: aus dem Pfarrhaus in der Luitpoldstraße in der Altstadt in den Füssener Westen. Im Neubau könnten sich dort Verwaltungsgeschehen und Gemeindeleben – vor allem das junger Familien – abspielen.

Für all seine Aussagen gilt jedoch: Sie sind bisher nur ein Entwurf. Der nicht mehr sanierbare und viel zu klein gewordene Kindergarten „St. Gabriel” und die überdimensionierte Kirche „Zu den Acht Seligkeiten”, an der ebenfalls die Jahrzehnte nicht spurlos vorüber gegangen sind, zwangen die Pfarreiengemeinschaft darüber nachzudenken, wie eine räumliche Neuaufteilung gelingen könnte. 

Ein Anstoß sich zusammenzusetzen, sind auch die stark sinkenden Besucherzahlen im Sonntagsgottesdienst. Die Kirche, die nahe der Kaserne erbaut wurde, bietet Platz für 600 Besucher. Doch so viele haben schon lange nicht mehr den Gottesdienst besucht. Wenn knapp 100 Gläubige kommen, grenzt das schon fast an ein kleines Wunder. Denn im Schnitt besuchen höchstens 60 Leute diese moderne Kirche, für die viel Geld an Heizkosten aufzubringen sei, wie Pfarrer Deuring erklärte.

Ein kleiner Kirchenraum

Deshalb – wie auch Diakon Christoph Schwarzer unterstrich – sei ein kleiner Kirchenraum mit angenehmer Atmosphäre das planerische Ziel. Das Bekenntnis der „Hauptamtlichen” für einen radikalen Schnitt fällt klar aus, wie bei der Versammlung zu erfahren war. Pfarrer Deuring deutete an, dass trotz aller Schwierigkeiten sehr viel Herzblut an der Kirche „Zu den Acht Seligkeiten” hänge, besonders „wenn alle Sitzreihen besetzt waren”, so Deuring. 

Er sagte: „Als ich vor zehn Jahren als Pfarrer in Füssen angefangen habe, habe ich nicht gedacht, dass ich jemals eine Kirche abreißen würde.” Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, wächst von Tag zu Tag. Denn die ökonomischen Gründe dafür seien nicht von der Hand zu weisen. „Wir machen das nicht aus Jux und Tollerei”, sagte Deuring unmissverständlich. Tröstlich an dem Status quo ist offensichtlich: das geplante Begegnungs-Zentrum in Füssen-West geht nicht zu Lasten des religiösen Lebens in der historischen Altstadt.

Anlaufstelle in Innenstadt

Nach wie vor werden die Gläubigen, die im Stadtkern wohnen, den Gottesdienst dort besuchen können, wo sie es seit Kindesbeinen gewohnt sind: in der Stadtpfarrkirche St. Mang, die als Basilika eine Touristenattraktion ist, und in der zur inneren Einkehr einladenden Franziskanerkirche, die bei vielen Bürgerinnen und Bürgern als besonders beliebt gilt. „St. Mang als Hauptkirche der Pfarreiengemeinschaft”, so sieht Deuring die Zukunft. Die Gläubigen wünschen sich dagegen unbedingt eine Anlaufstelle in der Innenstadt, wie Besucher der Info-Veranstaltung deutlich machten. Zu schaffen wäre diese möglicherweise im „St. Mang Laden” nahe der Basilika. 

Daneben wünschen sich die Besucher ein City-Schaufenster der Pfarrgemeinde, das einen Überblick gibt. Werden ältere Gläubige künftig also mit Touristen in die Altstadtkirchen gehen, während sich junge Familien aus dem Füssener Westen im Neubau „Begegnungs-Zentrum” treffen, was fast einer Trennung der Generationen gleich käme? Wie in Gesprächen mit dem Kreisbote zu hören war, hofft man, dass sich in der Atmosphäre eines Neubaus alle wohl fühlen werden. Eine gut geheizte, kleine Kirche könnte daher anziehender sein als barocke Pracht unter der Kuppel, wo man bei langen Predigen schnell kalte Füße bekommt.

Chris Friedrich

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