Acht Verletzte bei Kutschenunfall am Schloss Neuschwanstein

Die Unglückskutsche wurde nach mehreren Kollisionen von einem Baumstumpf gestoppt. Die Insassen – Touristen aus Rheinland-Pfalz und aus Japan – wurden herausgeschleudert. Foto: Sommer

Acht Menschen wurden am vergangenen Montag bei einem Kutschenunfall am Schloss Neuschwanstein verletzt, zwei Pferde mussten eingeschläfert werden. Aus bislang ungeklärter Ursache waren die Pferde einer vollbesetzte Kutsche durchgegangen und talwärts gerast, eine Frau aus Rheinland-Pfalz wurde bei dem Unglück aus der Kutsche geschleudert. Mit schweren Verletzungen musste die Mutter von zwei Kindern in das Unfallkrankenhaus nach Murnau geflogen werden.

Gegen 12.30 Uhr am Montag stand eine der zahlreichen Kutschen, die Touristen von Hohenschwangau zum Schloss Neuschwanstein bringen, abfahrbereit am Kutschenplatz unterhalb des Schlosses. Besetzt mit sieben Fahrgästen, neben der Mutter mit den beiden elf und neun Jahre alten Kindern sowie vier Japanern, wartete der Kutscher neben den Pferden stehend auf weitere Fahrgäste. Dann seien, so erste Erkenntnisse der Polizei, die beiden Pferde unvermittelt durchgegangen und, ohne Kutscher, talwärts gerast. Rund 500 Meter weiter geriet die Kutsche aufs Bankett und raste anschließend in die gegenüberliegende Mauer. Ein Augenzeuge: „Ich hab die Mädels zur Seite gestoßen, dann sind die Pferde auch schon in die Mauer gerast, wo wir gerade gestanden hatten“. Tobias Blaser ist noch immer mitgenommen vom Geschehen, in das er gerade verwickelt war. Der Dachauer wollte mit drei Austauschstudentinnen aus Taiwan Neuschwanstein besuchen und war gerade auf dem Weg nach oben, als ihnen die Kutsche entgegenkam. Die Pferde hätten sich gegenseitig überrannt, beschreibt der 26-jährige den Unfall, als sie gegen die Mauer prallen. Dabei seien beide gestürzt, wären aber wieder aufgestanden und, trotz schwerer Kopfwunden bei einem der beiden Pferde, weitergerannt. Dafür lagen plötzlich die Mutter und ihre beiden Kinder auf der Fahrstraße. Sie hätten sich in die Kutsche hinein geduckt, vermutet Blaser, zumindest habe er niemanden in der Kalesche gesehen. Er leistete sofort erste Hilfe. Nachdem die beiden Kinder „fit waren“, kümmerte er sich um deren Mutter. Sie ist ansprechbar, hat aber schwere Schürfwunden auf der rechten Seite, vor allem auch im Kopfbereich, die der Student mit weiteren Helfern zusammen versorgt. Sie habe, erzählt sie ihm, versucht, die Zügel zu greifen, um die Pferde zu bremsen – ohne Erfolg. Schließlich wird sie nach ärztlicher Versorgung mit dem Hubschrauber in das Unfall- krankenhaus nach Murnau geflogen. Zweite Kutsche gerammt Während Blaser die Mutter versorgt, rasen die Pferde mit den verbliebenen Insassen, der Polizei zufolge vier Japaner, weiter gen Tal. Rund 100 Meter nach dem ersten Aufprall rammt die Kutsche eine zweite, ebenfalls talwärts fahrende aber unbesetzte Kutsche. Deren Lenker wird durch den Aufprall vom Bock geschleudert, die Tiere rennen weiter. Die erste Kutsche trifft schließlich auf eine Baumstumpf, dabei werden die restlichen Insassen herausgeschleudert. Dabei bricht auch die Deichsel der Kutsche. Aufgrund der ersten Meldungen löst die Leitstelle einen Großalarm für die Rettungskräfte aus. Zusammen mit mehreren Rettungshubschraubern, darunter auch zwei der österreichischen Luftrettung, rücken Kräfte bis aus Oberbayern und Kaufbeuren an. Während die Retter nach und nach eintreffen, müssen die verletzten Insassen versorgt werden, neben der schwer Verletzten auch der Kutscher mit Kopfverletzungen sowie die japanischen Gäste mit leichteren Wunden und Knochenbrüchen. Zwei Pferde sterben Insgesamt werden schließlich sieben Verletzte mit Rettungswagen in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Zwischenzeitlich hatte sich auch der Vater und Ehemann der Schwerverletzten gemeldet, warum er nicht mit in der Kutsche saß, war bis dato unklar. Weniger glimpflich ging das Unglück für die Vierbeiner aus, je eines der Pferde der beiden Kutschen musste eingeschläfert werden aufgrund der doch recht schweren Verletzungen. Besonders tragisch: der „Unfallkutscher“ fuhr seit 22 Jahren jeden Tag mit seinem Pferdegespann zum Schloss hoch – bisher immer unfallfrei. Warum die Pferde plötzlich durchgehen, kann der schockierte Lenker der Polizei nicht erklären. Weder habe es laute Geräusche gegeben, noch sei jemand seinen Pferden zu nahe gekommen. Seitens der Polizei wird zwar jetzt ermittelt, Hoffnung, eine Ursache zu finden, macht man sich aber nicht. Sichtlich mitgenommen wirkt auch Landrat Johann Fleschhut, der sofort nach Hohenschwangau geeilt war, um sich, ebenso wie Bürgermeister Reinhold Sontheimer, über das Geschehen informieren zu lassen. „Anfangs hat es seht viel ernster ausgesehen“, sagte der Landkreischef. Durchschnittlich können die Kutschen mit bis zu einem Dutzend Fahrgästen besetzt sein, vor allem im Bereich der Unglücksstelle, hier mündet die Treppe in die Straße, geht es auch einige Meter in die Tiefe. Deshalb auch kamen Mitglieder der Bergwacht zum Einsatz, die unterhalb der Unfallstelle nach möglicherweise weiteren Verletzten suchten. Insgesamt bliebt die Straße für anderthalb Stunden gesperrt, bis die letzten Rettungswagen abgefahren waren, der Kutschbetrieb ruhte am Montag.

Auch interessant

Meistgelesen

Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Die Freiheit eines Christen
Die Freiheit eines Christen
Grenztunnel wird gesperrt
Grenztunnel wird gesperrt
Brücke ins Leben
Brücke ins Leben

Kommentare