Kein Grund zu feiern

ADFC-Fahrradklima-Test: Radler geben der Stadt Füssen nur ein »befriedigend«

Fahrräder in Füssen
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Das Fahrrad ist in Füssen ein beliebtes Verkehrsmittel. Wie hier die Bedingungen für Radler sind, haben jetzt Füssener in 277 Interviews beim ADFC-Fahrradklima-Test bewertet.
  • vonKatharina Knoll
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Füssen – Auf dem 94. Platz von insgesamt 418 teilnehmenden Städten unter 20.000 Einwohnern ist die Stadt Füssen beim ADFC-Fahrradklima-Test gelandet. Mit einer Gesamtnote von 3,55 liegt die Stadt Füssen im Mittelfeld „befriedigend“. Das sei kein Grund zu feiern, aber „eine gute solide Grundlage, um im Thema ,Radverkehr Füssen‘ mit Optimismus in die Zukunft zu blicken“, meinte Maximilian Eichstetter (CSU), Bürgermeister der Stadt Füssen. 

Beim ADFC-Fahrradklima-Test 2020 bewerteten Radfahrer aus ganz Deutschland 1024 Städte. Die erfolgreichsten davon zeichnete Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) aus. 418 der teilnehmenden Städte waren Kommunen unter 20.000 Einwohnern. Die Stadt Füssen belegte hier den 94. Platz. Damit liegt sie unter anderem hinter Isny (34. Platz, Note 3,24), Bad Wörishofen (75. Platz, Note 3,47) und Marktoberdorf (82. Platz, Note 3,50). Den Sieg holte sich Wettringen (Note 1,96) vor Reken (Note 2,10) und Rutesheim (Note 2,22).

Die Füssener gaben für den Test 277 Interviews. Mit Noten von jeweils 2,3 bewerteten sie am besten, dass in Füssen alle mit dem Fahrrad fahren, egal ob jung oder alt und dass die meisten Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Fahrradfahrer freigegeben sind. Gut bewerteten die Befragten auch die Fahrradwegweiser in der Lechstadt (2,3). Befriedigend fiel ihr Fazit bei der Infrastruktur des Radverkehrsnetz (2,9), der zügigen und direkten Erreichbarkeit verschiedener Ziele mit dem Rad (3,0), bei der Reinigung der Radwege (3,1), bei der Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad (3,1) und beim Spaß am Radeln (3,2) aus. Ähnlich bewerten sie die Räumung der Radwege im Winter (3,3), das Fahrrad- und Verkehrsklima (3,4), dass es auf den Radwegen und Radstreifen keine Hindernisse gibt (3,3) und dass die Fahrradwege glatt und eben sind (3,3).

Konflikte zwischen Radler und Fußgänger

Nur als ausreichend sahen die Befragten dagegen den Stellenwert des Radverkehrs in Füssen (3,6), das Fahren auf Radwegen und Radfahrstreifen (3,7), die Sicherheit (3,9) sowie den Komfort (4,0) beim Radfahren an. Die Note vier gaben die Interviewten auch den Abstellanlagen, den Ampelschaltungen für Radfahrer (4,1), der Breite der Radwege (4,1), der Führung an Baustellen (4,1), Konflikten mit dem Kfz-Verkehr (4,2) und der Fahrradmitnahme im Öffentlichen Verkehr (4,30). Nur für ausreichend hielten die Füssener auch das, was in jüngster Zeit in Füssen für den Radverkehr getan wurde. Am negativsten bewerteten sie jedoch die Konflikte zwischen Radfahrer und Fußgänger und das Fahren im Mischverkehr mit Kfz (jeweils 4,4).

Leihstation für Fahrräder

„Da wir uns nicht mit ,befriedigend‘ zufrieden geben, sind diverse Maßnahmen geplant“, sagte der Rathauschef zum Umfrageergebnis. Bei allen Themenfeldern, die über der Note 3,5 liegen, bestehe Handlungsbedarf. Aktuell seien aber bereits verschiedene Projekte zur Verbesserung des Fahrradverkehrs in Planung. So möchte die Stadt einen Radweg entlang des Skateparks anlegen, den Fahrradweg in Hopfen ausbauen, die innerstädtischen Radwege verbessern und den stark frequentierten Lechufer Radweg ausbauen (der Kreisbote berichtete mehrfach). Bei letzterem laufen derzeit die Grundstücksverhandlungen. Über das Projekt „SmartCity“ plant die Stadt eine Leihfahrradstation, die online buchbar sein soll. Auch Lastfahrräder wären laut Eichstetter hier denkbar. Daneben möchte die Stadt ihre Fahrradparkplätze mit Schließfächern und Lademöglichkeiten für E-Bikes neu gestalten. Außerdem will die Stadt an der ostallgäuweiten „Stadtradel Aktion“, die von 13. Juni bis 3. Juli stattfindet, teilnehmen. Unter anderem durch diese Projekte hofft der Bürgermeister, „dass wir in der nächsten Befragung 2023 im Vergleich anderer Städte weiter nach vorne kommen.“ Insgesamt blickt er jedoch optimistisch in die Zukunft und freut sich auf die nächsten Rad-Projekte.

„Am Ende zählt nicht auf welchem Platz wir stehen, sondern das sich unsere Bürgerinnen und Bürger mit Freude und vor allem hoher Sicherheit mit dem Fahrrad durch die Straßen bewegen können und den Vorteil des Fahrrads sehen und erleben“, so Eichstetter.

Katharina Knoll

Der ADFC-Fahrradklima-Test

Der ADFC-Fahrradklima-Test misst als bundesweites Stimmungsbarometer die Zufriedenheit von Fahrradfahrern in deutschen Städten und Kommunen. Gleichzeitig gibt er den Kommunen ein Arbeitstool mit konkreten Empfehlungen an die Hand. Die Umfrage ist nicht repräsentativ.

Der ADFC verzeichnete 2020 einen Teilnehmerrekord bei seinem Fahrradklima-Test. Rund 230.000 Fahrradfahrer beteiligten sich an der Befragung. Im Vergleich zu 2018 ist das eine Steigerung um 35 Prozent. Dabei bewerteten sie 1024 Städte und Gemeinden. Das sind so viele wie nie zuvor (2018: 683 und 2016: 539 Städte). Dabei erreichen immer mehr Orte unter 100.000 Einwohnern die Mindestteilnahmezahl. Bei den Gemeinden unter 20.000 Einwohnern verzeichnete der ADFC eine Verdopplung der Teilnahme. Daneben wirkt sich die Corona-Pandemie auch auf die Umfrage aus.

Im Corona-Jahr 2020 ist der Anteil der Freizeitradler um 27 Prozent im Vergleich zur Umfrage 2018 gestiegen. Insgesamt machen Freizeitradler etwa ein Zehntel der Stichprobe aus. Der Anteil derjenigen, die fast täglich mit dem Fahrrad fahren, ist dagegen um elf Prozentpunkte im Vergleich zur Umfrage 2018 gesunken, was laut ADFC unter anderem am vermehrten Homeoffice und damit Wegfall von Pendlerverkehren liegen dürfte.

Die Umfrage 2020 zeigt, dass die Elektromobilität auch im Radverkehr weiter ein Trendsetter ist. 24 Prozent der Teilnehmer nutzen hauptsächlich ein Pedelec. Das ist ein Anstieg um 60 Prozent im Vergleich zu 2018. In Kommunen unter 20.000 Einwohner liegt der Anteil der Pedelec-Nutzenden sogar bei 30 Prozent.

Die Umfrage 2020 verstetigte laut ADFC die grundlegenden Aussagen der Fahrradklima-Tests. Demnach hält der negative Langzeittrend bei Spaß, Sicherheitsgefühl, Konflikte mit Kfz sowie Breite und Oberfläche der Radwege an. Der ADFC zieht daraus den Schluss, dass manche Städte nach wie vor nichts oder sehr wenig tun. Bei anderen, die sich schon auf den Weg gemacht haben, würden häufig Planungsvorläufe und Mangel an Personal schnelle, sichtbare Umsetzungsergebnisse bei der Radverkehrsinfrastruktur verzögern. Am besten bewertet wird die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad mit den Schulnoten (2,9), die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung (3,0) und die Nutzung des Fahrrads durch Jung und Alt (3,1).

Am meisten bemängelt wird der lasche Umgang mit Falschparkern (4,8), weiterhin eine schlechte Baustellenführung (4,7) und zu schmale Radwege (4,7).

Am wichtigsten sind den Fahrradfahrern: Ein gutes Sicherheitsgefühl (81 Prozent), die Akzeptanz von Fahrradfahrern durch andere Verkehrsteilnehmer (80 Prozent) und ein konfliktfreies Miteinander von Rad- und Autoverkehr (79 Prozent).

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