Ärztlicher Direktor spricht über Darmkrebsvorsorge und Neuerungen in der St. Vinzenz Klinik

»Jeder Darm hat seine eigene Schönheit

Dr. Dominik Müller
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Dr. Dominik Müller ist Ärztlicher Direktor der St. Vinzenz Klinik in Pfronten. In der Klinik gibt es 115 Planbetten, davon 60 in der Chirurgie und 55 in der Inneren Medizin.

Pfronten – Der März wird als „Darmkrebsmonat“ bezeichnet, Älteren Menschen wird Vorsorge nahegelegt. Ein Spezialist für die Darmspiegelung ist Dr. Dominik Müller, Ärztlicher Direktor der St. Vinzenz Klinik in Pfronten. Im Interview mit dem Kreisboten spricht er nicht nur über die Vorsorgeuntersuchung, sondern auch über Neuerungen, die in der Klinik geplant sind.So wird ab April die 36-Stunden-Woche für Mitarbeiter in der Pflege, welche im Drei-Schicht System arbeiten, sowohl in der Akutklinik als auch in der Rehaklinik St. Vinzenz, eingeführt.

Unterhalten sich Allgäuer Senioren, dann wird deutlich, dass die chirurgischen Leistung Ihrer Klinik sehr viel Lob erfahren. Ihre Kollegen mit dem feinen Skalpell tauchen regelmäßig in den Rankings auf, in denen Deutschlands Top-Chirurgen aufgelistet werden. Doch die von Ihnen als Ärztlicher Direktor geleitete St. Vinzenz Klinik ist viel mehr als ihre bekannte Abteilung Chirurgie. Was gehört noch zu dieser Klinik?

Dr. Dominik Müller: „Wir bieten eine ambulante, stationäre und rehabilitative Gesundheitsversorgung aus einer Hand an. Als Krankenhaus der Versorgungsstufe I hat unsere Klinik die vier Fachrichtungen. Das sind Chirurgie – die Sie mit Ihrer Frage herausgehoben haben – die Innere Medizin, Altersmedizin und Anästhesie. Als Chefarzt der Inneren Medizin bin ich mit meinem Team für Menschen da, die bedingt durch eine plötzliche Erkrankung oder die akute Verschlechterung einer chronischen Erkrankung in der Klinik sind. Wir sehen sie nicht als medizinische Fälle, sondern als eigenständige Personen, denen wir – so gut es medizinisch geht – helfen werden. Dies geschieht mit Empathie.“

Im März wird jedes Jahr zur Darmkrebs-Vorsorge aufgerufen. Der Bedarf nach endoskopischen Untersuchungen ist stetig gestiegen. Welche konkreten Erfahrungen macht Ihre Klinik mit der ausgebauten Endoskopie-Abteilung?

Müller: „Wenn wir einen Ausbau machen – wir sind auf dem Weg zu einer zentralen Notaufnahme und zwei Bettenstationen einen großen Schritt weiter gekommen – dient ein solches Vorhaben in erster Linie dazu, mehr Komfort für unsere Patienten und selbstverständlich auch für alle, die bei uns arbeiten – erzielen zu können.“

Was heißt das konkret? Nennen sie bitte Beispiele.

Müller: „Ein gutes Beispiel sind Wartezeiten, die kürzer geworden sind. In den bisherigen Räumen ist eine Erweiterung baulich nicht möglich gewesen, deshalb hatten wir uns für einen Anbau entschieden, der sich in den bestehenden Klinikkomplex einfügt. Wer zu einer Darmspiegelung nach Pfronten kommt, befindet sich mit uns in hellen und freundlich gestalteten Untersuchungsräumen. Unser neuer Trakt verfügt auch über einen größeren Aufwachbereich für die Patienten. Alle ambulanten Patienten, die dies wünschen, werden auch von mir selbst untersucht.“

Dabei setzen Sie bestimmt all ihre Routine ein?

Müller: „Ich bin im 31 Berufsjahr und seit 29 Jahren in der Endoskopie. Hier hat sich medizinisch viel getan. Die Darmreinigung beeinträchtigt die Person, die vernünftigerweise auf Vorsorge baut, weniger als früher. Von der Untersuchung im Darm bekommt man nichts mit, weil sie erst durchgeführt wird, wenn der Kurzschlaf eingetreten ist. Eine solche Untersuchung ist für mich keine Routinemaßnahme, auch nicht nach so langer Zeit. Jeder Darm hat seine eigene Schönheit. Der Darm ist anfällig für Tumore. Das Wesentliche aus Sicht des Patienten ist: Darmkrebs früh erkannt, ist gut heilbar. Die Darmspiegelung ist in der Medizin ein einmaliges Instrument, weil sie gleichzeitig eine Vorsorgeuntersuchung und eine therapeutische Maßnahme zur Verringerung des individuellen Darmkrebsrisikos ist – durch die Entfernung von Darmpolypen.“

Wir haben hier vom Ärzte- und Pflegeteam sowie von erkrankten Personen gesprochen, die in der Klinik miteinander in Kontakt sind. Was macht denn die St. Vinzenz Klinik attraktiv für mögliche Bewerber aus nachgefragten Berufen?

Müller: „Bevor wir im Jahr 2006 die Klinik von den Ordensschwestern übernommen haben, galt noch die 41 Stunden-Woche. Wir haben 36 Stunden eingeführt. Auch wenn Anbauten geplant werden, bleibt es in der seit 2006 erfolgreich als GmbH geführten Klinik St. Vinzenz bei 115 Planbetten. Davon sind 60 in der Chirurgie. Unser Leitbild ist, dass wir zu keiner Untersuchung raten, nur weil wir das Gerät dafür haben. Wir hören zu und sehen den Menschen nicht zuletzt in seinem familiären Umfeld, um ihm persönlich medizinisch zu helfen.“

Chris Friedrich

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