"Die Tendenz ist absolut steigend"

Polizei Füssen und Pfronten warnt vor Betrügereien

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Auch wenn Betrüger am Telefon häufig Senioren im Visier haben, bleibt davon keine Altersgruppe gefeit.

Füssen – „Das Thema beschäftigt uns noch länger“, erklärte Edmund Martin, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Füssen, als er bei der Pressekonferenz zur Kriminalitätsstatistik auf die Betrugs-, Vermögens- und Fälschungsdelikteblickte.

231 solcher Delikte hat die PI Füssen und die Polizeidienststelle (PSt) Pfronten im vergangenen Jahr verzeichnet. 2016 waren es noch 153. Mittlerweile habe die Polizei Füssen und Pfronten aber „tagtäglich mit Internetbescheisereien“ zu tun, so Martin. „Die Tendenz ist absolut steigend“, bestätigte Ermittlungsbeamter Hansjörg Schneidberger. 

Ob der Enkeltrick, falsche Polizeibeamte, Gewinnversprechen oder auch Betrügereien mit Onlinetickets bei Zügen und Fernbussen – Dank des Internets und Darknets steigen die Möglichkeiten der Betrüger. Oft haben sie dabei Senioren im Visier. „Die Taten an Senioren hat gehörig zugenommen“, so der Ermittlungsbeamte. Um sich potentielle Opfer beispielsweise für den Enkeltrick (Betrüger rufen an, geben sich als Verwandte aus, um an das Geld der Senioren zukommen), herauszupicken, suchen die Täter im Telefonbuch nach alten Vornamen. 

136.000 Euro Schaden

Der Grund: „Ältere Leute haben Kapital“, erklärte Martin. Außerdem seien sie oft vertrauensselig. Grundsätzlich seien jedoch keine Altersklassen oder Berufsgruppen vor Betrügereien gefeit, fügte Wolfgang Hein, Stationsleiter Pfronten, hinzu. „Angefangen hat alles mit den Gewinnversprechen“, so Schneidberger. Die Masche: Betrüger rufen an und erklärten, dass der Angerufene eine größere Summe Bargeld gewonnen habe. Für den Transfer und Steuern müsse er aber im Voraus Geld überweisen, fordern die Betrüger – häufig unter massiven Druck. Oft werde das Geld in die Türkei überwiesen, denn diese Callcenter sitzen nachweislich dort, so Martin. 

So erging es beispielsweise einer rüstigen 73-Jährigen, berichtete Scheidberger. Diese fuhr am Ende für den Bargeldtransfer täglich mit dem Zug nach München. Am Ende belief sich der Schaden auf 136.000 Euro, erklärte Schneidberger. Die Betroffenen „finden nicht den Punkt aufzuhören“, so der Ermittlungsbeamte. Da sei immer noch eine gewisse Hoffnung da, am Ende doch noch den versprochenen Gewinn zu erhalten.  Ähnliches haben auch eine studierte Sozialpädagogin und junge Frauen aus Pfronten erlebt, so Schneidberger. 

Das Entdeckungsrisiko der Täter sei dabei gering. Um an das Geld zu gelangen, bräuchten sie häufig nur den Transfercode.

Falsche Polizisten

Eine weitere einfache, aber effektive Betrugsmasche sei der Falsche Polizeibeamte. Die Betrüger geben sich dabei am Telefon als Polizisten aus und erklären, dass sie einen Einbrecher gefasst haben, der einen Zettel mit der Adresse des Angerufenen bei sich hatte. Um dessen Wertsachen zu schützen, werde ein Polizist in zivil sie abholen. Einige solcher Betrüger habe man zwar schon geschnappt, aber: „Die lernen dazu“, informierte der Ermittlungsbeamte. 

Um bei der Übergabe nicht gesehen zu werden, fordern die Betrüger oft, die Wertsachen in eine Tüte auf die Biotonne zu legen. Denn diese liege häufig nicht im Blickfeld der Haustür. Ein anderer Trick: Mit Hilfe des Internets lassen die Betrüger im Telefondisplay die Telefonnummer der örtlichen Polizeidienststelle erscheinen oder geben sich sogar namentlich als Polizisten aus, die dort tatsächlich arbeitet. „Die sind geschult, die reden wie Polizisten“, so Schneidberger. 

Dabei seien sie mitunter „richtige Bilderbuchverbrecher“, sagte Martin, als er sich an einen Fall in Buching erinnerte. Dort habe er und seine Kollegen einmal eine Bande festgenommen, die für die Betrügereien extra von Mannheim angereist sei. Mitunter lassen die Betrüger den Betroffenen aber auch gar keine Zeit nachzudenken oder die richtige Polizei anzurufen. Die Beamten hatten schon mit Fällen zu tun, da hielten die Täter per Telefon ständig Kontakt zu den Betroffenen und setzen sie so enorm unter Druck. Da ist es hilfreich, wenn sie in der Bank auf aufmerksame Angestellte treffen, die misstrauisch werden, wenn beispielsweise ein Senior auf einmal eine große Menge Bargeld abheben will. Viele fragen dann nach und öffnen den Betroffenen die Augen. Das sei mittlerweile jedoch schwierig aufgrund des Datenschutzes, erklärte Martin. Er ist sich jedoch sicher: Mit solchen Taten wird die Polizei auch noch in Zukunft häufig zu tun haben.

Katharina Knoll/Foto:  Martin Schemm/pixelio.de

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